Inhalt
- Lohnt es sich, einen Landgasthof zu übernehmen?
- Pacht oder Kauf: Was ist besser?
- Wie viel Pacht kann ein Landgasthof tragen?
- Welche Zahlen des Vorpächters musst du prüfen?
- Wie hoch darf die Ablöse sein?
- Was ist mit dem Brauereivertrag?
- Wie erkennst du den Investitionsstau?
- Wie viel Kapital brauchst du insgesamt?
- Was kostet das Personal ab 2026?
- Wie gehst du mit der Saison um?
- Welchen Umsatz brauchst du jeden Monat?
- Welche Fördermittel gibt es?
- Wie sieht das in der Praxis aus?
- Welche Fehler kosten am meisten?
- Häufige Fragen
Lohnt es sich, einen Landgasthof zu übernehmen?
Einen Landgasthof übernehmen lohnt sich, wenn drei Dinge zusammenpassen: eine Pacht, die der Umsatz tragen kann, ein Investitionsstau, den du vor der Unterschrift kennst, und ein Konzept, das zur Nachfrage im Ort passt. Auf dem Land ist das Angebot an Betrieben oft größer als die Zahl ernsthafter Interessenten. Das gibt dir Verhandlungsmacht, wenn du deine Zahlen kennst. Viele Dorfgasthäuser schließen nicht, weil niemand mehr essen geht, sondern weil der Wirt in Rente geht und kein Nachfolger da ist. Für die Gemeinde fällt damit oft der letzte Treffpunkt weg, und genau deshalb sind Bürgermeister, Vereine und manchmal auch die Verpächter selbst bereit, einem guten Nachfolger entgegenzukommen. Wer einen Landgasthof übernehmen will, sollte diese Lage kennen und nutzen: bei der Pachthöhe, bei der Ablöse und bei der Frage, wer den Investitionsstau bezahlt. Ein Landgasthof ist betriebswirtschaftlich fast immer ein Mischbetrieb. Gaststube, Saal, Biergarten, manchmal Fremdenzimmer und Catering für Hochzeiten und Vereinsfeste laufen unter einem Dach. Das sind mehrere Standbeine, die sich über das Jahr ausgleichen können. Es heißt aber auch: Jeder Bereich braucht seine eigene Kalkulation, seine eigene Besetzung und seine eigenen Preise. Wer den Saal so kalkuliert wie die Gaststube, verliert bei jeder Hochzeit Geld. Wie du einen Betrieb auf dem Land klar ausrichtest, steht im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie.
Pacht oder Kauf: Was ist besser?
Für die meisten Erstübernahmen ist Pacht die bessere Wahl, weil du dein Kapital in Betrieb, Investitionsstau und Liquidität steckst statt in die Immobilie. Kauf lohnt sich für erfahrene Gastronomen mit Eigenkapital, die langfristig planen und Bausubstanz selbst bewerten können. Bei Kauf trägst du das gesamte Risiko für Dach, Heizung und Fassade allein, bei Pacht regelt der Vertrag, wer zahlt.| Kriterium | Pacht | Kauf |
|---|---|---|
| Kapitalbedarf | Kaution, Ablöse, Investitionen | Kaufpreis, Notar, Grunderwerbsteuer |
| Laufende Last | Monatliche Pacht | Zins und Tilgung |
| Bausubstanz | Laut Vertrag, oft Verpächter | Komplett bei dir |
| Ausstieg | Nach Laufzeit möglich | Verkauf dauert und kostet |
| Wertzuwachs | Keiner | Möglich |
| Passt für | Erste Übernahme, begrenztes Kapital | Erfahrene Wirte, lange Planung |
Wie viel Pacht kann ein Landgasthof tragen?
Eine Pacht ist tragbar, wenn der Jahres-Nettoumsatz mindestens das Achtfache der Jahrespacht beträgt. Die Pacht liegt dann bei höchstens 12,5 Prozent vom Nettoumsatz. Für Betriebe mit starker Saison sollte sie eher bei 8 bis 10 Prozent liegen, weil schwache Monate den Jahresschnitt schönrechnen. Die Formel ist eine Faustregel aus der Praxis, kein Gesetz.Rechenbeispiel Pacht mal acht
Verlangt werden 1.800 Euro Pacht netto im Monat, also 21.600 Euro im Jahr. Mal acht ergibt 172.800 Euro Nettoumsatz als Untergrenze, rund 14.400 Euro im Monat. Zeigt die BWA des Vorpächters zuletzt 135.000 Euro Nettoumsatz, trägt der Betrieb diese Pacht nicht. Tragbar wären dann rund 1.400 Euro im Monat. Diese Rechnung legst du beim Verpächter auf den Tisch.
Welche Zahlen des Vorpächters musst du prüfen?
Du brauchst die BWA mit Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre, dazu die Kassenumsätze der letzten 24 Monate nach Monaten. Daraus liest du Umsatzentwicklung, Wareneinsatz, Personalkosten, Saisonverlauf und Energiekosten ab. Gibt der Vorpächter keine Zahlen heraus, ist das ein Warnsignal. Ein Betrieb, der gut läuft, hat nichts zu verbergen.| Kennzahl | Gesund | Warnsignal |
|---|---|---|
| Nettoumsatz | Stabil oder steigend | Starker Rückgang im letzten Jahr |
| Wareneinsatz gesamt | 25 bis 28 % | Über 28 %: Handlungsbedarf |
| Wareneinsatz Speisen | 28 bis 32 % | Deutlich darüber |
| Wareneinsatz Getränke | 18 bis 22 % | Deutlich darüber |
| Pacht | Unter 12,5 % vom Umsatz | Über 15 % |
| Saison | Gleichmäßig verteilt | 3 Monate bringen über 60 % des Umsatzes |
| Inhabergehalt | Im Ergebnis erkennbar | Gewinn nur, weil der Wirt umsonst arbeitet |
Wareneinsatz: Richtwerte der Gastro Piraten aus der Beratungspraxis. Pacht und Saison: Faustregeln.
Bevor du unterschreibst: Wir prüfen die Zahlen des Vorpächters
In der BWA-Analyse vor der Übernahme gehen wir BWA und Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre durch, rechnen die Familienarbeit heraus, prüfen Pacht, Ablöse und Saisonverlauf und sagen dir klar, ob der Betrieb trägt und was du verhandeln solltest.
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Wie hoch darf die Ablöse sein?
