Energie sparen in der Gastronomie beginnt nicht mit neuen Geräten, sondern mit drei Routinen: Geräte nach Plan statt alle gleichzeitig einschalten, Kühlung warten und die Spülmaschine nur voll laufen lassen. In einer einzigen Beispielküche kosten vier vermeidbare Verluste knapp 1.500 Euro im Jahr. Und 2027 wird Strom wieder teurer, weil der Bund seinen Zuschuss zu den Netzentgelten kürzt.
Halb neun, die Küche ist noch leer. Kombidämpfer an, Fritteuse an, Grillplatte an, Wärmebrücke an. Der erste Bon kommt um halb zwölf. Drei Stunden lang heizt die Küche für niemanden, jeden Tag, das ganze Jahr. Auf der Stromrechnung steht das nicht als eigene Zeile, sondern versteckt in einer Summe, die man achselzuckend bezahlt. In der Gastronomieberatung ist Energie deshalb einer der dankbarsten Kostenblöcke: Wer misst, findet fast immer etwas, und das meiste kostet keine Investition, sondern einen Plan. Wir zeigen dir, wie du deine Verbraucher findest, was sie kosten und was sich 2027 bei den Preisen ändert.
Inhalt
- Wie viel Energie verbraucht ein Restaurant?
- Was ändert sich 2026 und 2027 bei Strom und Gas?
- Wie rechnest du aus, was ein Gerät wirklich kostet?
- Was kosten Vorheizen und Leerlauf?
- Wie sparst du bei der Kühlung?
- Wie sparst du in der Spülküche und bei Warmwasser?
- Was ist eine Lastspitze und betrifft sie dich?
- Lohnt sich ein neues energiesparendes Gerät?
- Welche Förderung gibt es für Energieeffizienz?
- Wie sieht Energiesparen in der Praxis aus?
- Welche Fehler kosten am meisten Energie?
- Wie behältst du deinen Verbrauch im Griff?
- Häufige Fragen
Wie viel Energie verbraucht ein Restaurant?
Wie viel dein Restaurant verbraucht, weißt du erst, wenn du misst. Zur Orientierung: In unserer Modellrechnung zur Deckungsbeitragskalkulation machen Strom, Gas und Wasser rund 5 Prozent der monatlichen Kosten aus. Bei einem mittelgroßen Restaurant ist das schnell ein fünfstelliger Betrag im Jahr, und ein spürbarer Teil davon ist vermeidbar, ohne einen Euro zu investieren.
Die Kühlung läuft rund um die Uhr, an 365 Tagen, auch wenn der Betrieb geschlossen hat. Gargeräte, Spülmaschine, Lüftung, Kaffeemaschine und Licht kommen während der Öffnungszeiten dazu, im Winter die Heizung für den Gastraum. Welcher Block bei dir der größte ist, hängt von deiner Küche ab. Ein Betrieb mit Pizzaofen und Fritteusen sieht völlig anders aus als ein Café mit Siebträger und Kuchentheke.
Der Zwei-Zahlen-Test, kostet nichts
Lies eine Woche lang jeden Morgen vor dem Einschalten und jeden Abend nach Küchenschluss den Stromzähler ab. Die Differenz von abends bis morgens zeigt dir, was nachts läuft, im Wesentlichen die Kühlung. Die Differenz von morgens bis abends zeigt dir deinen Tagesbetrieb. Allein diese zwei Zahlen sind mehr, als die meisten Betriebe über ihre Energie wissen.
Wenn du einen modernen Zähler hast, geht es noch genauer: Viele Versorger stellen den Lastgang im Kundenportal bereit, also den Verbrauch in Viertelstunden. Dort siehst du auf einen Blick, wann deine Küche hochfährt, wie hoch die Spitze ist und was nachts durchläuft. Wie sich die Energiekosten in deine Gesamtkosten einordnen und welcher Anteil normal ist, liest du im Beitrag zur Deckungsbeitragskalkulation in der Gastronomie und bei den Kennzahlen in der Gastronomie.
Was ändert sich 2026 und 2027 bei Strom und Gas?
