Martinsgans in der Gastronomie: Einkauf, Ausbeute, Kalkulation pro Teller und Vorbestellung

Die Martinsgans bringt nur dann Geld, wenn sie pro Teller in Euro gerechnet ist: Wareneinsatz der Gans, Beilagen, Energie und Küchenzeit gegen den Nettopreis. Aus einer küchenfertigen Gans von 4 bis 5 Kilo werden in der Praxis meist vier Portionen. Bei einer Importgans bleibt bei üblichen Preisen ein guter Deckungsbeitrag, bei einer deutschen Weidegans muss der Tellerpreis deutlich höher liegen. Vorbestellung mit Anzahlung und vorgegarte Gänse machen die Saison planbar.

Die Gänsesaison ist für viele Landgasthöfe und Restaurants der wichtigste Umsatzblock zwischen Sommer und Weihnachten. Von Martini am 11. November bis zu den Weihnachtsfeiertagen sind die Tische voll, die Telefone klingeln, und die Gans ist das Gericht, für das Gäste bereit sind, mehr zu zahlen als für jedes andere. Trotzdem endet die Saison in manchen Betrieben mit einem überraschend kleinen Gewinn.

Der Grund ist fast immer derselbe: Die Gans wird nach Gefühl kalkuliert, nicht nach Gewicht. Der Einkaufspreis steigt von Jahr zu Jahr, die Portion auf dem Teller wird nach Augenmaß geschnitten, und die vier Stunden im Ofen tauchen in keiner Rechnung auf. Dieser Beitrag rechnet die Martinsgans vom Einkauf bis zum Teller durch und zeigt, wie du die Saison so planst, dass sie sich wirklich lohnt.

Wann ist Gänsesaison, und warum lohnt sie sich?

Die Gänsesaison in der Gastronomie beginnt traditionell zu Martini am 11. November und läuft bis Weihnachten. Viele Betriebe starten schon Anfang November, einige bieten Gans bis in den Januar an. In diesen Wochen ist die Gans für viele Gäste ein Pflichttermin, oft als Familien- oder Firmenessen, und sie trägt einen deutlich höheren Bon als ein normales Hauptgericht.

Wirtschaftlich ist die Gans aus drei Gründen interessant. Erstens bringt sie Gäste an Tagen, die im November sonst eher ruhig sind. Zweitens lässt sie sich gut vorbestellen und damit planen, anders als das spontane À-la-carte-Geschäft. Drittens ist sie ein Gruppenessen: Wer eine ganze Gans für vier Personen bestellt, bringt drei Leute mit, die Getränke, Vorspeisen und Desserts verzehren.

Gleichzeitig ist die Gans ein Produkt mit hohem Wareneinsatz pro Teller und viel Aufwand in der Küche. Wer das unterschätzt, verkauft viele Gänse und verdient wenig. Die Gänsesaison gehört deshalb zu den Wochen, in denen sich saubere Kalkulation in der Gastronomie besonders direkt in der Kasse zeigt. Für die Weihnachtsfeiern, die im gleichen Zeitraum laufen, haben wir einen eigenen Beitrag: Weihnachtsfeier in der Gastronomie.

Welche Gans kaufst du ein?

Für die Gastronomie gibt es drei Wege: frische deutsche Gänse vom Geflügelhof, oft als Weidegans, tiefgekühlte Importgänse, meist aus Polen oder Ungarn, und Gänseteile wie Keulen und Brüste einzeln. Deutsche Frischgänse sind deutlich teurer, bringen aber ein starkes Verkaufsargument. Importware ist günstiger und gleichmäßiger verfügbar. Teile sparen Arbeit und machen die Portion planbar.