Die Ablöse sollte sich am Zeitwert des Inventars orientieren, also Neupreis minus Alter und Abnutzung, plus Warenbestand zum Einkaufspreis. Goodwill ist nur gerechtfertigt, wenn der Betrieb über Jahre nachweislich Gewinn gemacht hat und die Gäste dem Haus treu sind, nicht dem Wirt. Bei einem Gasthof, den der Vorgänger aufgibt, ist hoher Goodwill meist ein Phantomwert. In einer Ablöse stecken typischerweise fünf Posten: Küchentechnik und Mobiliar zum Zeitwert, Geschirr und Kleininventar, Warenbestand im Lager, Leergut und Pfand, und der Geschäftswert. Lass dir jeden Posten einzeln auflisten und belegen. Ein Zeitwertgutachten für das Inventar kostet wenige hundert Euro und senkt die Ablöse in der Praxis regelmäßig um fünfstellige Beträge. Prüfe außerdem, ob Teile des Inventars gar nicht dem Vorpächter gehören. Zapfanlage, Kühlzellen und Gastraummöbel stammen auf dem Land oft von der Brauerei und gehören zum Brauereivertrag, nicht zur Ablöse.| Betrieb | Inventar | Ablöse gesamt |
|---|---|---|
| Kleines Gasthaus, unter 40 Plätze, altes Inventar | 3.000 bis 10.000 € | 3.000 bis 15.000 € |
| Mittlerer Gasthof, 50 bis 80 Plätze | 10.000 bis 30.000 € | 15.000 bis 50.000 € |
| Gut geführt, mit Saal | 25.000 bis 60.000 € | 35.000 bis 100.000 € |
| Mit Fremdenzimmern | 30.000 bis 80.000 € | 30.000 bis 130.000 € |
Einschätzung der Gastro Piraten aus der Beratungspraxis. Jeder Betrieb wird einzeln bewertet.
Was ist mit dem Brauereivertrag?
Viele Landgasthöfe sind über einen Getränkelieferungsvertrag an eine Brauerei gebunden, oft verbunden mit einem Darlehen, einer Zapfanlage oder Mobiliar. Bei der Übernahme musst du klären, ob der Vertrag auf dich übergeht, welche Mindestabnahme drinsteht, wie lange er noch läuft und was die Brauerei zurückfordert, wenn die Menge nicht erreicht wird. Das gehört vor die Unterschrift unter den Pachtvertrag. Die Bindung ist nicht automatisch schlecht. Eine Brauerei kann Anschubhilfe leisten, die keine Bank gibt: Zapfanlage, Kühlung, Schirme, Werbung, manchmal ein zinsgünstiges Darlehen. Dafür zahlst du über Jahre einen höheren Einkaufspreis pro Hektoliter und bist an Sortiment und Menge gebunden. Problematisch wird es, wenn der Vorpächter seine Mindestmenge nicht geschafft hat und die Brauerei die Differenz beim Nachfolger einfordern will. Oder wenn die Mindestabnahme auf einem Umsatz beruht, den der Betrieb seit Jahren nicht mehr macht.Diese fünf Fragen stellst du der Brauerei
Läuft der Vertrag auf den Pächter oder auf den Eigentümer? Wie hoch ist die jährliche Mindestabnahme in Hektoliter, und wie viel wurde in den letzten drei Jahren tatsächlich abgenommen? Welches Darlehen oder Inventar ist noch offen? Was passiert bei Unterschreitung? Und zu welchem Preis pro Hektoliter beziehst du ab Übernahme?
Wie erkennst du den Investitionsstau?
Den Investitionsstau erkennst du nur mit einer Begehung durch Fachleute vor der Unterschrift: Küchentechniker, Heizungsbauer und Elektriker, dazu der letzte Prüfbericht der Lebensmittelüberwachung. Bei einem Gasthof, der nach 20 oder mehr Jahren abgegeben wird, ist ein Stau von 50.000 Euro und mehr der Normalfall, nicht die Ausnahme. Was du vorher kennst, kannst du verhandeln. Was du danach findest, bezahlst du.
| Position | Kosten netto | Priorität |
|---|---|---|
| Küchentechnik | 15.000 bis 50.000 € | Hoch |
| Heizung | 12.000 bis 35.000 € | Hoch |
| Toiletten, Barrierefreiheit | 5.000 bis 20.000 € | Hoch |
| Lüftung und Abluft | 8.000 bis 30.000 € | Hoch |
| Elektro und Sicherheit | 5.000 bis 20.000 € | Mittel |
| Gastraum | 8.000 bis 25.000 € | Mittel |
| Kassensystem mit TSE | 1.500 bis 5.000 € | Pflicht |
| Terrasse, Biergarten | 3.000 bis 15.000 € | Saisonal |
| Dach, Fassade, Fenster | 10.000 bis 80.000 € | Meist Verpächter |
Einschätzung der Gastro Piraten aus Übernahmeprojekten. Hol für jede Position Angebote ein.
Wie viel Kapital brauchst du insgesamt?
Für einen mittleren Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht liegt der Gesamtkapitalbedarf realistisch bei rund 190.000 Euro: etwa 125.000 Euro für Ablöse, Investitionen, Erstausstattung und Reserve, dazu rund 65.000 Euro Liquiditätspuffer für fünf Monate. Bei gutem Zustand und ohne Ablöse geht es mit rund 60.000 Euro, bei großem Investitionsstau mit deutlich über 300.000 Euro.| Posten | Minimum | Realistisch | Großer Stau |
|---|---|---|---|
| Ablöse | 5.000 € | 25.000 € | 60.000 € |
| Kasse, Hygiene | 2.000 € | 5.000 € | 8.000 € |
| Küche | 0 € | 20.000 € | 45.000 € |
| Gastraum | 3.000 € | 12.000 € | 25.000 € |
| Toiletten | 0 € | 8.000 € | 20.000 € |
| Heizung | 0 € | 15.000 € | 35.000 € |
| Konzept, Einrichtung | 1.000 € | 8.000 € | 20.000 € |
| Erstlager | 3.000 € | 6.000 € | 10.000 € |
| Genehmigung, Beratung | 500 € | 2.000 € | 4.000 € |
| Eröffnungsmarketing | 500 € | 3.000 € | 7.000 € |
| Kaution, 3 Monatspachten | 3.000 € | 5.400 € | 8.000 € |
| Reserve 15 % | 2.700 € | 16.000 € | 36.000 € |
| Investition | 20.700 € | 125.400 € | 278.000 € |
| Liquidität 5 Monate | 40.000 € | 65.000 € | 90.000 € |
| Gesamt | 60.700 € | 190.400 € | 368.000 € |
Beispielrechnung der Gastro Piraten für einen Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht, ohne Fremdenzimmer, alle Werte netto.
Was kostet das Personal ab 2026?
