Wildsaison in der Gastronomie: Einkauf, Kalkulation und Recht

Die Wildsaison in der Gastronomie läuft klassisch von Oktober bis Dezember, wenn durch die Herbstjagden das größte Angebot an Reh, Hirsch und Wildschwein entsteht. Rechtssicher einkaufen heißt: Wild nur von einer kundigen Person oder einem zugelassenen Wildbearbeitungsbetrieb, bei Wildschwein nur mit dokumentiert negativer Trichinenuntersuchung. Kalkuliert wird mit Zuschnittverlust und allen Beilagen, sonst liegt der Wareneinsatz schnell über 32 Prozent.

Wild ist das ehrlichste Produkt der Herbstkarte: regional, saisonal, mit einer Geschichte, die sich von selbst erzählt. Und es ist eines der riskantesten. Wer Wildschwein ohne abgeschlossene Trichinenuntersuchung verarbeitet, verstößt gegen Lebensmittelrecht, und kontrolliert wird im Zweifel bei dir in der Küche, nicht beim Jäger im Wald. Wer einen Rehrücken nur mit dem Kilopreis kalkuliert, verkauft ihn mit Verlust, ohne es zu merken. Und wer eine Wildkarte mit zehn Positionen baut, hat am Ende der Saison volle Kühlräume und leere Teller. In diesem Beitrag zeigen wir dir, wann welches Wild Saison hat, was du beim Einkauf rechtlich beachten musst, wie du ein Wildgericht richtig kalkulierst, wie du lagerst, wie die Wildkarte verkauft und welche Fehler am meisten kosten.

Wann ist Wildsaison, und welches Wild hat wann Saison?

In der Gastronomie gilt Oktober bis Dezember als klassische Wildsaison, weil dann durch die Herbst- und Drückjagden das größte Angebot entsteht und die Preise am günstigsten sind. Die gesetzlichen Jagdzeiten sind länger und unterscheiden sich je nach Wildart: Reh und Hirsch bis Ende Januar, Hase bis Dezember, Schwarzwild ist bis auf geschützte Elterntiere ganzjährig jagdbar.

Wildart Jagdzeit nach Bundesrecht Küchensaison
RehwildBöcke Mai bis Mitte Oktober, Ricken und Kitze September bis JanuarOktober bis Dezember
RotwildJe nach Klasse Juni oder August bis Januar, Kälber bis FebruarOktober, November
DamwildWie Rotwild, Juni oder August bis JanuarOktober, November
SchwarzwildGanzjährig, führende Bachen geschütztGanzjährig, Schwerpunkt Herbst
FeldhaseOktober bis DezemberNovember, Dezember
FasanOktober bis Mitte JanuarNovember, Dezember
StockenteSeptember bis Mitte JanuarOktober, November

Vereinfachte Übersicht nach der Bundesjagdzeitenverordnung. Die Länder weichen teils ab, maßgeblich ist die Verordnung deines Bundeslandes.

Für deine Kartenplanung heißt das: Auch wenn Wildschwein theoretisch das ganze Jahr verfügbar ist, folgt die Gastronomie dem Herbstrhythmus, weil dann das Angebot am breitesten und die Preise am günstigsten sind. Wer im Frühsommer eine große Wildkarte plant, zahlt für dieselbe Ware oft deutlich mehr. Rot- und Damhirsch aus der Brunftzeit im September und Oktober schmecken kräftig und streng, viele Köche nehmen in dieser Zeit lieber Fleisch von weiblichen Tieren oder Jungtieren. Die Wildsaison überschneidet sich mit der Pilzsaison, und beides zusammen ist die stärkste Herbstkarte, die du bauen kannst. Mehr dazu im Beitrag zur Pilzsaison in der Gastronomie.

Was musst du beim Einkauf rechtlich beachten?

Beim Einkauf von Wildbret musst du drei Dinge sicherstellen: dass das Tier von einer kundigen Person untersucht wurde, dass bei Wildschwein die Trichinenuntersuchung abgeschlossen und negativ ist, bevor du das Fleisch verarbeitest, und dass Herkunft und Weg jedes Stücks nachvollziehbar sind. Das gilt beim Direktkauf vom Jäger genauso wie beim Wildhändler.