Einkauf Vorteil Nachteil
Deutsche Frischgans vom HofHerkunft als Verkaufsargument, Qualität, regionale Geschichtehoher Kilopreis, früh vorbestellen, schwankende Größen
Importgans tiefgekühltgünstiger, gut lagerbar, gleichmäßig verfügbarschwächeres Argument beim Gast, Auftauzeit einplanen
Gänseteile Keule und Brustfeste Portion, weniger Arbeit, kein Tranchierenteurer pro Kilo als ganze Gans, keine Knochen für Soße

Wichtig für die Planung: Gute deutsche Frischgänse sind zu Martini schnell ausverkauft. Wer Gänse vom Hof will, sollte die Mengen schon im Spätsommer oder frühen Herbst fest bestellen und sich das Gewicht pro Tier zusichern lassen. Ein Mischmodell funktioniert in vielen Betrieben gut: Frischgans für die ganze Gans am Tisch, Keulen für das Tellergericht an Wochentagen.

Ein Tipp aus dem Einkauf: Vergleiche nicht nur den Kilopreis, sondern den Preis pro fertiger Portion. Eine günstige Gans mit viel Fett und kleiner Brust kann pro Teller teurer sein als eine teurere, fleischigere Gans. Das zeigt erst die Waage, nicht die Preisliste. Wie du Einkaufspreise und Wareneinsatz grundsätzlich im Griff behältst, steht in Wareneinsatz in der Gastronomie.

Koch wiegt eine rohe Gans in der Warenannahme für die Kalkulation der Martinsgans
Die Kalkulation der Martinsgans beginnt an der Waage, nicht auf der Preisliste. (Symbolbild, KI-generiert)

Wie viele Portionen bringt eine Gans?

Aus einer küchenfertigen Gans von 4 bis 5 Kilo werden in der Küchenpraxis meist vier Portionen: zwei mit Keule und zwei mit Brust, oder ein Viertel Gans pro Person. Der Grund ist der hohe Bratverlust. Eine Gans verliert beim Braten viel Fett und Wasser, oft ein Drittel ihres Gewichts und mehr. Wie viel genau, hängt von Tier, Garmethode und Garzeit ab.

Deshalb gilt: Mach vor der Saison einen Probebraten mit genau der Gans, die du einkaufst. Wiege die Gans roh, nach dem Braten und nach dem Tranchieren. Notiere, wie viel Fleisch tatsächlich auf vier Tellern landet. Diese eine Messung ist die Grundlage deiner ganzen Saisonkalkulation, und sie dauert einen Nachmittag.

Der Probebraten in fünf Messungen

1. Gewicht roh, küchenfertig

2. Gewicht nach dem Braten

3. Gewicht der tellerfertigen Fleischportionen nach dem Tranchieren

4. Menge Gänsefett und Bratensaft, die du weiterverwenden kannst

5. Garzeit und Ofenbelegung pro Gans

Ein typischer Fehler: Die Portionen werden nach Gefühl geschnitten. Mal bekommt ein Gast eine große Keule, mal ein kleines Bruststück. Das ärgert Gäste, und es macht die Kalkulation zur Lotterie. Lege fest, was eine Portion ist, etwa "eine Keule oder eine halbe Brust", und richte die Teller danach an. Wie du das für alle Gerichte machst, zeigt die Rezepturkarte in der Gastronomie.

Was kostet eine Portion Martinsgans wirklich?

In unserer Modellrechnung kostet eine Portion Martinsgans mit Rotkohl, Klößen und Soße bei einer Importgans rund 9 Euro Ware und bei einer deutschen Frischgans rund 18 Euro. Rechnet man Energie und 15 Minuten Küchenzeit dazu, liegt der Einstand bei rund 15 beziehungsweise 24 Euro pro Teller. Die Zahlen sind Annahmen, ersetze sie durch deine Einkaufspreise und deinen Probebraten.