Ein mittlerer Landgasthof ohne Familienarbeit kostet beim Mindestlohn von 13,90 Euro rund 9.000 Euro Personal im Monat, ohne Inhabergehalt. Ab 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro, das sind bei derselben Besetzung rund 300 Euro mehr im Monat. Minijobs sind 2026 bis 603 Euro im Monat möglich. Rechne diese Steigerung jetzt in deine Übernahme ein.| Position | Stunden | Brutto | Gesamt mit AG-Anteil |
|---|---|---|---|
| Koch | 160 h | 2.500 € | 3.050 € |
| Servicekraft Vollzeit | 160 h | 2.224 € | 2.713 € |
| Theke Teilzeit | 80 h | 1.112 € | 1.357 € |
| Küchenhilfe Teilzeit | 80 h | 1.112 € | 1.357 € |
| Aushilfe Minijob | 30 h | 417 € | 534 € |
| Summe 2026 | 9.011 € |
Mindestlohn 2026: 13,90 € je Stunde, ab 1.1.2027: 14,60 € (Mindestlohnkommission). AG-Anteil rund 22 % bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Minijob-Pauschale rund 28 %. Ab 2027 steigt die Summe auf rund 9.300 €. Inhaberpaar kalkulatorisch zusätzlich 4.000 bis 6.000 €.
Wie gehst du mit der Saison um?
Viele Landgasthöfe sind faktisch Saisonbetriebe, auch wenn sie das ganze Jahr geöffnet haben. In Tourismusregionen bringen die starken Monate ein Vielfaches der schwachen, im Dorf ohne Tourismus tragen Weihnachten, Hochzeiten und Feste. Entscheidend ist, die monatlichen Umsätze des Vorgängers zu kennen und in den guten Monaten Rücklagen für die schwachen zu bilden.| Lage | Stark | Schwach |
|---|---|---|
| Alpen, Voralpen | Winter und Sommer | April, Mai, November |
| Mittelgebirge | Sommer, Advent | Januar bis März |
| Küste | Juli, August | Oktober bis April |
| Dorf ohne Tourismus | Feste, Advent, Hochzeiten | Januar, Februar |
Welchen Umsatz brauchst du jeden Monat?
Ein mittlerer Landgasthof mit 1.800 Euro Pacht, rund 7.000 Euro Personal und einem kalkulatorischen Gehalt für das Inhaberpaar braucht realistisch rund 21.600 Euro Nettoumsatz im Monat, um alle Kosten zu decken. Gerechnet ist mit einem Wareneinsatz von 27 Prozent. Kleine Betriebe mit Familienarbeit kommen mit rund 9.600 Euro aus, große mit Saal deutlich darüber.| Monatlich, netto | Klein | Mittel | Groß |
|---|---|---|---|
| Pacht mit Nebenkosten | 800 € | 1.800 € | 3.000 € |
| Personal | 3.000 € | 7.000 € | 12.500 € |
| Inhabergehalt | 2.000 € | 4.500 € | 7.000 € |
| Energie | 500 € | 900 € | 1.800 € |
| Versicherungen | 100 € | 220 € | 400 € |
| Buchhaltung, Steuerberater | 150 € | 300 € | 450 € |
| GEMA, Rundfunk | 50 € | 120 € | 200 € |
| Rücklage Instandhaltung | 200 € | 500 € | 1.000 € |
| Sonstiges | 200 € | 400 € | 800 € |
| Kosten ohne Ware | 7.000 € | 15.740 € | 27.150 € |
| Nötiger Umsatz bei 27 % Wareneinsatz | 9.600 € | 21.600 € | 37.200 € |
Beispielrechnung der Gastro Piraten. Nötiger Umsatz = Kosten ohne Ware geteilt durch 0,73, gerundet.
Welche Fördermittel gibt es?
Für die Übernahme eines Landgasthofs kommen vor allem günstige Kredite der KfW über die Hausbank, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken der Länder, Investitionszuschüsse aus Landesprogrammen und aus dem EU-Programm LEADER sowie Zuschüsse zu Beratungskosten in Frage. Fast alle Programme haben eine Bedingung gemeinsam: Der Antrag muss gestellt sein, bevor du unterschreibst oder die Investition beginnt.| Programm | Wofür | Wo |
|---|---|---|
| KfW ERP-Gründerkredit Startgeld | Gründung und Übernahme, bis 125.000 € | Hausbank |
| Bürgschaftsbank | Sicherheit, wenn sie fehlt | Hausbank, Land |
| Landesförderbanken | Investitionen, je Land verschieden | Förderbank des Landes |
| LEADER | Projekte im ländlichen Raum | Lokale Aktionsgruppe |
| Beratungsförderung | Zuschuss zu Beratungskosten | Bund oder Land |
Programme und Konditionen ändern sich. Aktueller Stand bei der KfW und der Förderbank deines Landes.
Wie sieht das in der Praxis aus?
In der Praxis scheitern Übernahmen selten an der Pacht, sondern an dem, was nach der Unterschrift auftaucht. Typisch ist ein Paar aus der Stadt, das einen gut gelegenen Gasthof übernimmt, die Pacht sauber durchrechnet und die Technik erst nach dem Einzug prüfen lässt. Dann kommen Heizung, Kombidämpfer und Terrasse in den ersten Monaten auf einmal.
Aus der Beratungspraxis: Landgasthof im bayerischen Voralpenland
Ein Paar aus München übernahm einen Gasthof mit 70 Plätzen, Saal für 60 Personen und Biergarten mit 40 Plätzen. Pacht 1.600 Euro netto im Monat, Ablöse 28.000 Euro. Die Pacht passte: Der Vorgänger hatte in guten Jahren rund 180.000 Euro netto umgesetzt, Pacht mal acht ergab 153.600 Euro.
Geprüft wurde die Technik erst nach der Unterschrift. Der Kombidämpfer brauchte einen neuen Brenner für 3.800 Euro, die Ölheizung musste innerhalb von 18 Monaten ersetzt werden, 22.000 Euro, und die Terrasse wurde wegen morscher Träger gesperrt, 9.500 Euro Sanierung. Zusammen 35.300 Euro ungeplant in den ersten neun Monaten. Dazu blieb eine Stammtischrunde dem alten Wirt treu.
Gerettet hat den Betrieb der Liquiditätspuffer von 65.000 Euro, der von Anfang an eingeplant war, und ein LEADER-Zuschuss für die Heizung. Nach 18 Monaten lief der Betrieb mit eigenem Stammpublikum stabil. Mit einer Begehung vor der Unterschrift wären Ablöse oder Pacht um diesen Betrag verhandelbar gewesen. Name und Ort anonymisiert, der Fall beruht auf einem Beratungsprojekt der Gastro Piraten.
Welche Fehler kosten am meisten?