Kundige Person. Ein nach der EU-Hygieneverordnung 853/2004 geschulter Jäger untersucht das erlegte Tier und seine Eingeweide vor Ort auf Auffälligkeiten. In Deutschland gilt das in der Regel für Jäger, die ihre Jägerprüfung nach 1987 abgelegt haben. Ohne diese Untersuchung darf Wild nicht an dich abgegeben werden.

Trichinenuntersuchung. Wildschwein, Dachs und andere Allesfresser müssen auf Trichinen untersucht werden, bevor das Fleisch in Verkehr gebracht oder verwendet werden darf. Das Ergebnis ist auf dem Wildursprungsschein dokumentiert, der den Wildkörper begleitet. Erst mit negativem Befund darf das Fleisch in deine Küche. Verstöße können je nach Fall als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat verfolgt werden, und das Risiko für deine Gäste ist real: Trichinellose ist eine ernste Erkrankung.

Achtung bei Wildschwein

Nimm Wildschwein nur mit Wildursprungsschein und dokumentiert negativem Trichinenbefund an, ohne Ausnahme, auch nicht vom Jäger, den du seit zwanzig Jahren kennst. Kein Schein, keine Annahme. Der Schein gehört in deine Ablage, nicht in die Jackentasche des Lieferanten.

Direkt vom Jäger. Der Kauf beim örtlichen Jäger ist erlaubt und in der Praxis üblich, aber nur in kleinen Mengen. Kleine Menge heißt dabei die Strecke eines Jagdtages, und die Abgabe ist nur im Umkreis von 100 Kilometern um den Erlegeort oder den Wohnort des Jägers zulässig. Du darfst dieses Wild und die daraus hergestellten Gerichte nur direkt an deine Gäste abgeben, nicht an andere Betriebe weiterverkaufen. Rechtsgrundlage ist die Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung. Größere und regelmäßige Mengen beziehst du sicherer über einen zugelassenen Wildbearbeitungsbetrieb, dort erfolgen Fleisch- und Trichinenuntersuchung amtlich.

Für die Hygiene in deiner Küche gelten bei Wild dieselben Grundsätze wie bei jedem anderen Fleisch, mit zwei Besonderheiten: Wild in der Decke oder Schwarte bringt Schmutz und Keime mit, und Schussverletzungen müssen großzügig ausgeschnitten werden. Wie dein HACCP-Konzept dafür aussehen sollte, steht im Beitrag zu HACCP in der Gastronomie. Die rechtliche Einordnung im Einzelfall klärst du mit deinem Veterinäramt, das gibt dir auch die aktuellen Merkblätter für dein Bundesland.

Wie dokumentierst du den Wareneingang?

Den Wareneingang bei Wild dokumentierst du mit drei Angaben pro Lieferung: Wildursprungsschein mit Trichinenbefund bei Schwarzwild, Lieferant mit Erlegeort und Datum sowie Anlieferungstemperatur und Uhrzeit. Das kostet wenige Minuten pro Lieferung und ist im Kontrollfall der einzige Nachweis, dass du korrekt gearbeitet hast. Ohne diesen Nachweis muss die Ware aus dem Verkauf.

Inhaberin mit Klemmbrett und Köchin prüfen an der Laderampe eines Restaurants angelieferte Kisten mit Gemüse und Fleisch
Wareneingang mit Klemmbrett: Schein, Herkunft und Temperatur werden bei jeder Wildlieferung sofort festgehalten (KI-generierte Szene)

Wareneingang Wild: was pro Lieferung festgehalten wird

  • Datum, Uhrzeit, Lieferant und Erlegeort
  • Wildart, Stückzahl, Gewicht und Zustand (in der Decke oder zerlegt)
  • Wildursprungsschein, bei Schwarzwild mit negativem Trichinenbefund
  • Kerntemperatur bei Anlieferung
  • Wer angenommen hat, mit Kürzel

Am einfachsten ist ein Foto vom Schein direkt bei Anlieferung, abgelegt in einem eigenen Ordner nach Datum, und eine Zeile im Wareneingangsbuch. Wer eine Warenwirtschaft nutzt, hinterlegt den Schein dort direkt beim Artikel. Die Dokumentation gehört zum Einkauf wie die Rechnung, und sie braucht eine feste Zuständigkeit, sonst bleibt sie im Herbststress liegen. Wenn du direkt bei Jägern aus der Region einkaufst, ist genau diese Nähe auch ein Verkaufsargument, mehr dazu im Beitrag Regional einkaufen in der Gastronomie.

