Ein Restaurant eröffnen ohne Eigenkapital, also ganz ohne eigenes Geld, ist in Deutschland kaum möglich: Banken erwarten bei Gründungen im Gastgewerbe in der Regel 20 bis 30 Prozent Eigenkapital, gerechnet auf den gesamten Kapitalbedarf. Wer weniger hat, kann die Lücke trotzdem schließen, mit nachrangigen Darlehen, stillen Beteiligungen, Eigenleistung, einem kleineren Kapitalbedarf durch Übernahme oder Leasing und mit dem ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW, der Hausbanken zu 80 Prozent von der Haftung freistellt.
„Ich hab kein Geld, aber ein richtig gutes Konzept.“ Diesen Satz hören wir in der Gründungsberatung regelmäßig. Meistens stimmt die zweite Hälfte. Das Konzept ist gut, die Person kann kochen oder führen oder beides, der Standort ist gefunden. Und dann kommt der Termin bei der Bank, und nach zwanzig Minuten ist klar, dass das Gespräch woanders hätte anfangen müssen.
Dieser Beitrag ist für alle, die ein Restaurant eröffnen wollen, ohne Eigenkapital in der nötigen Höhe zu haben, ob Restaurant, Café, Bar oder Imbiss. Er zeigt ehrlich, wie viel Eigenkapital du brauchst, was die Bank überhaupt als Eigenkapital zählt, wie du fehlendes Eigenkapital aufbaust, wie du den Kapitalbedarf senkst und welche Wege teurer sind, als sie aussehen. Mit einem Rechenbeispiel, einem Fall aus der Praxis und einer Reihenfolge, in der du vorgehst, ohne Förderung zu verschenken.
Inhalt
- Kann man ein Restaurant ohne Eigenkapital eröffnen?
- Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Gastronomie?
- Was zählt für die Bank als Eigenkapital?
- Wie baue ich Eigenkapital auf, das ich nicht habe?
- Wie sieht das in Zahlen aus?
- Gibt es einen Kredit für die Gründung einer Gastronomie?
- Wie senke ich den Kapitalbedarf, statt mehr Geld zu suchen?
- Was kostet Geld von Brauerei, Lieferanten und Gästen wirklich?
- Hilft der Gründungszuschuss beim Eigenkapital?
- Für welche Gastronomie braucht man wenig Eigenkapital?
- Warum scheitern Gründungen ohne Puffer?
- In welcher Reihenfolge gehst du vor?
- Welche Fehler kosten Gründer ohne Eigenkapital am meisten?
- Häufige Fragen
Kann man ein Restaurant ohne Eigenkapital eröffnen?
Ganz ohne Eigenkapital ist eine Restaurantgründung über eine Bank kaum zu finanzieren, weil die Bank sehen will, dass du selbst etwas riskierst. Möglich ist aber eine Gründung mit wenig eigenem Geld, wenn du fehlendes Eigenkapital durch eigenkapitalähnliche Bausteine ersetzt, den Kapitalbedarf senkst und die Bank mit Förderkredit und Bürgschaft entlastest. Das braucht Vorbereitung, kein Glück.
Warum ist Eigenkapital so wichtig? Weil es zwei Dinge gleichzeitig zeigt. Erstens, dass du an dein Vorhaben glaubst und im Ernstfall mitverlierst. Zweitens, dass dein Betrieb einen Puffer hat, der die ersten schwachen Monate abfängt, bevor die Bank ihr Geld verliert. Eine Gründung ohne jedes eigene Geld ist aus Sicht der Bank eine Gründung, bei der sie allein das Risiko trägt. Dafür gibt es in der Gastronomie keine Bank, und das ist auch richtig so.
Die gute Nachricht: „Kein Eigenkapital“ heißt bei den meisten Gründern in Wahrheit „nicht genug Eigenkapital“. Und für dieses Problem gibt es Lösungen. Wer sie kennt und in der richtigen Reihenfolge einsetzt, bekommt Finanzierungen, die auf den ersten Blick unmöglich aussahen. Einen Überblick über alle Finanzierungswege, auch für Betriebe mit genug Eigenkapital, findest du im Beitrag zur Finanzierung in der Gastronomie. Hier geht es nur um den Engpass Eigenkapital.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Gastronomie?