Am teuersten sind der ungeprüfte Investitionsstau, eine Ablöse mit Phantom-Goodwill, ein übernommener Brauereivertrag mit unerfüllbarer Mindestmenge, eine BWA ohne herausgerechnete Familienarbeit, Fördermittel, die erst nach der Unterschrift beantragt werden, und ein zu kleiner Liquiditätspuffer für den ersten Winter. Jeder dieser Fehler kostet schnell fünfstellig.| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Technik nicht geprüft | Fünfstellige Überraschung | Begehung vor Unterschrift |
| Ablöse ohne Gutachten | Goodwill für Stammgäste, die gehen | Zeitwert, Posten einzeln |
| Brauereivertrag ungelesen | Nachforderung, hoher Hektoliterpreis | Vor Übernahme neu verhandeln |
| Familienarbeit übersehen | Gewinn existiert nur auf Papier | Marktlohn herausrechnen |
| Förderung zu spät | Absage trotz passendem Programm | Antrag vor Vertrag |
| Puffer zu klein | Der erste Winter wird zum letzten | Mindestens 5 Monate Fixkosten |
| Kein Inhabergehalt | Jahre ohne Einkommen | Von Anfang an einplanen |
| Mindestlohn 2027 vergessen | Plan stimmt ab Januar nicht mehr | 14,60 € jetzt einrechnen |
Übernahme-Check: Bist du bereit zur Unterschrift?
- ☐ BWA und Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre liegen vor?
- ☐ Monatsumsätze der letzten 24 Monate liegen vor?
- ☐ Familienarbeit des Vorgängers herausgerechnet?
- ☐ Pacht höchstens ein Achtel des Nettoumsatzes?
- ☐ Ablöse Posten für Posten mit Zeitwert belegt?
- ☐ Brauereivertrag gelesen, Mindestmenge und Restdarlehen bekannt?
- ☐ Küche, Heizung, Elektro und Lüftung von Fachleuten begutachtet?
- ☐ Pachtvertrag von einem Rechtsanwalt geprüft?
- ☐ Förderanträge vor der Unterschrift gestellt?
- ☐ Liquidität für mindestens fünf Monate, mit Mindestlohn 2027 gerechnet?
Wer hier schreibt
René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Danach kamen Kochausbildung, Sternegastronomie im First Floor Berlin und der Abschluss als Handelsfachwirt. Er hat für Brauereien gearbeitet und kennt Bierlieferungsverträge von beiden Seiten des Tresens. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe begleitet, KfW- und BAFA-akkreditiert und als DEHOGA-Partner. Er ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor. Mehr über uns.
Zum Weiterlesen: Bevor du aufschließt
Was du vor der Unterschrift unter Pacht- oder Kaufvertrag wissen musst, von Standort über Finanzierung bis zum ersten Monat, steht in „Bevor du aufschließt“. Wo das Geld danach hingeht, zeigt Band 1 der Reihe „Vom Wirt zum Unternehmer“. Beide von René Kaplick.
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Häufige Fragen zur Übernahme eines Landgasthofs
Was kostet es, einen Landgasthof zu übernehmen?
Für einen mittleren Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht brauchst du realistisch rund 190.000 Euro Gesamtkapital. Darin stecken Ablöse, Investitionsstau, Erstausstattung, eine Reserve von 15 Prozent und ein Liquiditätspuffer für fünf Monate. Bei gutem Zustand ohne Ablöse reichen rund 60.000 Euro, bei großem Stau sind es über 300.000 Euro.Wie viel Pacht ist für einen Landgasthof angemessen?
Die Faustregel heißt Pacht mal acht: Der Jahres-Nettoumsatz sollte mindestens das Achtfache der Jahrespacht betragen, die Pacht also höchstens 12,5 Prozent vom Umsatz ausmachen. Bei 1.800 Euro Monatspacht brauchst du rund 172.800 Euro Nettoumsatz im Jahr. In Saisonregionen sollte die Pacht niedriger liegen.Was muss ich vor der Übernahme eines Restaurants prüfen?
BWA und Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre, Monatsumsätze der letzten 24 Monate, den Pachtvertrag, einen bestehenden Brauereivertrag, die Ablöse Posten für Posten und den technischen Zustand von Küche, Heizung, Elektro und Lüftung. Den Pachtvertrag lässt du von einem Rechtsanwalt prüfen, die Zahlen von einem Gastronomieberater.Muss ich den Brauereivertrag des Vorpächters übernehmen?
Das hängt davon ab, ob der Vertrag auf den Pächter oder den Eigentümer läuft und was im Pachtvertrag steht. Prüfe Mindestabnahme, Laufzeit, Restdarlehen und Hektoliterpreis vor der Unterschrift. Bei einem Pächterwechsel lassen sich diese Punkte in der Praxis fast immer neu verhandeln, weil die Brauerei den Ausschank behalten will.Wie hoch darf die Ablöse für einen Gasthof sein?
Die Ablöse sollte sich am Zeitwert von Inventar und Warenbestand orientieren. Goodwill ist nur gerechtfertigt, wenn der Betrieb über Jahre nachweislich Gewinn gemacht hat. Liegt die Ablöse über einem Jahresgewinn nach marktüblichem Inhabergehalt, wird es eng. Ein Zeitwertgutachten kostet wenige hundert Euro.Welche Förderung gibt es für die Übernahme einer Gastronomie?
Infrage kommen der ERP-Gründerkredit Startgeld der KfW bis 125.000 Euro, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken, Investitionsprogramme der Landesförderbanken, LEADER-Mittel für den ländlichen Raum und Zuschüsse zu Beratungskosten. Fast alle Programme verlangen, dass der Antrag vor der Unterschrift oder vor Investitionsbeginn gestellt wird.Was kostet eine Gastronomieberatung vor der Übernahme?
Bei den Gastro Piraten beginnt die Prüfung vor der Übernahme mit der BWA-Analyse zum Festpreis von 699 Euro zzgl. Umsatzsteuer: drei Jahre BWA und Summen- und Saldenliste, Pacht, Ablöse und Brauereivertrag, Übergabe im Videocall und als PDF. Eine weitergehende Begleitung bis zur Eröffnung bieten wir nach Umfang zum vorher vereinbarten Festpreis an, oft mit Förderung.Wie lange dauert es, bis ein übernommener Landgasthof Gewinn macht?
Realistisch 12 bis 24 Monate, bis der Betrieb dauerhaft über der Gewinnschwelle liegt und ein eigenes Stammpublikum hat. Wer in der Hochsaison startet und ein passendes Konzept hat, schafft es schneller. Wer im Herbst übernimmt, muss zuerst durch den Winter, und dafür ist der Liquiditätspuffer da.Ein Landgasthof ist Herzblut, aber er wird mit Zahlen unterschrieben: Erst BWA, Pacht, Ablöse und Brauereivertrag prüfen, dann die Technik begutachten lassen, dann Förderung beantragen, und erst danach unterschreiben.
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- Lohnt es sich, einen Landgasthof zu übernehmen?
- Pacht oder Kauf: Was ist besser?
- Wie viel Pacht kann ein Landgasthof tragen?
- Welche Zahlen des Vorpächters musst du prüfen?
- Wie hoch darf die Ablöse sein?
- Was ist mit dem Brauereivertrag?
- Wie erkennst du den Investitionsstau?
- Wie viel Kapital brauchst du insgesamt?
- Was kostet das Personal ab 2026?
- Wie gehst du mit der Saison um?