Wie kalkulierst du ein Wildgericht richtig?

Ein Wildgericht kalkulierst du mit dem Preis pro Kilo nach dem Zuschnitt, nicht vor dem Zuschnitt, und mit allen Komponenten auf dem Teller: Fleisch, Sauce, Beilagen, Garnitur. Bei einem Rehrücken mit Knochen gehen beim Parieren oft 30 Prozent und mehr verloren. Wer das vergisst, liegt mit dem Wareneinsatz schnell weit über dem Zielkorridor von 28 bis 32 Prozent.

Rehrücken, Beispielrechnung Betrag
Einkauf Rehrücken mit Knochen34,00 €/kg
Nutzanteil nach Zuschnitt 70 %, also Kilo nutzbares Fleisch48,60 €/kg
Fleisch pro Portion, 180 g8,75 €
Sauce, Rotkohl, Spätzle, Preiselbeeren, Garnitur2,20 €
Wareneinsatz pro Teller10,95 €
Verkaufspreis netto bei 30 % Wareneinsatz36,50 €
Verkaufspreis brutto mit 7 % Umsatzsteuer, gerundet39,00 €

Beispielannahmen für die Hauptsaison. Deine Einkaufspreise und Rezepturen weichen ab.

Der Fehler, den wir in Wildkalkulationen am häufigsten sehen, steckt in den letzten Zeilen: Gerechnet wird nur das Fleisch. Wer den Rehrücken mit 8,75 Euro Wareneinsatz auf 30 Prozent kalkuliert, kommt auf 29,20 Euro netto. Mit Sauce und Beilagen liegt der echte Wareneinsatz dann bei 37,5 Prozent, und jeder verkaufte Teller kostet dich Marge. Nicht jedes Wildgericht muss teuer sein. Ein Wildschweingulasch aus der Keule ist der Gegenpol: 14 Euro pro Kilo mit Knochen, rund 65 Prozent Nutzanteil, 200 Gramm Fleisch für 4,31 Euro, mit Beilagen 6,11 Euro Wareneinsatz. Bei 30 Prozent sind das 20,37 Euro netto oder 21,79 Euro brutto, auf der Karte 21,90 Euro. Gulasch und Ragout sind die Renner, der Rücken ist der Gewinner. Wie du beides auf der Karte steuerst, steht im Beitrag zum Menu Engineering, die Grundlagen der Rezepturkalkulation im Beitrag Speisen kalkulieren.

Knochen und Parüren sind dabei kein Totalverlust. Aus ihnen setzt du einen Wildfond an, der in die Saucen aller Wildgerichte geht. Das senkt den Wareneinsatz der Saucen und damit jedes Tellers. Abschnitte vom Rücken werden zu Ragout oder Füllung, Keule und Schulter zu Braten und Gulasch. Wer das ganze Tier verwertet, kauft günstiger ein, weil er nicht nur Edelteile braucht. Wie du den Wareneinsatz über die ganze Karte steuerst, steht im Beitrag Wareneinsatz optimieren, wie du Abfälle systematisch senkst, im Beitrag zu den vier Abfallkontrollpunkten.

Praxis-Tipp zum Einkauf

Verhandle mit deinem Jäger oder Wildhändler einen Saisonpreis für Oktober und November, statt jede Lieferung einzeln zu verhandeln. In dieser Zeit ist das Angebot am größten und deine Verhandlungsposition am besten. Wer ganze Tiere oder Viertel abnimmt statt nur Rücken, bekommt in der Regel einen deutlich besseren Kilopreis.

Welche Teilstücke lohnen sich für welches Gericht?

Am meisten verdienst du mit Wild, wenn du das ganze Tier verwertest: Rücken und Filet für das Hauptgericht mit hohem Preis, Keule für Braten und Steaks, Schulter, Hals und Abschnitte für Gulasch, Ragout und Füllungen, Knochen für den Fond. Wer nur Rücken kauft, zahlt den höchsten Kilopreis und verschenkt die günstigsten Gerichte der Saison.