Annahmen der Modellrechnung (vier Portionen pro Gans von 4,5 Kilo)

Importgans tiefgekühlt: angenommen 6 Euro je Kilo, also 27 Euro je Gans, 6,75 Euro je Portion

Deutsche Frischgans: angenommen 14 Euro je Kilo, also 63 Euro je Gans, 15,75 Euro je Portion

Rotkohl, Klöße, Soße, Garnitur: 2,00 Euro je Portion

Energie für lange Garzeit, anteilig: 0,40 Euro je Portion

Küchenzeit für Vorbereitung, Garen, Tranchieren und Anrichten: 15 Minuten zu 24 Euro je Stunde inklusive Arbeitgeberanteil, also 6,00 Euro je Portion

Pro Portion Importgans Deutsche Frischgans
Gans6,75 €15,75 €
Beilagen und Soße2,00 €2,00 €
Wareneinsatz8,75 €17,75 €
Energie0,40 €0,40 €
Küchenzeit6,00 €6,00 €
Einstand pro Teller15,15 €24,15 €

Die Küchenzeit klingt nach viel, aber sie ist ehrlich. Eine Gans braucht Vorbereitung, mehrere Stunden Ofen, Aufmerksamkeit beim Garen, Tranchieren und Anrichten. Wer die Küchenzeit weglässt, sieht einen schönen Wareneinsatz und wundert sich am Ende der Saison über die Personalkosten. Wie du die Personalstunde richtig ansetzt, steht in Personalkosten in der Gastronomie.

Was die Rechnung auch zeigt: Bei der deutschen Frischgans macht die Gans allein mehr als die Hälfte des Einstands aus. Ein Euro mehr pro Kilo im Einkauf sind über einen Euro mehr pro Teller. Wer seine Preise im Frühjahr festlegt und im Herbst einkauft, sollte deshalb den Einkaufspreis vor dem Druck der Karte noch einmal prüfen.

Welcher Preis ist für die Martinsgans richtig?

Der richtige Preis ergibt sich aus dem Deckungsbeitrag, den eine Portion Gans mindestens bringen soll. Bei 32 Euro brutto bleiben in unserem Beispiel mit Importgans rund 15 Euro Deckungsbeitrag nach Küchenzeit, mit deutscher Frischgans nur rund 6 Euro. Wer mit Frischgans denselben Beitrag erreichen will, landet bei rund 41 Euro brutto pro Portion. Speisen kosten seit 2026 dauerhaft 7 Prozent Umsatzsteuer.

Importgans, 32 Euro brutto (29,91 Euro netto)

14,76 Euro Deckungsbeitrag nach Küchenzeit

29,91 minus 15,15 Euro Einstand

Deutsche Frischgans, 32 Euro brutto

5,76 Euro

29,91 minus 24,15 Euro Einstand

Deutsche Frischgans, 41,50 Euro brutto (38,79 Euro netto)

14,64 Euro Deckungsbeitrag nach Küchenzeit

38,79 minus 24,15 Euro Einstand

Gäste zahlen für eine deutsche Weidegans mehr, wenn sie wissen, was sie bekommen. Schreib den Hof auf die Karte, erzähl in zwei Sätzen, wo die Gänse herkommen, und mach den Unterschied zur günstigeren Variante sichtbar. Viele Betriebe bieten bewusst beides an: die klassische Martinsgans zum moderaten Preis und die Weidegans vom Hof als Premium. Wie du solche Preisstufen auf der Karte gezielt platzierst, zeigt Menu Engineering.

Und die Getränke? Bei einem Gänseessen wird fast immer Wein getrunken, oft eine Flasche für den Tisch. Eine kleine, gut gewählte Weinempfehlung zur Gans hebt den Bon mehr als jeder Aufschlag auf den Teller. Wie du die Weinkarte dafür aufbaust, steht in Weinkarte in der Gastronomie. Wie du Gerichte grundsätzlich nach Deckungsbeitrag kalkulierst, in der Deckungsbeitragskalkulation Gastronomie.

Wie planst du Produktion und Service?

Die meisten Betriebe garen Gänse in der Saison vor und stellen sie zum Service nur noch fertig: Die Gans wird am Vortag oder morgens langsam gegart, portioniert, schnell abgekühlt und am Abend im Ofen knusprig fertiggestellt. So passen auch viele Portionen in eine normale Ofenkapazität, und der Service läuft ohne stundenlange Wartezeiten. Entscheidend sind klare Abläufe und eine saubere Kühlkette.