- Welchen Umsatz brauchst du jeden Monat?
- Welche Fördermittel gibt es?
- Wie sieht das in der Praxis aus?
- Welche Fehler kosten am meisten?
- Häufige Fragen
Lohnt es sich, einen Landgasthof zu übernehmen?
Einen Landgasthof übernehmen lohnt sich, wenn drei Dinge zusammenpassen: eine Pacht, die der Umsatz tragen kann, ein Investitionsstau, den du vor der Unterschrift kennst, und ein Konzept, das zur Nachfrage im Ort passt. Auf dem Land ist das Angebot an Betrieben oft größer als die Zahl ernsthafter Interessenten. Das gibt dir Verhandlungsmacht, wenn du deine Zahlen kennst. Viele Dorfgasthäuser schließen nicht, weil niemand mehr essen geht, sondern weil der Wirt in Rente geht und kein Nachfolger da ist. Für die Gemeinde fällt damit oft der letzte Treffpunkt weg, und genau deshalb sind Bürgermeister, Vereine und manchmal auch die Verpächter selbst bereit, einem guten Nachfolger entgegenzukommen. Wer einen Landgasthof übernehmen will, sollte diese Lage kennen und nutzen: bei der Pachthöhe, bei der Ablöse und bei der Frage, wer den Investitionsstau bezahlt. Ein Landgasthof ist betriebswirtschaftlich fast immer ein Mischbetrieb. Gaststube, Saal, Biergarten, manchmal Fremdenzimmer und Catering für Hochzeiten und Vereinsfeste laufen unter einem Dach. Das sind mehrere Standbeine, die sich über das Jahr ausgleichen können. Es heißt aber auch: Jeder Bereich braucht seine eigene Kalkulation, seine eigene Besetzung und seine eigenen Preise. Wer den Saal so kalkuliert wie die Gaststube, verliert bei jeder Hochzeit Geld. Wie du einen Betrieb auf dem Land klar ausrichtest, steht im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie.
Pacht oder Kauf: Was ist besser?
Für die meisten Erstübernahmen ist Pacht die bessere Wahl, weil du dein Kapital in Betrieb, Investitionsstau und Liquidität steckst statt in die Immobilie. Kauf lohnt sich für erfahrene Gastronomen mit Eigenkapital, die langfristig planen und Bausubstanz selbst bewerten können. Bei Kauf trägst du das gesamte Risiko für Dach, Heizung und Fassade allein, bei Pacht regelt der Vertrag, wer zahlt.| Kriterium | Pacht | Kauf |
|---|---|---|
| Kapitalbedarf | Kaution, Ablöse, Investitionen | Kaufpreis, Notar, Grunderwerbsteuer |
| Laufende Last | Monatliche Pacht | Zins und Tilgung |
| Bausubstanz | Laut Vertrag, oft Verpächter | Komplett bei dir |
| Ausstieg | Nach Laufzeit möglich | Verkauf dauert und kostet |
| Wertzuwachs | Keiner | Möglich |
| Passt für | Erste Übernahme, begrenztes Kapital | Erfahrene Wirte, lange Planung |
Wie viel Pacht kann ein Landgasthof tragen?
Eine Pacht ist tragbar, wenn der Jahres-Nettoumsatz mindestens das Achtfache der Jahrespacht beträgt. Die Pacht liegt dann bei höchstens 12,5 Prozent vom Nettoumsatz. Für Betriebe mit starker Saison sollte sie eher bei 8 bis 10 Prozent liegen, weil schwache Monate den Jahresschnitt schönrechnen. Die Formel ist eine Faustregel aus der Praxis, kein Gesetz.Rechenbeispiel Pacht mal acht
Verlangt werden 1.800 Euro Pacht netto im Monat, also 21.600 Euro im Jahr. Mal acht ergibt 172.800 Euro Nettoumsatz als Untergrenze, rund 14.400 Euro im Monat. Zeigt die BWA des Vorpächters zuletzt 135.000 Euro Nettoumsatz, trägt der Betrieb diese Pacht nicht. Tragbar wären dann rund 1.400 Euro im Monat. Diese Rechnung legst du beim Verpächter auf den Tisch.
Welche Zahlen des Vorpächters musst du prüfen?
Du brauchst die BWA mit Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre, dazu die Kassenumsätze der letzten 24 Monate nach Monaten. Daraus liest du Umsatzentwicklung, Wareneinsatz, Personalkosten, Saisonverlauf und Energiekosten ab. Gibt der Vorpächter keine Zahlen heraus, ist das ein Warnsignal. Ein Betrieb, der gut läuft, hat nichts zu verbergen.| Kennzahl | Gesund | Warnsignal |
|---|---|---|
| Nettoumsatz | Stabil oder steigend | Starker Rückgang im letzten Jahr |
| Wareneinsatz gesamt | 25 bis 28 % | Über 28 %: Handlungsbedarf |
| Wareneinsatz Speisen | 28 bis 32 % | Deutlich darüber |
| Wareneinsatz Getränke | 18 bis 22 % | Deutlich darüber |
| Pacht | Unter 12,5 % vom Umsatz | Über 15 % |
| Saison | Gleichmäßig verteilt | 3 Monate bringen über 60 % des Umsatzes |
| Inhabergehalt | Im Ergebnis erkennbar | Gewinn nur, weil der Wirt umsonst arbeitet |
Wareneinsatz: Richtwerte der Gastro Piraten aus der Beratungspraxis. Pacht und Saison: Faustregeln.
Bevor du unterschreibst: Wir prüfen die Zahlen des Vorpächters
Im Übernahme-Check gehen wir Exposé, die letzten drei BWAs, die Inventarliste und die Verträge des Vorpächters durch, rechnen die Familienarbeit heraus, prüfen Pacht und Ablöse und sagen dir in einer Besprechung klar, ob der Betrieb trägt und was du verhandeln solltest.
- Übernahme-Check: 349 Euro zzgl. Umsatzsteuer, mit 45 Minuten Besprechung per Video
- Brauereivertrag dabei? Der Brauereivertrag-Check kostet 249 Euro zzgl. Umsatzsteuer
- Für die Bank: BWA-Analyse über drei Jahre für 699 Euro zzgl. Umsatzsteuer, als PDF
Wie hoch darf die Ablöse sein?