Teilstück Gericht Rolle auf der Karte
Rücken, FiletRosa gebraten, als Hauptgang im MenüGewinner, höchster Preis
KeuleBraten, Steaks aus der Oberschale, SchmorgerichtSolider Mittelpreis
Schulter, HalsGulasch, Ragout, SchmorbratenRenner, günstiger Einstieg
AbschnitteWildbratwurst, Burger, Füllung, PasteteResteverwertung mit Marge
Knochen, ParürenWildfond für alle SaucenSenkt den Wareneinsatz jedes Tellers

Die Logik dahinter kennst du aus der Renner-Penner-Analyse: Der Rücken ist das Gericht, mit dem du Geld verdienst und das du prominent auf der Karte zeigst. Das Gulasch ist das Gericht, das viele Gäste bestellen, weil es günstiger ist, und das trotzdem einen ordentlichen Deckungsbeitrag bringt, wenn du es aus Schulter und Hals statt aus der Keule machst. Und die Abschnitte werden zu einem Mittagsgericht oder einem Wildburger, der jüngere Gäste anspricht, die mit einem klassischen Rehrücken nichts anfangen.

Für Gruppen und Feiern im Herbst lohnt sich ein festes Wildmenü mit drei Gängen: Wildconsommé aus dem eigenen Fond, Ragout oder Rücken als Hauptgang, ein Dessert mit Herbstfrüchten. Ein festes Menü macht die Planung im Einkauf einfach, weil du die Mengen kennst, und die Küche kann es auch bei 40 Gästen gleichzeitig sauber anrichten. Kalkuliere es pro Person mit allen Komponenten, nicht nur mit dem Fleisch, und denk bei einem Paketpreis mit Getränken an die Aufteilung auf 7 und 19 Prozent Umsatzsteuer.

Wie lagerst du frisches Wildbret richtig?

Frisches Wildbret lagerst du mit lückenloser Kühlkette: Großwild wie Reh, Hirsch und Wildschwein muss nach der EU-Hygieneverordnung auf höchstens 7 Grad heruntergekühlt werden, Kleinwild wie Hase und Federwild auf höchstens 4 Grad. Wild in der Decke lagerst du getrennt von küchenfertiger Ware, und die Reifezeit planst du fest in den Bestellrhythmus ein.

Koch in weißer Kochjacke prüft im Kühlhaus einen Vorratsbehälter mit Fleisch, ein junger Koch erklärt die Lagerung
Wild verzeiht keine Lücke in der Kühlkette. Getrennte Zonen, klare Beschriftung und Temperaturkontrolle gehören zur Saison dazu (KI-generierte Szene)

Drei Regeln für den Kühlraum

  • Temperatur dokumentieren. Anlieferungstemperatur und Uhrzeit notieren und die Kühlraumtemperatur täglich prüfen. Das ist im Kontrollfall dein Nachweis.
  • Getrennt lagern. Wild in der Decke oder Schwarte braucht eine eigene, gut belüftete Zone, getrennt von küchenfertiger Ware und von allem, was roh gegessen wird.
  • Reifezeit einplanen. Wer Wild direkt nach der Anlieferung verarbeitet, verschenkt Zartheit und Aroma. Die Reifezeit hängt von Wildart und Stärke ab und gehört fest in deinen Bestellrhythmus.

Wild, das nicht rechtzeitig heruntergekühlt wird, verdirbt schneller als die meisten anderen Fleischsorten und wird zum Hygienerisiko, auch wenn der Trichinenbefund in Ordnung ist. Plane deshalb die Liefermengen so, dass dein Kühlraum sie aufnehmen kann, ohne dass die Temperatur steigt. Im Hochbetrieb im Dezember, wenn Weihnachtsfeiern und Wildkarte zusammenkommen, ist Kühlraum oft der Engpass. Wie du das Dezembergeschäft planst, steht im Beitrag zur Weihnachtsfeier in der Gastronomie.

Wie verkauft sich die Wildkarte?