Ein Ofen ist in der Gänsesaison der Engpass Nummer eins. Rechne vorher durch, wie viele Gänse gleichzeitig in deine Öfen passen und wie lange sie belegt sind. Daraus ergibt sich, wie viele Portionen du an einem Abend maximal verkaufen kannst, und das ist die Zahl, an der sich deine Vorbestellungen orientieren müssen. Wer mehr verspricht, als der Ofen schafft, hat am Samstagabend ein Problem.

Produktion in der Gänsesaison

Ofenkapazität berechnen: Gänse pro Ofen mal Durchgänge pro Tag ergibt die maximale Tagesmenge.

Vorgaren und fertigstellen: Langsam garen, portionieren, schnell abkühlen, zum Service knusprig fertigstellen.

Beilagen vorproduzieren: Rotkohl und Soße lassen sich in größeren Mengen vorbereiten und gewinnen oft sogar an Geschmack.

Anrichten standardisieren: Ein Foto vom Musterteller am Pass, damit jede Portion gleich aussieht.

Personal einplanen: An Martini und den Adventswochenenden eine zusätzliche Kraft am Pass.

Wer die Gans ganz am Tisch tranchiert, macht daraus ein Erlebnis, das Gäste fotografieren und weitererzählen. Das funktioniert aber nur mit erfahrenem Personal und genug Zeit im Service. Für die meisten Betriebe ist der bessere Weg: ganze Gans für Gruppen auf einer Platte, tranchiert in der Küche, Tellergericht für alle anderen. Wie du Abläufe in Küche und Service generell planst, steht in Mise en place in der Gastronomie.

Köchin tranchiert eine Martinsgans am Pass, sechs Teller mit Rotkohl und Klößen stehen bereit
Ein Musterteller am Pass sorgt dafür, dass jede Portion gleich aussieht und gleich viel kostet. (Symbolbild, KI-generiert)

Was gilt bei Hygiene und Kennzeichnung?

Geflügel muss vollständig durchgegart werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Geflügel eine Kerntemperatur von mindestens 70 Grad für zwei Minuten. Vorgegarte Gänse müssen schnell abgekühlt, gekühlt gelagert und vor dem Servieren wieder ausreichend erhitzt werden. Beim Auftauen tiefgekühlter Gänse gehört das Tauwasser getrennt aufgefangen und entsorgt.

Halte diese Punkte in deinem Eigenkontrollsystem fest: Kerntemperatur beim Garen, Zeit und Temperatur beim Abkühlen, Lagertemperatur und Temperatur beim Wiedererwärmen. Ein Einstichthermometer am Pass und eine kurze Liste reichen. Wie du das in dein HACCP-Konzept einbaust, steht in HACCP in der Gastronomie.

Bei der Kennzeichnung gilt: Eine Pflicht zur Herkunftsangabe für Gänsefleisch auf der Speisekarte gibt es im Restaurant derzeit nicht. Wer aber mit "Gans vom Hof", "regional" oder "Weidegans" wirbt, muss das belegen können, mit Lieferscheinen und Rechnungen. Seit den neuen Regeln zu Werbeaussagen ist das strenger geworden, nachzulesen in Werbeaussagen auf der Speisekarte. Allergene wie Gluten in Klößen und Soße oder Sellerie im Rotkohl gehören wie immer in die Allergenkennzeichnung.

Wie organisierst du Vorbestellungen und Gruppen?

Vorbestellungen machen die Gänsesaison planbar: Du weißt, wie viele Gänse du einkaufen musst, kannst die Öfen auslasten und das Personal einteilen. Bewährt haben sich feste Gänse-Termine für Gruppen ab vier Personen, eine Vorbestellung mit Mindestvorlauf von zwei bis drei Tagen und eine Anzahlung bei größeren Gruppen, um Ausfälle abzusichern.

Eine ganze Gans für vier Personen ist das ideale Gruppenprodukt. Biete sie als festes Paket an, etwa ganze Gans mit Beilagen, dazu eine Vorspeise und ein Dessert für alle, zum Festpreis pro Person. Das hebt den Bon, macht den Einkauf planbar und erspart dem Service die Einzelbestellung. Für Firmenfeiern im Advent lässt sich dasselbe Paket mit Getränkepauschale kombinieren.