Die Ablöse sollte sich am Zeitwert des Inventars orientieren, also Neupreis minus Alter und Abnutzung, plus Warenbestand zum Einkaufspreis. Goodwill ist nur gerechtfertigt, wenn der Betrieb über Jahre nachweislich Gewinn gemacht hat und die Gäste dem Haus treu sind, nicht dem Wirt. Bei einem Gasthof, den der Vorgänger aufgibt, ist hoher Goodwill meist ein Phantomwert. In einer Ablöse stecken typischerweise fünf Posten: Küchentechnik und Mobiliar zum Zeitwert, Geschirr und Kleininventar, Warenbestand im Lager, Leergut und Pfand, und der Geschäftswert. Lass dir jeden Posten einzeln auflisten und belegen. Ein Zeitwertgutachten für das Inventar kostet wenige hundert Euro und senkt die Ablöse in der Praxis regelmäßig um fünfstellige Beträge. Prüfe außerdem, ob Teile des Inventars gar nicht dem Vorpächter gehören. Zapfanlage, Kühlzellen und Gastraummöbel stammen auf dem Land oft von der Brauerei und gehören zum Brauereivertrag, nicht zur Ablöse.| Betrieb | Inventar | Ablöse gesamt |
|---|---|---|
| Kleines Gasthaus, unter 40 Plätze, altes Inventar | 3.000 bis 10.000 € | 3.000 bis 15.000 € |
| Mittlerer Gasthof, 50 bis 80 Plätze | 10.000 bis 30.000 € | 15.000 bis 50.000 € |
| Gut geführt, mit Saal | 25.000 bis 60.000 € | 35.000 bis 100.000 € |
| Mit Fremdenzimmern | 30.000 bis 80.000 € | 30.000 bis 130.000 € |
Einschätzung der Gastro Piraten aus der Beratungspraxis. Jeder Betrieb wird einzeln bewertet.
Was ist mit dem Brauereivertrag?
Viele Landgasthöfe sind über einen Getränkelieferungsvertrag an eine Brauerei gebunden, oft verbunden mit einem Darlehen, einer Zapfanlage oder Mobiliar. Bei der Übernahme musst du klären, ob der Vertrag auf dich übergeht, welche Mindestabnahme drinsteht, wie lange er noch läuft und was die Brauerei zurückfordert, wenn die Menge nicht erreicht wird. Das gehört vor die Unterschrift unter den Pachtvertrag. Die Bindung ist nicht automatisch schlecht. Eine Brauerei kann Anschubhilfe leisten, die keine Bank gibt: Zapfanlage, Kühlung, Schirme, Werbung, manchmal ein zinsgünstiges Darlehen. Dafür zahlst du über Jahre einen höheren Einkaufspreis pro Hektoliter und bist an Sortiment und Menge gebunden. Problematisch wird es, wenn der Vorpächter seine Mindestmenge nicht geschafft hat und die Brauerei die Differenz beim Nachfolger einfordern will. Oder wenn die Mindestabnahme auf einem Umsatz beruht, den der Betrieb seit Jahren nicht mehr macht.Diese fünf Fragen stellst du der Brauerei
Läuft der Vertrag auf den Pächter oder auf den Eigentümer? Wie hoch ist die jährliche Mindestabnahme in Hektoliter, und wie viel wurde in den letzten drei Jahren tatsächlich abgenommen? Welches Darlehen oder Inventar ist noch offen? Was passiert bei Unterschreitung? Und zu welchem Preis pro Hektoliter beziehst du ab Übernahme?
Wie erkennst du den Investitionsstau?
Den Investitionsstau erkennst du nur mit einer Begehung durch Fachleute vor der Unterschrift: Küchentechniker, Heizungsbauer und Elektriker, dazu der letzte Prüfbericht der Lebensmittelüberwachung. Bei einem Gasthof, der nach 20 oder mehr Jahren abgegeben wird, ist ein Stau von 50.000 Euro und mehr der Normalfall, nicht die Ausnahme. Was du vorher kennst, kannst du verhandeln. Was du danach findest, bezahlst du.
| Position | Kosten netto | Priorität |
|---|---|---|
| Küchentechnik | 15.000 bis 50.000 € | Hoch |
| Heizung | 12.000 bis 35.000 € | Hoch |
| Toiletten, Barrierefreiheit | 5.000 bis 20.000 € | Hoch |
| Lüftung und Abluft | 8.000 bis 30.000 € | Hoch |
| Elektro und Sicherheit | 5.000 bis 20.000 € | Mittel |
| Gastraum | 8.000 bis 25.000 € | Mittel |
| Kassensystem mit TSE | 1.500 bis 5.000 € | Pflicht |
| Terrasse, Biergarten | 3.000 bis 15.000 € | Saisonal |
| Dach, Fassade, Fenster | 10.000 bis 80.000 € | Meist Verpächter |
Einschätzung der Gastro Piraten aus Übernahmeprojekten. Hol für jede Position Angebote ein.
Wie viel Kapital brauchst du insgesamt?
Für einen mittleren Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht liegt der Gesamtkapitalbedarf realistisch bei rund 190.000 Euro: etwa 125.000 Euro für Ablöse, Investitionen, Erstausstattung und Reserve, dazu rund 65.000 Euro Liquiditätspuffer für fünf Monate. Bei gutem Zustand und ohne Ablöse geht es mit rund 60.000 Euro, bei großem Investitionsstau mit deutlich über 300.000 Euro.| Posten | Minimum | Realistisch | Großer Stau |
|---|---|---|---|
| Ablöse | 5.000 € | 25.000 € | 60.000 € |
| Kasse, Hygiene | 2.000 € | 5.000 € | 8.000 € |
| Küche | 0 € | 20.000 € | 45.000 € |
| Gastraum | 3.000 € | 12.000 € | 25.000 € |
| Toiletten | 0 € | 8.000 € | 20.000 € |
| Heizung | 0 € | 15.000 € | 35.000 € |
| Konzept, Einrichtung | 1.000 € | 8.000 € | 20.000 € |
| Erstlager | 3.000 € | 6.000 € | 10.000 € |
| Genehmigung, Beratung | 500 € | 2.000 € | 4.000 € |
| Eröffnungsmarketing | 500 € | 3.000 € | 7.000 € |
| Kaution, 3 Monatspachten | 3.000 € | 5.400 € | 8.000 € |
| Reserve 15 % | 2.700 € | 16.000 € | 36.000 € |
| Investition | 20.700 € | 125.400 € | 278.000 € |
| Liquidität 5 Monate | 40.000 € | 65.000 € | 90.000 € |
| Gesamt | 60.700 € | 190.400 € | 368.000 € |
Beispielrechnung der Gastro Piraten für einen Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht, ohne Fremdenzimmer, alle Werte netto.
Was kostet das Personal ab 2026?