Die Wildkarte verkauft sich am besten mit zwei bis drei klaren Hauptgerichten statt acht oder zehn Positionen, mit Herkunft und Zubereitung in der Beschreibung, einem sichtbaren Enddatum und einem Service, der aktiv empfiehlt. Jede zusätzliche Position kostet Einkauf, Lager und Vorbereitung, und der Gast erinnert sich ohnehin nur an das Gericht, das er gegessen hat.

Ein begrenztes Angebot mit sichtbarem Ende erzeugt eine Dringlichkeit, die eine dauerhafte Position nie erreicht. „Nur bis Ende Dezember“ verkauft mehr als „Wildgerichte“. Die Beschreibung macht den Rest: „Rehrücken aus dem Oderbruch, rosa gebraten, Wacholderjus, Rotkohl und hausgemachte Spätzle“ verkauft sich anders als „Rehrücken mit Beilagen“. Nenn den Jäger oder das Revier, wenn du kannst. Wie du die Karte insgesamt aufbaust, steht im Beitrag Speisekarte optimieren.

Der Service spielt bei Wild die entscheidende Rolle. Ein kurzer, ehrlicher Satz am Tisch wirkt bei Wildgerichten besonders gut, weil das Produkt selbst eine Geschichte erzählt: „Der Rehrücken kommt diese Woche vom Jäger aus dem Nachbarort.“ Dazu gehört eine feste Weinempfehlung, ein kräftiger Spätburgunder oder Lemberger zum Hirsch, ein Grauburgunder zum Fasan. Wie dein Team so empfiehlt, steht im Beitrag zum Upselling in der Gastronomie und ausführlich im Buch Aktiver Verkauf im Restaurant, die passende Weinkarte im Beitrag zur Weinkarte in der Gastronomie.

Und dann muss die Karte gefunden werden. Kündige die Wildsaison zwei bis drei Wochen vor dem Start im Google-Unternehmensprofil an, mit Foto, den konkreten Gerichten und dem Zeitraum. Genau dort suchen Gäste nach Wild in ihrer Region, und genau das lesen auch KI-Assistenten, wenn jemand fragt, wo es in der Nähe gutes Wild gibt. Wie du das Profil pflegst, steht im Beitrag zum Google-Unternehmensprofil für Restaurants, wie du deinen Betrieb insgesamt digital sichtbar machst, im Buch Der digitale Wirt.

Was gilt für Landgasthof, Stadtrestaurant und Hotel?

Wild funktioniert nicht überall gleich. Im Landgasthof ist es am glaubwürdigsten, weil Jäger und Wald Teil der eigenen Geschichte sind. Im Stadtrestaurant zählt die Handschrift, ein Wildgericht, das sich klar abhebt. Im Hotel ist ein Wildmenü das saisonale Angebot, das auch Gäste von außerhalb ins Restaurant holt, nicht nur die Hausgäste.

Betriebstyp Stärke bei Wild Was sich lohnt
LandgasthofNähe zum Jäger, regionale GlaubwürdigkeitRevier auf der Karte, Wildmenüs für Gruppen und Feiern
StadtrestaurantHandschrift, ungewöhnliche ZubereitungZwei Hauptgerichte mit Wiedererkennung
Hotel mit RestaurantAußenwirkung über Hausgäste hinausWildmenü als Signature, online beworben

Im Landgasthof lohnt sich die ganze Geschichte: Nenn den Jäger auf der Karte, biete ein Wildmenü für Familienfeiern und Gruppen an und kalkuliere es als Paket. Wie du einen Landgasthof insgesamt positionierst, steht im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie. Im Hotel gehört das Wildmenü auf die Website und ins Google-Profil, nicht nur in die Hausmappe auf dem Zimmer.

Im Stadtrestaurant musst du nicht die ganze Jagdgeschichte erzählen, aber eine Handschrift zeigen: Hirschtatar mit Wacholder, Wildschweinbratwurst mit Senfkraut oder ein Rehragout mit Kürbis sind Gerichte, an die sich Gäste erinnern und die sie weitererzählen. Wichtig ist auch hier, dass die Teilstücke zusammenpassen. Wer Tatar aus der Keule macht, braucht für den Rest des Tieres ein zweites Gericht, sonst kauft er nur Edelteile zum höchsten Preis. Zwei Gerichte, die sich ein Tier teilen, sind in der Stadt meist die wirtschaftlichste Lösung.