Tipp: Anzahlung bei Gruppen

Eine vorbestellte Gans, die nicht abgeholt oder gegessen wird, kostet dich den vollen Einkauf. Bei Gruppen ab sechs Personen oder ganzen Gänsen ist eine Anzahlung von rund einem Drittel üblich und für Gäste nachvollziehbar. Wie du Anzahlungen und Stornoregeln fair und rechtssicher formulierst, steht in No-Shows in der Gastronomie.

Für Gruppen, Vereine und Firmen lohnt sich ein eigenes Gänse-Angebot als PDF oder auf der Website, das du im Oktober aktiv verschickst. Wer im Oktober nicht fragt, bekommt im November keine Termine mehr, weil die Gruppen dann längst woanders gebucht haben. Wie du Feiern insgesamt kalkulierst und verhandelst, steht in Feiern und Veranstaltungen in der Gastronomie.

Lohnt sich Gans to go?

Gans to go lohnt sich für viele Betriebe, weil sie die Küche auch an Tagen mit vollem Gastraum zusätzlich auslastet, keinen Tischplatz braucht und Familien erreicht, die lieber zu Hause feiern. Wichtig sind feste Abholzeiten, eine Vorbestellung mit Vorlauf und gute, warmhaltende Verpackung. Speisen zum Mitnehmen kosten wie im Restaurant 7 Prozent Umsatzsteuer.

Das beliebteste Modell ist die ganze Gans mit Beilagen für vier Personen zum Abholen, vorbestellt und zu festen Zeitfenstern ausgegeben. Viele Betriebe bieten sie gekühlt zum Selbst-Fertiggaren an, mit einer kurzen Anleitung für den heimischen Ofen. Das entlastet die Küche zur Abendspitze erheblich und macht die Ausgabe planbar. Die warme Variante ist schöner für den Gast, aber logistisch anspruchsvoller.

Denk an die Verpackung: Wer Einwegbehälter aus Kunststoff nutzt, muss auch eine Mehrwegalternative anbieten, und in manchen Städten fällt zusätzlich eine kommunale Verpackungssteuer an. Mehr dazu in Verpackungssteuer Gastronomie. Wie du Außer-Haus-Geschäft pro Bestellung durchrechnest, steht in Lieferdienst in der Gastronomie.

Gast holt eine Martinsgans to go in einer Warmhaltebox am Landgasthof ab
Gans to go: kein Tisch nötig, Küche ausgelastet, Familie glücklich. (Symbolbild, KI-generiert)

Was machst du mit Resten und Nebenprodukten?

Bei der Gans fällt viel an, das sich verwerten lässt: Gänsefett, Karkassen, Hals, Flügel und Innereien. Gänsefett ist ein hochwertiges Produkt für Bratkartoffeln, Rotkohl oder als Schmalz zum Verkauf. Aus Karkassen und Flügeln wird ein kräftiger Fond für die Soße. Wer diese Nebenprodukte nutzt, senkt den Wareneinsatz pro Teller spürbar.

Ein Glas Gänseschmalz mit Hof-Etikett am Tresen oder als Beigabe zur Gans to go ist für viele Betriebe ein kleiner, aber feiner Zusatzumsatz. Wichtig: Selbst hergestellte Lebensmittel, die du verpackt verkaufst, brauchen eine ordnungsgemäße Kennzeichnung mit Zutaten, Allergenen und Mindesthaltbarkeit. Für das Schmalz im Restaurant zum Brot gilt das nicht in gleicher Weise.

Und wenn am Ende eines Abends Gänseportionen übrig sind? Vorgegarte, schnell abgekühlte Portionen können am nächsten Tag noch verwendet werden, wenn die Kühlkette stimmt. Wer nach dem Prinzip "erst vorgaren, dann fertigstellen" arbeitet, hat deutlich weniger Reste als ein Betrieb, der jeden Abend ganze Gänse auf Verdacht brät. Wie du Lebensmittelabfälle grundsätzlich senkst, steht in Lebensmittelabfälle in der Gastronomie.