2026 wurde die Gastronomie über niedrigere Übertragungsnetzentgelte und den Wegfall der Gasspeicherumlage entlastet, nicht über die Stromsteuer. 2027 kürzt der Bund seinen Netzentgelt-Zuschuss von 6,5 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Die Übertragungsnetzbetreiber haben deshalb für 2027 vorläufig 3,54 statt 2,86 Cent je Kilowattstunde angekündigt. Strom wird also wieder teurer.
| Baustein | 2026 | 2027 |
|---|---|---|
| Bundeszuschuss Übertragungsnetz | 6,5 Mrd. € | rund 5,5 Mrd. € (Entwurf) |
| Übertragungsnetzentgelt | 2,86 ct/kWh | 3,54 ct/kWh (vorläufig) |
| Gasspeicherumlage | abgeschafft | bleibt abgeschafft |
| Stromsteuer für Gastronomie | regulärer Satz | regulärer Satz |
Stand Oktober 2026. Netzentgelt als Durchschnitt der Übertragungsnetzbetreiber, vorläufig bis zum Beschluss des Gesetzes. Was davon in deinem Netzgebiet ankommt, hängt vom Verteilnetzbetreiber und deinem Vertrag ab.
Die Rechtsgrundlage für den Zuschuss 2027 ist ein Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 2. September 2026, der den Zuschuss auch für 2028 und 2029 vorsieht. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen. Die Änderungen 2026 hat das Bundesministerium der Finanzen zusammengefasst. Wichtig für dich: Die dauerhaft gesenkte Stromsteuer gilt für das produzierende Gewerbe, also etwa für Bäckereien und Fleischereien, nicht für Restaurants, Cafés und Hotels.
Was heißt das in Euro? Allein der höhere Übertragungsnetz-Anteil von 0,68 Cent je Kilowattstunde macht bei einem Restaurant mit 60.000 Kilowattstunden im Jahr rund 410 Euro netto mehr aus, bei 120.000 Kilowattstunden rund 820 Euro. Dazu kommen mögliche Änderungen bei den Verteilnetzentgelten und deinem Arbeitspreis. Prüf deshalb im Dezember die Preisanpassung deines Versorgers und vergleiche, bevor dein Vertrag sich verlängert. Plane die Mehrkosten in deiner Liquiditätsplanung ein, zusammen mit dem Mindestlohn, der am 1. Januar 2027 von 13,90 auf 14,60 Euro steigt.
Die beste Preisbremse ist die Kilowattstunde, die du nicht brauchst
Auf Netzentgelte und Steuern hast du keinen Einfluss, auf deinen Verbrauch schon. Jede eingesparte Kilowattstunde spart dir den vollen Preis inklusive aller Umlagen und Entgelte. Wer 2027 entspannt in die Stromrechnung schauen will, fängt jetzt mit dem Einschaltplan an.
Wie rechnest du aus, was ein Gerät wirklich kostet?
Mit einer Formel: Leistung in Kilowatt mal Betriebsstunden pro Tag mal Betriebstage im Jahr mal Strompreis je Kilowattstunde. Die Leistung steht auf dem Typenschild, den Arbeitspreis findest du auf deiner Stromrechnung. Für Geräte, die nicht dauernd auf Volllast laufen, setzt du einen realistischen Anteil an, im Bereitschaftsbetrieb etwa 30 Prozent der Nennleistung.
| Verlust (Beispiel) | Rechnung | pro Jahr |
|---|---|---|
| Gargerät 2 Std. im Leerlauf | 9 kW × 30 % × 2 h × 300 Tage | 405 € |
| Wärmebrücke durchgehend an | 1,5 kW × 6 h × 300 Tage | 675 € |
| Kühlzelle mit defekter Dichtung | 2 kWh mehr × 365 Tage | 183 € |
| Spülmaschine mit halben Körben | 5 Gänge × 0,6 kWh × 300 Tage | 225 € |
| Summe | 5.950 kWh | 1.488 € |
Beispielwerte, gerechnet mit 25 Cent je kWh netto. Setz deinen eigenen Arbeitspreis und die Werte vom Typenschild ein.
Keines dieser vier Beispiele braucht ein neues Gerät. Zusammen kosten sie in dieser einen Küche fast 1.500 Euro im Jahr. Genau deshalb lohnt sich die Rechnung: Sie zeigt dir, wo das Geld verschwindet, bevor du über Investitionen nachdenkst. Und sie macht das Thema greifbar für dein Team. „Mach die Wärmebrücke aus“ wird ernster genommen, wenn alle wissen, dass sie 675 Euro im Jahr kostet.