Wie planst du die Wildsaison Schritt für Schritt?

Die Wildsaison planst du in fünf Schritten, am besten schon im August: Sortiment festlegen, Lieferanten und Dokumentation klären, jedes Gericht mit Zuschnitt und Beilagen kalkulieren, Karte und Team vorbereiten und die Saison online ankündigen, bevor die erste Lieferung kommt. Wer das einmal sauber aufsetzt, hat eine Routine, die jedes Jahr wieder funktioniert.

  1. Sortiment festlegen. Zwei bis drei Wildarten und Gerichte, die zu deiner Küche, deinem Team und deinen Gästen passen. Lieber ein Reh in drei Varianten als fünf Wildarten in je einem Gericht.
  2. Lieferanten und Dokumentation klären. Feste Ansprechpartner, Saisonpreis, Liefertage und eine klare Regel, wer bei Anlieferung den Schein prüft und ablegt.
  3. Kalkulieren. Nutzanteil einmal selbst auswiegen, jedes Gericht mit allen Komponenten rechnen, Fond und Abschnitte einplanen.
  4. Karte und Team vorbereiten. Beschreibungen mit Herkunft und Zubereitung, Enddatum sichtbar, Verkostung im Briefing, feste Weinempfehlung zu jedem Gericht.
  5. Online ankündigen. Google-Profil, Website und Newsletter zwei bis drei Wochen vor dem Start, mit Foto und den konkreten Gerichten.

Nach der Saison folgt der sechste Schritt, den die meisten vergessen: die Nachkalkulation. Wie viel wurde verkauft, wie viel ging in den Fond, wie viel in den Abfall, und lag der Wareneinsatz der Wildgerichte im Ziel? Wer diese Zahlen im Januar notiert, kauft im nächsten Herbst genauer ein und verhandelt mit echten Mengen statt mit Schätzungen. Die Zahlen dafür holst du aus Kasse, Wareneingangsbuch und Inventur, und die Inventur zum Jahresende fällt praktischerweise genau auf das Ende der Wildsaison. Wie sie sauber abläuft, steht im Beitrag zur Inventur zum Jahresende.

Wie sieht das in der Praxis aus?

In der Praxis entsteht das größte Risiko bei Wild selten aus Absicht, sondern aus Vertrauen: Man kennt den Jäger, also sammelt man die Scheine nicht. Das geht so lange gut, bis die Lebensmittelkontrolle im November gezielt nach dem Trichinennachweis fragt. Mit einer einfachen Ablage ist dieses Risiko für immer erledigt.

Aus der Beratungspraxis: Landgasthof in Hessen

Ein Landgasthof bezieht seit Jahren Wildschwein direkt von zwei örtlichen Jägern, ohne die Wildursprungsscheine systematisch zu sammeln, weil man sich kennt und vertraut. Kalkuliert wurden die Wildgerichte mit dem Kilopreis des Einkaufs, ohne Zuschnitt und ohne Beilagen. Die Wildkarte hatte neun Positionen.

Bei einer Lebensmittelkontrolle im November wird gezielt nach dem Trichinennachweis für die Wildschweingerichte auf der Karte gefragt. Für zwei von drei Lieferungen kann der Betrieb den Schein nicht vorlegen, die Ware muss aus dem Verkauf, verbunden mit einer Frist zur Nachbesserung der Dokumentation.

Danach wird jeder Schein bei Anlieferung fotografiert und nach Datum abgelegt, der Aufwand liegt bei wenigen Minuten pro Lieferung. Die Wildkarte schrumpft auf drei Gerichte, Rücken, Gulasch und ein Ragout aus den Abschnitten, alle mit Zuschnitt und Beilagen neu kalkuliert. Weniger Positionen, weniger Lager, weniger Abfall, und der Service kann jedes Gericht erklären. Aus mehreren Fällen zusammengesetzt und anonymisiert, auf Basis von Beratungsprojekten der Gastro Piraten.