Banken erwarten bei Gründungen im Gastgewerbe regelmäßig eine Eigenkapitalquote von 20 bis 30 Prozent, und zwar auf den Gesamtkapitalbedarf, nicht nur auf die Investition. Der Gesamtkapitalbedarf enthält auch Gründungskosten, Kaution, Warenerstausstattung und die Liquiditätsreserve für die Anlaufmonate. Bei einem kleinen Café sind das grob 20.000 bis 60.000 Euro eigenes Geld, bei einem Stadtrestaurant deutlich mehr.
Der häufigste Rechenfehler sieht so aus: Du hast 80.000 Euro und willst ein Objekt für 250.000 Euro übernehmen. Du rechnest 32 Prozent und denkst, das reicht. Die Bank rechnet gegen 320.000 Euro, weil sie die Anlaufreserve mitzählt, und kommt auf 25 Prozent. Und wenn du die Reserve gar nicht ausgewiesen hast, fragt sie danach, und dein Plan wirkt schlecht vorbereitet. Rechne deshalb von Anfang an gegen die richtige Summe.
Die folgende Übersicht stammt aus unserem Gründerbuch „Bevor du aufschließt“. Sie zeigt grob, wie viel eigenes Geld bei einer Quote von 25 Prozent nötig ist, je nach Betriebstyp. Die Spannen sind groß, weil es einen riesigen Unterschied macht, ob du ein funktionierendes Objekt übernimmst oder Küche und Lüftung neu baust.
Quelle: René Kaplick, „Bevor du aufschließt“, Eigenkapitalquote 25 Prozent auf den Gesamtkapitalbedarf. Wie die Kosten pro Betriebstyp zustande kommen, steht im Beitrag Was kostet ein Restaurant wirklich?
Nimm dein tatsächliches Eigenkapital und geh die rechte Spalte von unten durch. Was darüber liegt, kommt für dich erst einmal nicht in Frage, jedenfalls nicht ohne die Bausteine aus den nächsten Abschnitten. Das ist keine schöne Nachricht, aber sie spart dir Monate. Wer mit 50.000 Euro ein Stadtrestaurant sucht, sucht ein Jahr und findet nichts, das finanzierbar ist.
Was zählt für die Bank als Eigenkapital?
Voll als Eigenkapital zählen verfügbares Geld, auflösbare Wertpapiere, Bausparguthaben und beleihbare Lebensversicherungen. Teilweise zählen Sacheinlagen wie Küchengeräte zum Zeitwert und Eigenleistung beim Umbau. Mit Vorsicht zählen Familiendarlehen, und zwar nur, wenn sie schriftlich nachrangig vereinbart sind. Nicht zählen Geld für deine Lebenshaltung, ein Dispokredit und alles, was schon verplant ist.
Zählt voll
Kontoguthaben, das frei ist. Wertpapiere, die du auflösen kannst. Bausparguthaben. Lebensversicherung, die du beleihen oder kündigen kannst, nachdem du die Kosten gerechnet hast.
Zählt teilweise
Eigene Geräte, Fahrzeug, Werkzeug zum Zeitwert mit Nachweis. Eigenleistung beim Umbau, wenn du das wirklich kannst und ehrlich rechnest.
Zählt mit Vorsicht
Darlehen von Familie oder Freunden, wenn sie schriftlich nachrangig sind, also im Ernstfall hinter der Bank stehen. Stille Beteiligungen.
Zählt nicht
Geld, das du zum Leben brauchst. Die private Notreserve. Dispokredit. Ratenkredite, die du privat aufnimmst. Alles, was schon für etwas anderes verplant ist.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er fast alle Gründer betrifft: Dein Eigenkapital muss nicht nur bis zur Eröffnung reichen, sondern bis zu dem Monat, in dem dein Betrieb dich tatsächlich bezahlt. Und das ist bei keinem Betriebstyp der Eröffnungstag. Ein Café dreht nach unseren Planungen oft nach wenigen Monaten ins Plus, ein Stadtrestaurant eher gegen Ende des ersten Jahres. Zieh deshalb von deinem Geld zuerst die Lebenshaltung für diese Zeit ab. Was dann übrig ist, ist dein einsetzbares Eigenkapital. Nicht umgekehrt.
Wie baue ich Eigenkapital auf, das ich nicht habe?