Bei Gasgeräten funktioniert die Rechnung genauso, nur mit dem Gaspreis je Kilowattstunde und der Leistung in Kilowatt laut Typenschild. Wer einen Gasanschluss für Herd oder Wok hat, sieht den Leerlauf allerdings seltener, weil Gasflammen schneller an- und ausgehen. Dort liegt der größere Hebel meist bei Brennerdüsen, die zu groß eingestellt sind, und Flammen, die über den Topfrand schlagen.
Was kosten Vorheizen und Leerlauf?
Leerlauf kostet dich jeden Tag Geld, ohne dass ein Gericht entsteht. Ein Gargerät mit 9 Kilowatt, das täglich zwei Stunden zu früh läuft, verbraucht im Jahr rund 1.620 Kilowattstunden für nichts. Bei 25 Cent netto sind das 405 Euro. Bei fünf solcher Geräte bist du schnell bei 2.000 Euro.
Leerlaufkosten im Jahr: zwei Routinen, gleiche Küche
Alles um 9 Uhr an, fünf Gargeräte warten auf den ersten Bon
Ein Gerät im Leerlauf
Einschaltplan nach Aufheizzeit und erstem Einsatz
Modellrechnung: 9 kW Nennleistung, 30 % Leistung im Leerlauf, 2 Stunden täglich, 300 Betriebstage, 25 Cent je kWh netto.
Die Lösung heißt Einschaltplan. Für jedes Gerät steht fest, wann es frühestens eingeschaltet wird, abhängig von Aufheizzeit und erstem Einsatz. Ein moderner Kombidämpfer ist in wenigen Minuten auf Temperatur, eine Fritteuse braucht deutlich länger, eine Grillplatte wieder anders. Häng den Plan sichtbar in die Küche. Sonst gilt nach zwei Wochen wieder: Wer zuerst kommt, macht alles an.
Tipp aus der Praxis
Mach den Einschaltplan zur Aufgabe des Frühdienstes, nicht zum guten Vorsatz. Eine Zeile pro Gerät: Name, Einschaltzeit, Ausschaltzeit nach dem Service. Trag ihn in den Dienstplan als feste Aufgabe ein. Wer den Plan einhält, braucht keine teure Technik. Wer ihn ignoriert, dem hilft auch das effizienteste Gerät wenig.
Dasselbe gilt nach dem Service. Wärmebrücken, die bis Küchenschluss heizen, obwohl seit einer Stunde nichts mehr rausgeht, sind ein Klassiker. Und es gilt für die Öffnungszeiten insgesamt: Eine Stunde, in der kaum Gäste kommen, kostet nicht nur Personal, sondern auch Licht, Heizung und eine heiße Küche. Wie du das gegeneinander rechnest, zeigt unser Beitrag zu Öffnungszeiten und der 60-Euro-Regel.
Wie sparst du bei der Kühlung?
Bei der Kühlung sparst du vor allem durch Wartung und Disziplin, nicht durch Neuanschaffungen. Kühlgeräte brauchen dichte Türen, freie Lüftungsgitter, saubere Verflüssiger und genug Abstand zu Wärmequellen. Weil die Kühlung als einziger Verbraucher nie Pause macht, kostet jede Schwachstelle 24 Stunden am Tag, an 365 Tagen im Jahr.
Dichtung
Papierstreifen in die Tür klemmen. Lässt er sich leicht herausziehen, ist die Dichtung hin.
Verflüssiger
Fett und Staub auf den Lamellen zwingen den Kompressor zu Dauerarbeit. Zweimal im Jahr reinigen.
Standort
Kein Kühlgerät direkt neben Herd, Fritteuse oder Spülmaschine. Abluft braucht Platz.
Dazu kommen Verhaltensfehler, die niemand bemerkt: Kühlzellen, deren Tür im Service ständig offen steht. Warme Speisen, die direkt in die Kühlung geschoben werden. Vereiste Verdampfer, die nie abgetaut werden. Und Kühlschränke im Gastraum oder an der Bar, die im Winter genauso hart laufen wie im Sommer, obwohl darin nur drei Flaschen stehen. Ein Wartungstermin pro Jahr ist billiger als ein Jahr Mehrverbrauch.
Im Sommer arbeitet die Kühlung besonders hart, vor allem in warmen Küchen ohne ausreichende Abluft. Was Hitze für Team und Technik bedeutet, steht im Beitrag zur Hitze in der Gastronomie, die Regeln für Küchenabluft im Beitrag zur Be- und Entlüftung in der Gastronomie.
Wie sparst du in der Spülküche und bei Warmwasser?