Genau hier setzt unsere Gastronomieberatung an: nicht beim Rezept, sondern bei Einkauf, Kalkulation, Dokumentation und Karte. Wer die Saison einmal sauber aufsetzt, hat für jede weitere Wildsaison eine Routine, die funktioniert. Wenn du das mit uns machen willst, starten wir mit der BWA-Analyse für 699 Euro zzgl. Umsatzsteuer und rechnen danach deine Saisonkarte durch. Mehr zur Gastronomieberatung.

Welche Fehler kosten am meisten?

Am meisten kosten fehlende Wildursprungsscheine, Kalkulation nur mit dem Fleisch statt mit dem ganzen Teller, ignorierter Zuschnittverlust, zu große Wildkarten, entsorgte Knochen und Parüren, Lücken in der Kühlkette und eine Wildkarte, die erst online angekündigt wird, wenn die Saison schon läuft. Jeder dieser Fehler kostet Marge oder im schlimmsten Fall die Ware.

Fehler Folge Lösung
Kein WildursprungsscheinWare muss aus dem VerkaufKein Schein, keine Annahme
Nur Fleisch kalkuliertWareneinsatz über 35 %Ganzen Teller rechnen
Zuschnitt ignoriertKilopreis zu niedrig angesetztNutzanteil wiegen und einrechnen
Zu große WildkarteLager, Abfall, ÜberforderungZwei bis drei Hauptgerichte
Knochen entsorgtSaucen teurer als nötigWildfond ansetzen
Kühlkette nicht belegtHygienerisiko, kein NachweisTemperatur bei Anlieferung notieren
Zu späte AnkündigungErste Wochen verschenktGoogle-Profil vor Saisonstart

Wildsaison-Check für deinen Betrieb

  • ☐ Zwei bis drei Wildarten und Hauptgerichte festgelegt?
  • ☐ Lieferanten mit kundiger Person oder zugelassenem Betrieb geklärt?
  • ☐ Ablage für Wildursprungsscheine mit fester Zuständigkeit?
  • ☐ Jedes Gericht mit Zuschnitt und allen Beilagen kalkuliert?
  • ☐ Saisonpreis mit Jäger oder Händler verhandelt?
  • ☐ Kühlraumkapazität für Spitzenwochen geprüft?
  • ☐ Verwertung von Knochen und Abschnitten geplant?
  • ☐ Team gebrieft, Weinempfehlungen festgelegt?
  • ☐ Google-Profil und Website vor Saisonstart aktualisiert?

Wenn du bei mehr als drei Punkten zögerst, lohnt sich ein Blick von außen. Ein Gastronomieberater mit Kochausbildung sieht in der Kalkulation sofort, ob der Teller stimmt, und ein Berater für Gastronomie mit Einkaufserfahrung weiß, wo beim Wildeinkauf verhandelt werden kann. Was wir dafür anbieten, steht unter Leistungen, wie wir kalkulieren, unter Kalkulation.

Saisonkarten gehören in jede Phase eines Betriebs. In der Gründungsberatung planen wir den Jahreskalender mit Spargel, Pilzen und Wild von Anfang an mit, denn wer eine Existenzgründung mit Landgasthof plant, lebt von genau diesen Spitzen. In der Restaurantberatung und der Unternehmensberatung Gastronomie ist die Herbstkarte oft der Moment, in dem sich zeigt, ob die Kalkulation in der Gastronomie stimmt. In der Hotelberatung geht es um das Wildmenü als Grund, von außen ins Haus zu kommen. Und Gastronomie Marketing sorgt dafür, dass die Gäste rechtzeitig wissen, dass es losgeht.

Ob Existenzgründung, Gründungsberatung, Restaurantberatung, Hotelberatung oder Unternehmensberatung Gastronomie: Ein Gastronomieberater, der Küche und Zahlen zusammen denkt, macht aus der Wildsaison die profitabelste Zeit des Jahres. Ein Berater für Gastronomie, der die Kalkulation in der Gastronomie kennt und selbst am Herd stand, merkt schnell, wo der Teller Geld verliert, und Gastronomie Marketing bringt die Gäste, die genau dafür kommen.