Der Fahrplan für die Gänsesaison

Eine erfolgreiche Gänsesaison beginnt im Spätsommer mit der Bestellung beim Hof, geht im September mit Probebraten und Kalkulation weiter, bringt im Oktober die Angebote an Gruppen und Firmen und läuft ab Martini mit festen Abläufen, Vorbestellungen und einer wöchentlichen Kontrolle der Zahlen. Nach der Saison folgt die Auswertung für das nächste Jahr.

Wann Was
August bis SeptemberMengen beim Hof oder Großhändler bestellen, Gewicht pro Tier vereinbaren
SeptemberProbebraten, Ausbeute messen, Kalkulation pro Teller, Preise festlegen
OktoberGänse-Angebot an Gruppen, Vereine und Firmen verschicken, Website und Google-Profil aktualisieren
Anfang NovemberOfenkapazität planen, Personal für Martini und Advent einteilen, Abläufe mit dem Team proben
11. November bis WeihnachtenVorbestellungen steuern, jede Woche verkaufte Portionen und Wareneinsatz prüfen
JanuarSaison auswerten: Portionen, Deckungsbeitrag, Reste, Bewertungen, Lehren für das nächste Jahr

Die Auswertung im Januar wird in vielen Betrieben vergessen, dabei ist sie das Wertvollste. Wie viele Gänse wurden verkauft? Wie viele Portionen pro Gans kamen tatsächlich raus? Wie hoch war der Wareneinsatz? Welche Tage waren ausgebucht, welche nicht? Mit diesen Zahlen planst du die nächste Saison nicht mehr nach Gefühl, sondern nach Erfahrung.

Beobachtung aus der Beratungspraxis

Wenn wir mit Landgasthöfen die Gänsesaison durchgehen, ist das Bild oft ähnlich: Der Preis für die Gans wurde vor Jahren festgelegt und seitdem nur in kleinen Schritten erhöht, während der Einkaufspreis deutlich schneller gestiegen ist. Gleichzeitig weiß niemand genau, wie viele Portionen aus einer Gans tatsächlich herauskommen. Ein einziger Probebraten mit Waage und eine ehrliche Rechnung pro Teller verändern dann oft mehr als jede Werbeaktion. Die Gans ist das Gericht, für das Gäste am ehesten bereit sind, einen fairen Preis zu zahlen. Man muss ihn nur kennen.

Saisonale Highlights wie die Gans, Spargel oder Wild sind die Momente, in denen ein Betrieb in wenigen Wochen einen großen Teil seines Jahresergebnisses macht oder verschenkt. Wie du alle Saisongerichte nach demselben Prinzip rechnest, zeigen unsere Beiträge zur Wildsaison und zur Spargelkalkulation. Was unsere Gastronomieberatung bei Kalkulation und Speisekarte leistet, steht unter Gastronomieberatung.

Deine Gänsesaison durchrechnen?

Im kostenlosen Erstgespräch rechnen wir mit dir die Martinsgans pro Teller durch und schauen, ob Preis, Portion und Einkauf zusammenpassen. 30 Minuten, ohne Verpflichtung.

Kostenloses Erstgespräch buchen Gericht im DB-Rechner kalkulieren

Das Buch zum Thema: Wo dein Geld herkommt

Band 2 der Reihe "Vom Wirt zum Unternehmer" von René Kaplick. Die Ertragsseite deines Betriebs: Preise, Deckungsbeitrag und Speisekarte, damit Saisonhighlights wie die Gans so viel verdienen, wie sie können.

Wo dein Geld herkommt bei Amazon

Hospitality Business School

Jeden Montag um 10 Uhr sprechen wir live und kostenlos mit Gastronomen über Kalkulation, Saisongeschäft und alles, was im Betrieb gerade ansteht. Hier kostenlos anmelden.

Häufige Fragen zur Martinsgans in der Gastronomie

Wann ist Martinsgans-Saison?

Die Gänsesaison in der Gastronomie beginnt traditionell zu Martini am 11. November und läuft bis Weihnachten. Viele Betriebe starten schon Anfang November, einige bieten Gans bis in den Januar an. Gruppen und Firmen buchen ihre Gänse-Termine oft schon im Oktober, deshalb sollten Angebote früh verschickt werden.