In der Spülküche liegt der Hebel im Ablauf: nur volle Körbe, kein Vorspülen unter fließendem Heißwasser und eine Maschine, die nachts nicht auf Temperatur gehalten wird. Halbe Körbe verbrauchen fast so viel Energie wie volle. Bei einer Neuanschaffung lohnt sich Wärmerückgewinnung, die den Dampf zum Vorwärmen des Frischwassers nutzt.
Die Spülmaschine ist einer der größten Einzelverbraucher in der Küche, weil sie Wasser auf hohe Temperaturen bringen und halten muss. Drei Fragen, die du deinem Spüler stellen solltest: Wann wird die Maschine morgens eingeschaltet und wann abends aus? Laufen Gläser und Teller in getrennten, vollen Gängen? Wird vorgespült, und wenn ja, mit kaltem oder heißem Wasser? Die Antworten zeigen fast immer Einsparungen, die sofort wirken.
Beim Warmwasser insgesamt lohnt ein Blick auf die Temperatur des Speichers und die Länge der Leitungen. Lange Leitungen mit Zirkulation verlieren den ganzen Tag Wärme. Die Temperatur darf allerdings aus hygienischen Gründen nicht beliebig gesenkt werden, das klärst du mit deinem Installateur. Wer seine Küche umbaut oder neu plant, sollte Spülküche und Warmwasser von Anfang an mitdenken. Worauf es dabei ankommt, steht im Beitrag zur Küchenplanung in der Gastronomie.
Was ist eine Lastspitze und betrifft sie dich?
Eine Lastspitze ist der höchste Stromverbrauch innerhalb einer Viertelstunde, in der Gastronomie meist morgens, wenn alle Geräte gleichzeitig hochfahren. Relevant wird sie für Betriebe mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Die werden leistungsgemessen und zahlen zusätzlich zum Verbrauch einen Leistungspreis für die höchste Spitze im Abrechnungszeitraum.
Das Tückische daran: Eine einzige Viertelstunde kann den Leistungspreis für ein ganzes Jahr bestimmen. Ein Beispiel mit typischen Anschlusswerten: Kombidämpfer 18 Kilowatt, zwei Fritteusen je 15 Kilowatt, Grillplatte 10 Kilowatt und Spülmaschine 10 Kilowatt ergeben zusammen 68 Kilowatt, wenn alles gleichzeitig aufheizt. Gestaffelt im Abstand von zehn bis fünfzehn Minuten bleibt die Spitze deutlich darunter, weil die ersten Geräte schon auf Temperatur sind und nur noch nachheizen.
Ob du leistungsgemessen bist, steht auf deiner Stromrechnung: Taucht dort ein Leistungspreis in Euro je Kilowatt auf, betrifft es dich. Betriebe unter 100.000 Kilowattstunden zahlen in der Regel nur Arbeits- und Grundpreis, für sie zählt vor allem der Leerlauf. Größere Betriebe, etwa Hotels mit Restaurant und Bankett, sollten den Lastgang einmal mit ihrem Versorger oder Haustechniker durchgehen. Oft reicht eine Lastmanagement-Funktion, die Geräte kurz verzögert zuschaltet, um die Spitze dauerhaft zu senken.
Lohnt sich ein neues energiesparendes Gerät?
Ein neues Gerät lohnt sich, wenn es sich deutlich innerhalb seiner Lebensdauer bezahlt macht. Die Rechnung: Mehrpreis gegenüber der günstigeren Alternative geteilt durch die jährliche Ersparnis ergibt die Amortisationszeit in Jahren. Liegt sie weit unter der erwarteten Nutzungsdauer, ist die Entscheidung klar. Liegt sie nah dran, verbesserst du lieber erst Wartung und Routinen.
| Rechengröße | Beispiel | Wert |
|---|---|---|
| Mehrpreis effizientes Gerät | gegenüber Standardmodell | 3.000 € |
| Ersparnis pro Jahr | 2.400 kWh × 25 Cent | 600 € |
| Amortisation | 3.000 € ÷ 600 € | 5 Jahre |
| Nutzungsdauer | Beispiel laut Hersteller | 10 Jahre |
| Gewinn nach Amortisation | 5 Jahre × 600 € | 3.000 € |
Beispielwerte. Steigt der Strompreis, wie für 2027 absehbar, verkürzt sich die Amortisation entsprechend.