Wer hier schreibt

René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Danach kamen Kochausbildung, Sternegastronomie im First Floor Berlin und der Abschluss als Handelsfachwirt. Er ist seit 1990 im Gastgewerbe tätig und verbindet Küche und Kalkulation. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe begleitet, KfW- und BAFA-akkreditiert und seit 2018 als Kooperationspartner des DEHOGA Berlin. Er ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor. Mehr über uns.

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Wie dein Service Saisongerichte wie Wild aktiv empfiehlt, mit Weinempfehlung, Signature-Gericht und festen Verkaufsmomenten am Tisch. Mit Kapitel 18 zu saisonalen Aktionen. Von René Kaplick.

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Häufige Fragen zur Wildsaison in der Gastronomie

Wann ist Wildsaison in der Gastronomie?

Klassisch von Oktober bis Dezember, weil dann durch die Herbstjagden das größte Angebot entsteht und die Preise am günstigsten sind. Die gesetzlichen Jagdzeiten sind länger: Reh und Hirsch bis Ende Januar, Hase bis Dezember, Wildschwein ganzjährig. Maßgeblich ist die Jagdzeitenverordnung deines Bundeslandes.

Darf ich Wild direkt beim Jäger kaufen?

Ja, in kleinen Mengen. Kleine Menge heißt die Strecke eines Jagdtages, die Abgabe ist im Umkreis von 100 Kilometern um Erlegeort oder Wohnort des Jägers erlaubt. Der Jäger muss kundige Person sein, und du darfst das Wild nur an deine Gäste abgeben, nicht weiterverkaufen.

Was ist ein Wildursprungsschein?

Der Wildursprungsschein begleitet den Wildkörper und dokumentiert Herkunft, Erlegung, die Untersuchung durch die kundige Person und bei Wildschwein den Trichinenbefund. Für dich ist er der Nachweis bei der Lebensmittelkontrolle. Nimm Wildschwein nie ohne Schein mit negativem Befund an.

Muss Wildschwein auf Trichinen untersucht werden?

Ja. Wildschwein, Dachs und andere Allesfresser müssen vor dem Inverkehrbringen auf Trichinen untersucht werden. Erst wenn der negative Befund vorliegt, darf das Fleisch verwendet werden. Verstöße können als Ordnungswidrigkeit oder Straftat verfolgt werden, und Trichinellose ist für Gäste gefährlich.

Wie kalkuliere ich einen Rehrücken?

Mit dem Kilopreis nach dem Zuschnitt und dem ganzen Teller. Im Beispiel kostet Rehrücken mit Knochen 34 Euro pro Kilo, nach 30 Prozent Zuschnittverlust 48,60 Euro. 180 Gramm plus Sauce und Beilagen ergeben 10,95 Euro Wareneinsatz, bei 30 Prozent rund 39 Euro brutto auf der Karte.

Wie hoch ist der Zuschnittverlust bei Wild?

Das hängt von Wildart, Teilstück und Lieferzustand ab. Bei Rehrücken mit Knochen sind 30 Prozent und mehr üblich, bei Keulen für Gulasch rund ein Drittel. Wiege deinen Nutzanteil einmal selbst aus und rechne mit diesem Wert, statt mit dem Einkaufspreis pro Kilo.

Wie lagere ich frisches Wild richtig?

Großwild wie Reh, Hirsch und Wildschwein auf höchstens 7 Grad, Kleinwild und Federwild auf höchstens 4 Grad. Wild in der Decke getrennt von küchenfertiger Ware lagern, Anlieferungstemperatur dokumentieren und die Reifezeit fest in den Bestellrhythmus einplanen.

Was kostet eine Gastronomieberatung zur Saisonkalkulation?

Einstieg ist bei den Gastro Piraten die BWA-Analyse für 699 Euro zzgl. Umsatzsteuer. Darin sehen wir Wareneinsatz, Personal und Ergebnis deines Betriebs. Danach kalkulieren wir Saisongerichte wie Wild im Rahmen der Gastronomieberatung. Das Erstgespräch ist kostenlos.

Wild ist dein ehrlichstes Saisonprodukt: Kein Schein, keine Annahme, rechne den ganzen Teller mit Zuschnitt, halte die Karte kurz und kündige sie an, bevor die Saison beginnt.

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