Ein mittlerer Landgasthof ohne Familienarbeit kostet beim Mindestlohn von 13,90 Euro rund 9.000 Euro Personal im Monat, ohne Inhabergehalt. Ab 1. Januar 2027 steigt der Mindestlohn auf 14,60 Euro, das sind bei derselben Besetzung rund 300 Euro mehr im Monat. Minijobs sind 2026 bis 603 Euro im Monat möglich. Rechne diese Steigerung jetzt in deine Übernahme ein.| Position | Stunden | Brutto | Gesamt mit AG-Anteil |
|---|---|---|---|
| Koch | 160 h | 2.500 € | 3.050 € |
| Servicekraft Vollzeit | 160 h | 2.224 € | 2.713 € |
| Theke Teilzeit | 80 h | 1.112 € | 1.357 € |
| Küchenhilfe Teilzeit | 80 h | 1.112 € | 1.357 € |
| Aushilfe Minijob | 30 h | 417 € | 534 € |
| Summe 2026 | 9.011 € |
Mindestlohn 2026: 13,90 € je Stunde, ab 1.1.2027: 14,60 € (Mindestlohnkommission). AG-Anteil rund 22 % bei sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, Minijob-Pauschale rund 28 %. Ab 2027 steigt die Summe auf rund 9.300 €. Inhaberpaar kalkulatorisch zusätzlich 4.000 bis 6.000 €.
Wie gehst du mit der Saison um?
Viele Landgasthöfe sind faktisch Saisonbetriebe, auch wenn sie das ganze Jahr geöffnet haben. In Tourismusregionen bringen die starken Monate ein Vielfaches der schwachen, im Dorf ohne Tourismus tragen Weihnachten, Hochzeiten und Feste. Entscheidend ist, die monatlichen Umsätze des Vorgängers zu kennen und in den guten Monaten Rücklagen für die schwachen zu bilden.| Lage | Stark | Schwach |
|---|---|---|
| Alpen, Voralpen | Winter und Sommer | April, Mai, November |
| Mittelgebirge | Sommer, Advent | Januar bis März |
| Küste | Juli, August | Oktober bis April |
| Dorf ohne Tourismus | Feste, Advent, Hochzeiten | Januar, Februar |
Welchen Umsatz brauchst du jeden Monat?
Ein mittlerer Landgasthof mit 1.800 Euro Pacht, rund 7.000 Euro Personal und einem kalkulatorischen Gehalt für das Inhaberpaar braucht realistisch rund 21.600 Euro Nettoumsatz im Monat, um alle Kosten zu decken. Gerechnet ist mit einem Wareneinsatz von 27 Prozent. Kleine Betriebe mit Familienarbeit kommen mit rund 9.600 Euro aus, große mit Saal deutlich darüber. Warum hier 7.000 Euro Personal stehen und oben rund 9.000 Euro: Oben ist der Betrieb komplett mit Personal besetzt. In dieser Rechnung arbeitet das Inhaberpaar selbst in Küche und Service mit und ersetzt einen Teil davon, dafür steht es mit einem eigenen Gehalt in der Tabelle.| Monatlich, netto | Klein | Mittel | Groß |
|---|---|---|---|
| Pacht mit Nebenkosten | 800 € | 1.800 € | 3.000 € |
| Personal | 3.000 € | 7.000 € | 12.500 € |
| Inhabergehalt | 2.000 € | 4.500 € | 7.000 € |
| Energie | 500 € | 900 € | 1.800 € |
| Versicherungen | 100 € | 220 € | 400 € |
| Buchhaltung, Steuerberater | 150 € | 300 € | 450 € |
| GEMA, Rundfunk | 50 € | 120 € | 200 € |
| Rücklage Instandhaltung | 200 € | 500 € | 1.000 € |
| Sonstiges | 200 € | 400 € | 800 € |
| Kosten ohne Ware | 7.000 € | 15.740 € | 27.150 € |
| Nötiger Umsatz bei 27 % Wareneinsatz | 9.600 € | 21.600 € | 37.200 € |
Beispielrechnung der Gastro Piraten. Nötiger Umsatz = Kosten ohne Ware geteilt durch 0,73, gerundet.
Welche Fördermittel gibt es?
Für die Übernahme eines Landgasthofs kommen vor allem günstige Kredite der KfW über die Hausbank, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken der Länder, Investitionszuschüsse aus Landesprogrammen und aus dem EU-Programm LEADER sowie Zuschüsse zu Beratungskosten in Frage. Fast alle Programme haben eine Bedingung gemeinsam: Der Antrag muss gestellt sein, bevor du unterschreibst oder die Investition beginnt.| Programm | Wofür | Wo |
|---|---|---|
| KfW ERP-Gründerkredit Startgeld | Gründung und Übernahme, bis 125.000 € | Hausbank |
| Bürgschaftsbank | Sicherheit, wenn sie fehlt | Hausbank, Land |
| Landesförderbanken | Investitionen, je Land verschieden | Förderbank des Landes |
| LEADER | Projekte im ländlichen Raum | Lokale Aktionsgruppe |
| Beratungsförderung | Zuschuss zu Beratungskosten | Bund oder Land |
Programme und Konditionen ändern sich. Aktueller Stand bei der KfW und der Förderbank deines Landes.
Wie sieht das in der Praxis aus?
In der Praxis scheitern Übernahmen selten an der Pacht, sondern an dem, was nach der Unterschrift auftaucht. Typisch ist ein Paar aus der Stadt, das einen gut gelegenen Gasthof übernimmt, die Pacht sauber durchrechnet und die Technik erst nach dem Einzug prüfen lässt. Dann kommen Heizung, Kombidämpfer und Terrasse in den ersten Monaten auf einmal.
Aus der Beratungspraxis: Landgasthof im bayerischen Voralpenland
Ein Paar aus München übernahm einen Gasthof mit 70 Plätzen, Saal für 60 Personen und Biergarten mit 40 Plätzen. Pacht 1.600 Euro netto im Monat, Ablöse 28.000 Euro. Die Pacht passte: Der Vorgänger hatte in guten Jahren rund 180.000 Euro netto umgesetzt, Pacht mal acht ergab 153.600 Euro.
Geprüft wurde die Technik erst nach der Unterschrift. Der Kombidämpfer brauchte einen neuen Brenner für 3.800 Euro, die Ölheizung musste innerhalb von 18 Monaten ersetzt werden, 22.000 Euro, und die Terrasse wurde wegen morscher Träger gesperrt, 9.500 Euro Sanierung. Zusammen 35.300 Euro ungeplant in den ersten neun Monaten. Dazu blieb eine Stammtischrunde dem alten Wirt treu.
Gerettet hat den Betrieb der Liquiditätspuffer von 65.000 Euro, der von Anfang an eingeplant war, und ein LEADER-Zuschuss für die Heizung. Nach 18 Monaten lief der Betrieb mit eigenem Stammpublikum stabil. Mit einer Begehung vor der Unterschrift wären Ablöse oder Pacht um diesen Betrag verhandelbar gewesen. Name und Ort anonymisiert, der Fall beruht auf einem Beratungsprojekt der Gastro Piraten.
Welche Fehler kosten am meisten?