Der beste Zeitpunkt für effiziente Technik ist nicht irgendwann, sondern dann, wenn ohnehin etwas ersetzt werden muss. Wer ein defektes Gerät tauscht, zahlt für das effizientere Modell nur die Differenz. Rechne dabei ehrlich: Die Ersparnis, die der Hersteller verspricht, gilt für seinen Prüfstand, nicht für deine Küche. Nimm deine eigenen Betriebsstunden und deinen eigenen Arbeitspreis.
Ein Sonderfall ist die Lüftung. Eine Küchenabluft bläst stundenlang warme Luft nach draußen, die im Winter vorher geheizt wurde. Ab bestimmten Luftmengen ist Wärmerückgewinnung deshalb vorgeschrieben, und eine bedarfsgesteuerte Abluft, die nur so stark läuft, wie gerade gekocht wird, spart oft mehr als jedes neue Kochgerät.
Welche Förderung gibt es für Energieeffizienz?
Für Gastronomiebetriebe gibt es vor allem zwei Wege beim BAFA: die geförderte Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme mit bis zu 50 Prozent Zuschuss auf die Beratungskosten und Zuschüsse von 15 Prozent für Einzelmaßnahmen an Gebäuden, etwa Anlagentechnik oder Wärmerückgewinnung. Förderbedingungen ändern sich häufig, deshalb vor jedem Schritt aktuell prüfen.
Die Reihenfolge ist entscheidend. Bei der Energieberatung muss der Förderantrag gestellt werden, bevor du den Vertrag mit dem Berater unterschreibst, und der Berater muss auf der Energieeffizienz-Expertenliste des Bundes stehen. Wer zuerst unterschreibt und dann beantragt, verliert den Zuschuss. Das ist einer der häufigsten und teuersten Fehler bei Förderprogrammen überhaupt.
Förderungen scheitern an der Reihenfolge
Erst Antrag, dann Bewilligung, dann Vertrag und Auftrag. Eine technische Energieberatung führen wir selbst nicht durch, dafür braucht es einen gelisteten Energieeffizienz-Experten. Wir helfen dir, die Investition betriebswirtschaftlich zu bewerten und in deine Finanzplanung einzuordnen.
Eine geförderte Energieberatung lohnt sich vor allem, wenn eine größere Investition ansteht, etwa eine neue Lüftung, Heizung oder Kühltechnik. Für die täglichen Sparhebel aus diesem Artikel brauchst du keinen Energieberater, sondern eine Woche Zählerstände und einen Einschaltplan. Mehr zu ökologischen und wirtschaftlichen Maßnahmen im Betrieb findest du im Beitrag Nachhaltigkeit im Restaurant.
Wie sieht Energiesparen in der Praxis aus?
In der Praxis kommt die größte Einsparung fast immer aus dem Tagesablauf, nicht aus der Technik. Typisch ist ein Betrieb, dessen Stromrechnung in zwei Jahren deutlich gestiegen ist, ohne dass jemand eine Erklärung hat. Eine Woche Zählerstände zeigt dann, dass ein großer Teil des Tagesverbrauchs anfällt, bevor der erste Gast kommt.
Aus der Beratungspraxis: Landgasthof in Norddeutschland
Ein Landgasthof mit Saal schaltete morgens um neun alle Küchengeräte gleichzeitig ein, der Mittagstisch begann um zwölf. Die Zählerstände einer Woche zeigten: Der Verbrauch bis zum ersten Bon war fast so hoch wie der des gesamten Mittagsservice. Dazu zog eine Kühlzelle nachts auffällig viel Strom. Ursache war eine beschädigte Türdichtung.
Die Maßnahmen: ein Einschaltplan für alle Gargeräte, gestaffelt nach Aufheizzeit, als feste Aufgabe des Frühdienstes. Dichtung getauscht, Verflüssiger gereinigt. Spülmaschine nur noch mit vollen Körben, morgens erst eingeschaltet, wenn das erste Geschirr kommt.
Das Ergebnis: ein spürbar niedrigerer Tagesverbrauch ohne Investition außer einer Türdichtung. Die Küche war trotzdem pünktlich startklar. Zusammengesetztes, typisches Beispiel aus mehreren Projekten.
Die Lehre: Energie ist ein Führungsthema, kein Technikthema. Die Geräte machen, was das Team ihnen sagt. Deshalb gehört Energie in jede Restaurantberatung, in der es um Kosten geht, gleichberechtigt neben Wareneinsatz und Personal.