Wie viele Portionen hat eine Gans?

Aus einer küchenfertigen Gans von 4 bis 5 Kilo werden in der Küchenpraxis meist vier Portionen, zwei mit Keule und zwei mit Brust. Der Bratverlust durch austretendes Fett und Wasser ist hoch. Wie viel bei deiner Gans tatsächlich auf dem Teller landet, zeigt ein Probebraten mit Waage vor der Saison.

Was kostet eine Portion Gans im Einkauf?

Das hängt vor allem von der Gans ab. In unserer Modellrechnung mit angenommenen 6 Euro je Kilo für Importgans und 14 Euro je Kilo für deutsche Frischgans kostet die Gans allein 6,75 beziehungsweise 15,75 Euro pro Portion. Mit Beilagen, Energie und Küchenzeit liegt der Einstand bei rund 15 beziehungsweise 24 Euro pro Teller.

Was sollte eine Martinsgans im Restaurant kosten?

Der Preis ergibt sich aus dem Deckungsbeitrag, den eine Portion bringen soll. In unserem Beispiel bringt eine Importgans bei 32 Euro brutto rund 15 Euro Deckungsbeitrag nach Küchenzeit. Bei deutscher Frischgans sind für denselben Beitrag rund 41 Euro brutto nötig. Rechne mit deinen eigenen Einkaufspreisen und deinem Probebraten.

Welche Kerntemperatur braucht eine Gans?

Geflügel muss vollständig durchgegart werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Geflügel eine Kerntemperatur von mindestens 70 Grad für zwei Minuten. Vorgegarte Gänse müssen schnell abgekühlt, gekühlt gelagert und vor dem Servieren wieder ausreichend erhitzt werden. Halte die Temperaturen im Eigenkontrollsystem fest.

Lohnt sich Gans to go für Restaurants?

Ja, für viele Betriebe. Gans to go lastet die Küche zusätzlich aus, braucht keinen Tischplatz und erreicht Familien, die zu Hause feiern. Bewährt sind die ganze Gans mit Beilagen für vier Personen, Vorbestellung mit Vorlauf und feste Abholzeiten. Speisen zum Mitnehmen kosten 7 Prozent Umsatzsteuer.

Muss ich die Herkunft der Gans auf der Speisekarte angeben?

Eine Pflicht zur Herkunftsangabe für Gänsefleisch auf der Speisekarte gibt es im Restaurant derzeit nicht. Wer aber mit "Gans vom Hof", "regional" oder "Weidegans" wirbt, muss das mit Lieferscheinen und Rechnungen belegen können. Allergene in Beilagen und Soße gehören wie immer in die Allergenkennzeichnung.

Wie viele Gänse soll ich einkaufen?

Die Menge ergibt sich aus Vorbestellungen, Ofenkapazität und den Erfahrungen der Vorjahre. Rechne aus, wie viele Gänse gleichzeitig in deine Öfen passen und wie viele Portionen du pro Abend schaffst. Bestelle frische Gänse früh beim Hof und halte tiefgekühlte Importgänse als Reserve für spontane Nachfrage bereit.

Über den Autor

René Kaplick ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor. Er ist in der Gastronomie aufgewachsen, hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient, eine Kochausbildung gemacht und in der Sternegastronomie gearbeitet, unter anderem im First Floor Berlin. Dazu ist er Handelsfachwirt. Seit 1990 arbeitet er im Gastgewerbe, seit 2010 berät er mit den Gastro Piraten Restaurants und Hotels und hat über 5.600 Betriebe begleitet. Er hat sieben Fachbücher geschrieben. Mehr über René Kaplick

Die Gans ist das Gericht, für das deine Gäste am liebsten mehr bezahlen. Sorg dafür, dass du weißt, wie viel.

Weiterlesen

Das könnte dich auch interessieren

Passend zu diesem Beitrag, ausgewählt aus über 160 Fachartikeln.

Nach oben scrollen