Am teuersten sind der ungeprüfte Investitionsstau, eine Ablöse mit Phantom-Goodwill, ein übernommener Brauereivertrag mit unerfüllbarer Mindestmenge, eine BWA ohne herausgerechnete Familienarbeit, Fördermittel, die erst nach der Unterschrift beantragt werden, und ein zu kleiner Liquiditätspuffer für den ersten Winter. Jeder dieser Fehler kostet schnell fünfstellig.| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Technik nicht geprüft | Fünfstellige Überraschung | Begehung vor Unterschrift |
| Ablöse ohne Gutachten | Goodwill für Stammgäste, die gehen | Zeitwert, Posten einzeln |
| Brauereivertrag ungelesen | Nachforderung, hoher Hektoliterpreis | Vor Übernahme neu verhandeln |
| Familienarbeit übersehen | Gewinn existiert nur auf Papier | Marktlohn herausrechnen |
| Förderung zu spät | Absage trotz passendem Programm | Antrag vor Vertrag |
| Puffer zu klein | Der erste Winter wird zum letzten | Mindestens 5 Monate Fixkosten |
| Kein Inhabergehalt | Jahre ohne Einkommen | Von Anfang an einplanen |
| Mindestlohn 2027 vergessen | Plan stimmt ab Januar nicht mehr | 14,60 € jetzt einrechnen |
Checkliste: Bist du bereit zur Unterschrift?
- ☐ BWA und Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre liegen vor?
- ☐ Monatsumsätze der letzten 24 Monate liegen vor?
- ☐ Familienarbeit des Vorgängers herausgerechnet?
- ☐ Pacht höchstens ein Achtel des Nettoumsatzes?
- ☐ Ablöse Posten für Posten mit Zeitwert belegt?
- ☐ Brauereivertrag gelesen, Mindestmenge und Restdarlehen bekannt?
- ☐ Küche, Heizung, Elektro und Lüftung von Fachleuten begutachtet?
- ☐ Pachtvertrag von einem Rechtsanwalt geprüft?
- ☐ Förderanträge vor der Unterschrift gestellt?
- ☐ Liquidität für mindestens fünf Monate, mit Mindestlohn 2027 gerechnet?
Wer hier schreibt
René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Danach kamen Kochausbildung, Sternegastronomie im First Floor Berlin und der Abschluss als Handelsfachwirt. Er hat für Brauereien gearbeitet und kennt Bierlieferungsverträge von beiden Seiten des Tresens. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe begleitet, KfW- und BAFA-akkreditiert und als DEHOGA-Partner. Er ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor. Mehr über uns.
Zum Weiterlesen: Bevor du aufschließt
Was du vor der Unterschrift unter Pacht- oder Kaufvertrag wissen musst, von Standort über Finanzierung bis zum ersten Monat, steht in „Bevor du aufschließt“. Wo das Geld danach hingeht, zeigt Band 1 der Reihe „Vom Wirt zum Unternehmer“. Beide von René Kaplick.
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Häufige Fragen zur Übernahme eines Landgasthofs
Was kostet es, einen Landgasthof zu übernehmen?
Für einen mittleren Landgasthof mit 60 bis 80 Plätzen in Pacht brauchst du realistisch rund 190.000 Euro Gesamtkapital. Darin stecken Ablöse, Investitionsstau, Erstausstattung, eine Reserve von 15 Prozent und ein Liquiditätspuffer für fünf Monate. Bei gutem Zustand ohne Ablöse reichen rund 60.000 Euro, bei großem Stau sind es über 300.000 Euro.Wie viel Pacht ist für einen Landgasthof angemessen?
Die Faustregel heißt Pacht mal acht: Der Jahres-Nettoumsatz sollte mindestens das Achtfache der Jahrespacht betragen, die Pacht also höchstens 12,5 Prozent vom Umsatz ausmachen. Bei 1.800 Euro Monatspacht brauchst du rund 172.800 Euro Nettoumsatz im Jahr. In Saisonregionen sollte die Pacht niedriger liegen.Was muss ich vor der Übernahme eines Restaurants prüfen?
BWA und Summen- und Saldenliste der letzten drei Jahre, Monatsumsätze der letzten 24 Monate, den Pachtvertrag, einen bestehenden Brauereivertrag, die Ablöse Posten für Posten und den technischen Zustand von Küche, Heizung, Elektro und Lüftung. Den Pachtvertrag lässt du von einem Rechtsanwalt prüfen, die Zahlen von einem Gastronomieberater.Muss ich den Brauereivertrag des Vorpächters übernehmen?
Das hängt davon ab, ob der Vertrag auf den Pächter oder den Eigentümer läuft und was im Pachtvertrag steht. Prüfe Mindestabnahme, Laufzeit, Restdarlehen und Hektoliterpreis vor der Unterschrift. Bei einem Pächterwechsel lassen sich diese Punkte in der Praxis fast immer neu verhandeln, weil die Brauerei den Ausschank behalten will.Wie hoch darf die Ablöse für einen Gasthof sein?
Die Ablöse sollte sich am Zeitwert von Inventar und Warenbestand orientieren. Goodwill ist nur gerechtfertigt, wenn der Betrieb über Jahre nachweislich Gewinn gemacht hat. Liegt die Ablöse über einem Jahresgewinn nach marktüblichem Inhabergehalt, wird es eng. Ein Zeitwertgutachten kostet wenige hundert Euro.Welche Förderung gibt es für die Übernahme einer Gastronomie?
Infrage kommen der ERP-Gründerkredit Startgeld der KfW bis 125.000 Euro, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken, Investitionsprogramme der Landesförderbanken, LEADER-Mittel für den ländlichen Raum und Zuschüsse zu Beratungskosten. Fast alle Programme verlangen, dass der Antrag vor der Unterschrift oder vor Investitionsbeginn gestellt wird.Was kostet eine Gastronomieberatung vor der Übernahme?
Bei den Gastro Piraten beginnt die Prüfung vor der Übernahme mit dem Übernahme-Check für 349 Euro zzgl. Umsatzsteuer: Exposé, die letzten drei BWAs, Inventarliste und Verträge, mit 45 Minuten Besprechung. Einen Brauereivertrag bewerten wir im Brauereivertrag-Check für 249 Euro, eine ausführliche BWA-Analyse über drei Jahre für die Bank kostet 699 Euro, jeweils zzgl. Umsatzsteuer. Eine weitergehende Begleitung bis zur Eröffnung bieten wir zum vorher vereinbarten Festpreis an.Wie lange dauert es, bis ein übernommener Landgasthof Gewinn macht?
Realistisch 12 bis 24 Monate, bis der Betrieb dauerhaft über der Gewinnschwelle liegt und ein eigenes Stammpublikum hat. Wer in der Hochsaison startet und ein passendes Konzept hat, schafft es schneller. Wer im Herbst übernimmt, muss zuerst durch den Winter, und dafür ist der Liquiditätspuffer da.Ein Landgasthof ist Herzblut, aber er wird mit Zahlen unterschrieben: Erst BWA, Pacht, Ablöse und Brauereivertrag prüfen, dann die Technik begutachten lassen, dann Förderung beantragen, und erst danach unterschreiben.
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