Warum passiert das in so vielen Betrieben? Weil niemand zuständig ist. Der Küchenchef sorgt dafür, dass die Küche um zwölf startklar ist, und auf Nummer sicher heißt für ihn: alles früh an. Der Inhaber sieht die Stromrechnung einmal im Jahr bei der Abrechnung. Und das Team weiß gar nicht, was eine Kilowattstunde kostet. Ein guter Gastronomieberater stellt deshalb zuerst die Frage, wer im Betrieb für Energie verantwortlich ist. Die Antwort ist meistens: niemand. Ein Berater für Gastronomie bringt hier keine neue Technik mit, sondern Verantwortung in den Ablauf. Genau das ändern wir, mit einer klaren Zuständigkeit, einem Einschaltplan im Dienstplan und einer Zahl, die jeden Monat in der Teambesprechung genannt wird.
Energie sparen in der Gastronomie funktioniert am besten, wenn das Team mitzieht. Erzähl deinen Leuten, was die Wärmebrücke im Jahr kostet, und frag sie, wo sie selbst Verschwendung sehen. Die Spüler wissen am besten, wann die Maschine halb leer läuft, die Köche am besten, welches Gerät morgens zu früh angeht. Wer die Ersparnis teilweise ans Team zurückgibt, etwa über eine Teamkasse für ein gemeinsames Essen, macht aus einer Sparvorgabe ein gemeinsames Ziel.
Und wer mit Technik nachhelfen will: Moderne Geräte und Zähler lassen sich vernetzen, sodass du Verbrauch und Einschaltzeiten auf dem Tablet siehst, statt Zähler im Keller abzulesen. Was bei der Digitalisierung in der Gastronomie sinnvoll ist und was nur Spielerei, steht im Bereich Digitalisierung.
Welche Fehler kosten am meisten Energie?
Am teuersten sind Geräte im Leerlauf, defekte Kühldichtungen und halb volle Spülgänge, weil sie jeden Tag passieren. Dazu kommen nicht geprüfte Stromverträge, gleichzeitiges Einschalten bei leistungsgemessenen Betrieben und Förderanträge in der falschen Reihenfolge. Fast alle dieser Fehler kosten nichts, um sie abzustellen, nur Aufmerksamkeit.
| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Alles morgens gleichzeitig an | Leerlauf und hohe Lastspitze | Einschaltplan, gestaffelt |
| Wärmebrücke bis Küchenschluss | Hunderte Euro im Jahr | Ausschaltzeit nach dem Service festlegen |
| Kühldichtung defekt | Mehrverbrauch rund um die Uhr | Papiertest, jährliche Wartung |
| Halbe Spülkörbe | Fast doppelte Kosten je Teller | Nur volle Gänge |
| Vertrag nie verglichen | Preisanpassung 2027 ungeprüft | Im Dezember Angebote einholen |
| Förderung nach Vertragsschluss | Zuschuss verloren | Erst Antrag, dann Auftrag |
Wer seine Energiekosten im Griff hat, sieht sie in der BWA auch als eigene Zeile. In vielen Betrieben stecken Strom, Gas und Wasser aber zusammen mit Miete und Nebenkosten in einer Raumkostenzeile, und niemand bemerkt den Anstieg. Wie du deine BWA so aufbaust, dass Energie sichtbar wird, steht im Beitrag BWA in der Gastronomie verstehen.
Wie behältst du deinen Verbrauch im Griff?
Du behältst deinen Verbrauch im Griff mit drei Routinen: einmal pro Woche Zählerstand notieren, einmal pro Monat die Energiekosten in der BWA prüfen und einmal pro Jahr Kühlung, Spülmaschine und Lüftung warten lassen. Dazu einen Einschaltplan, der im Dienstplan steht, und einen Blick auf den Stromvertrag, bevor er sich verlängert.
Energie-Check für deinen Betrieb
- ☐ Eine Woche Zählerstände morgens und abends notiert?
- ☐ Einschaltplan für alle Gargeräte hängt in der Küche und steht im Dienstplan?
- ☐ Ausschaltzeiten nach dem Service festgelegt, auch für Wärmebrücken?
- ☐ Türdichtungen aller Kühlgeräte mit dem Papiertest geprüft?
- ☐ Verflüssiger gereinigt, Wartungstermin für das nächste Jahr vereinbart?
- ☐ Spülmaschine nur mit vollen Körben, kein Heißwasser-Vorspülen?
- ☐ Stromrechnung auf Leistungspreis geprüft?
- ☐ Preisanpassung für 2027 geprüft und Angebote verglichen?
- ☐ Energie als eigene Zeile in der BWA?
- ☐ Vor jeder größeren Investition Förderung geprüft und Antrag vor dem Auftrag gestellt?
Wenn du bei mehr als drei Punkten zögerst, lohnt sich ein Blick von außen. In unserer Gastronomieberatung gehen wir mit dir alle Kostenblöcke durch, vom Wareneinsatz über das Personal bis zur Energie, und zeigen dir, wo dein Betrieb Geld verliert. Ein Gastronomieberater oder Berater für Gastronomie ersetzt dabei keinen Energieberater, sondern ordnet ein: Welche Maßnahme bringt wie viel, und in welcher Reihenfolge? Weitere Stellschrauben findest du im Beitrag Gewinn steigern in der Gastronomie, die Personalseite im Beitrag zu den Personalkosten in der Gastronomie.
Weil jede Kostenanalyse nur so gut ist wie die Zahlen dahinter, prüfen wir in unserer BWA-Analyse deine BWAs und Summen- und Saldenlisten der letzten drei Jahre bis zum aktuellen Stand. Das Ergebnis bekommst du in einem Video-Call mit klaren Handlungshinweisen und als PDF für deinen Steuerberater, für 699 Euro zzgl. Umsatzsteuer in rund sieben Werktagen. Laufende Unterstützung bieten wir im Bereich BWA und Controlling. Energie gehört dabei genauso in die Kalkulation in der Gastronomie wie Ware und Personal. Eine saubere Kalkulation in der Gastronomie rechnet Energie in den Gemeinkostenzuschlag ein, denn sie steckt in jedem Teller. Unsere Leistung dazu findest du unter Kalkulation.
Wer gerade gründet oder umbaut, kann Energie von Anfang an mitplanen, statt später nachzurüsten. In der Existenzgründung entscheiden Küchenplanung und Geräteauswahl über Jahre an Betriebskosten, und eine gute Gründungsberatung rechnet diese Kosten in den Businessplan ein. In der Gründungsberatung vergleichen wir deshalb nie nur Anschaffungspreise, sondern Gesamtkosten über die Nutzungsdauer. Wer bei der Erstausstattung nur auf den Kaufpreis schaut, zahlt die Differenz über Jahre mit der Stromrechnung. Mehr unter Existenzgründung. Für Hotels kommen Heizung, Warmwasser und Wäsche als große Verbraucher dazu, das klären wir in der Hotelberatung. Gerade in Häusern mit Restaurant, Tagung und Zimmern zeigt eine Hotelberatung oft, dass Warmwasser und Wäsche mehr kosten als die Küche. Alle Leistungen unter Beratung für Gastronomie und Hotellerie. Und wer seine Einsparungen offen zeigt, kann sie im Gastronomie Marketing nutzen: Gäste schätzen Betriebe, die sparsam mit Ressourcen umgehen, wenn es glaubwürdig ist. Auch das gehört für uns zur Unternehmensberatung Gastronomie: Kosten senken und darüber reden, ohne in Greenwashing zu rutschen. Mehr unter Gastronomie Marketing.
Wer hier schreibt
René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Danach kamen Kochausbildung, Sternegastronomie im First Floor Berlin und der Abschluss als Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten, KfW- und BAFA-akkreditiert und als DEHOGA-Partner. Er ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor. Mehr über uns.
Zum Weiterlesen: Vom Wirt zum Unternehmer
Energie ist ein Kostenblock unter vielen, aber einer, den du direkt beeinflussen kannst. Band 1 „Wo dein Geld hingeht“ aus René Kaplicks Reihe „Vom Wirt zum Unternehmer“ geht alle Kosten deines Betriebs systematisch durch: Wareneinsatz, Personal, Pacht und Energie, mit Arbeitsblättern zum Nachrechnen. Band 2 „Wo dein Geld herkommt“ zeigt die Ertragsseite mit Preisen und Deckungsbeitrag.
Deine Stromrechnung steigt und keiner weiß warum?
Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir mit dir deine Kostenblöcke durch, finden die Leerlauf-Fresser in deiner Küche und prüfen, wie 2027 in deiner Planung aussieht. Unternehmensberatung Gastronomie heißt bei uns: erst messen, dann entscheiden. Das gilt in der Restaurantberatung genauso wie im Hotel.
Hospitality Business School
Jeden Montag um 10 Uhr rechnen wir live und kostenlos mit Gastronomen und Hoteliers: Kalkulation, Controlling, Personal und Marketing, mit echten Fragen aus echten Betrieben. Bring deine Stromrechnung mit. Hier kostenlos anmelden.
Häufige Fragen zum Energiesparen in der Gastronomie
Wie viel Strom verbraucht ein Restaurant?
Das hängt stark von Küche, Größe und Öffnungszeiten ab, deshalb hilft nur Messen. In unserer Modellrechnung zur Deckungsbeitragskalkulation liegen Strom, Gas und Wasser bei rund 5 Prozent der monatlichen Kosten. Die Kühlung läuft rund um die Uhr, Gargeräte, Spülmaschine und Lüftung kommen während der Öffnungszeiten dazu. Den größten Einzelposten findest du nur mit eigenen Zählerständen.
Wird Strom für die Gastronomie 2027 teurer?
Voraussichtlich ja. Der Bund kürzt seinen Zuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten 2027 von 6,5 auf rund 5,5 Milliarden Euro. Die Übertragungsnetzbetreiber haben deshalb vorläufig 3,54 statt 2,86 Cent je Kilowattstunde angekündigt. Bei 60.000 Kilowattstunden im Jahr macht allein das rund 410 Euro netto aus. Prüf die Preisanpassung deines Versorgers.
Bekommt die Gastronomie eine niedrigere Stromsteuer?
Nein. Die dauerhaft gesenkte Stromsteuer gilt seit 2026 für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft, also zum Beispiel für Bäckereien und Fleischereien. Restaurants, Cafés und Hotels zahlen weiter den regulären Satz. Entlastet wurde die Gastronomie 2026 über niedrigere Übertragungsnetzentgelte und den Wegfall der Gasspeicherumlage.
Wie berechne ich, was ein Küchengerät an Strom kostet?
Leistung in Kilowatt mal Betriebsstunden pro Tag mal Betriebstage mal Strompreis je Kilowattstunde. Ein Gerät mit 9 Kilowatt, das täglich zwei Stunden mit 30 Prozent Leistung im Leerlauf steht, verbraucht an 300 Tagen 1.620 Kilowattstunden. Bei 25 Cent netto sind das 405 Euro im Jahr. Setz deinen eigenen Arbeitspreis ein.
Wo verschwendet eine Gastroküche am meisten Energie?
Am häufigsten im Leerlauf: Gargeräte, die morgens alle gleichzeitig eingeschaltet werden und stundenlang auf den ersten Bon warten. Dazu kommen Kühlgeräte mit defekten Dichtungen, halb volle Spülgänge und Lüftungen ohne Bedarfssteuerung. In unserer Beispielküche kosten vier solcher Verluste knapp 1.500 Euro im Jahr, ohne dass ein neues Gerät nötig wäre.
Was ist eine Lastspitze in der Gastronomie?
Eine Lastspitze ist der höchste Stromverbrauch innerhalb einer Viertelstunde, typischerweise wenn morgens alle Geräte gleichzeitig hochfahren. Betriebe mit mehr als 100.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch werden leistungsgemessen und zahlen dafür einen Leistungspreis. Wer Geräte im Abstand von zehn bis fünfzehn Minuten einschaltet, senkt die Spitze, ohne weniger zu kochen.
Lohnt sich ein neues energiesparendes Küchengerät?
Rechne die Amortisation: Mehrpreis gegenüber dem günstigeren Gerät geteilt durch die jährliche Ersparnis. Kostet das effizientere Gerät 3.000 Euro mehr und spart 600 Euro im Jahr, hat es sich nach fünf Jahren bezahlt gemacht. Der beste Zeitpunkt ist ein ohnehin nötiger Ersatz, weil du dann nur die Differenz zahlst.
Welche Förderung gibt es für Energieeffizienz in der Gastronomie?
Das BAFA fördert die Energieberatung für Nichtwohngebäude, Anlagen und Systeme mit bis zu 50 Prozent der Beratungskosten und Einzelmaßnahmen an Gebäuden, etwa Anlagentechnik oder Wärmerückgewinnung, mit 15 Prozent. Der Antrag muss vor dem Vertrag mit dem Berater gestellt werden, und der Berater muss auf der Expertenliste des Bundes stehen.
Die teuerste Kilowattstunde ist die, die niemand braucht: Lies morgen früh vor dem Einschalten den Zähler ab, häng den Einschaltplan in die Küche und mach den Papiertest an jeder Kühltür.