Fehlendes Eigenkapital baust du mit vier Bausteinen auf: nachrangige Darlehen aus Familie und Freundeskreis, eine stille Beteiligung aus dem Mikromezzaninfonds Deutschland, ein Partner oder stiller Gesellschafter und anerkannte Eigenleistung. Diese Bausteine machen aus fremdem Geld wirtschaftliches Eigenkapital, das die Bank in ihre Quote einrechnet. Billig ist keiner davon, aber jeder ist günstiger als eine geplatzte Gründung.
Nachrangiges Familiendarlehen. Ein Darlehen von Eltern, Geschwistern oder Freunden zählt für die Bank nur dann wie Eigenkapital, wenn es schriftlich nachrangig ist. Das heißt: Im Ernstfall bekommt erst die Bank ihr Geld, dann die Familie. Setz den Vertrag auf wie bei einer Bank, mit Laufzeit, Zins, Rückzahlungsplan und der Rangrücktrittserklärung, am besten mit deinem Steuerberater. Nicht wegen der Bank, sondern weil ungeschriebene Verhältnisse in Familien zuverlässig eskalieren, sobald es dem Betrieb schlecht geht.
Mikromezzaninfonds Deutschland. Der Fonds des Bundes beteiligt sich über die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Länder still an kleinen und jungen Unternehmen. Laut Förderdatenbank des Bundes sind bis zu 100.000 Euro möglich, für bestimmte Zielgruppen wie Gründungen aus der Arbeitslosigkeit bis zu 150.000 Euro. Der Kapitalgeber bekommt kein Stimmrecht, und Sachsicherheiten werden nicht verlangt. Dafür zahlst du ein festes Entgelt plus Gewinnbeteiligung, also deutlich mehr als bei einem Förderkredit. Der Wert liegt darin, dass die Beteiligung dein wirtschaftliches Eigenkapital erhöht und damit Kreditspielraum schafft.
Partner oder stiller Gesellschafter. Jemand bringt Geld ein und ist am Betrieb beteiligt. Das kann gut funktionieren, wenn Rollen, Gewinnverteilung, Entnahmen und Ausstieg vorher schriftlich geregelt sind. Ohne diese Regeln wird aus dem Geldgeber spätestens im zweiten schlechten Monat ein Mitspracheberechtigter. Welche Rechtsform dazu passt, steht im Beitrag zur Rechtsform in der Gastronomie.
Eigenleistung und Sacheinlagen. Wenn du selbst renovierst, sparst du Handwerkerkosten, und viele Banken erkennen einen Teil davon an. Zwei Einschränkungen: Es zählt nur, was du wirklich kannst, und jede Woche auf der Baustelle ist eine Woche ohne Einnahmen. Eigene Geräte, die du einbringst, werden zum Zeitwert angesetzt, nicht zum Neupreis, und brauchen einen Nachweis.
Wie sieht das in Zahlen aus?
Ein kleines Café mit 120.000 Euro Gesamtkapitalbedarf braucht bei 20 bis 30 Prozent Quote 24.000 bis 36.000 Euro wirtschaftliches Eigenkapital. Hat die Gründerin nur 6.000 Euro frei, kann sie mit Eigenleistung, einem nachrangigen Familiendarlehen und einer stillen Beteiligung auf rund 34.000 Euro kommen. Senkt sie zusätzlich den Bedarf durch Leasing, sinkt auch die nötige Quote in Euro.
Rechenbeispiel: Café mit wenig eigenem Geld
Annahmen: Gesamtkapitalbedarf 120.000 Euro (75.000 Investition, 10.000 Gründungskosten und Kaution, 35.000 Anlaufreserve). Frei verfügbares Geld der Gründerin nach Abzug der Lebenshaltung: 6.000 Euro. Alle Beträge sind Beispielwerte, keine Zusagen von Bank oder Fonds.
Wirtschaftliches Eigenkapital, Baustein für Baustein
Eigenes Geld: 6.000 Euro
plus Eigenleistung Malerarbeiten, anerkannt: 3.000 Euro
plus nachrangiges Familiendarlehen: 10.000 Euro
plus stille Beteiligung Mikromezzanin: 15.000 Euro
= 34.000 Euro, das sind gut 28 Prozent von 120.000 Euro. Der Rest von 86.000 Euro kommt als Kredit, zum Beispiel über den ERP-Gründerkredit StartGeld.
Und wenn sie zusätzlich den Bedarf senkt?
Siebträgermaschine und Spülmaschine werden geleast statt gekauft, das senkt die Investition um angenommene 14.000 Euro. Der Gesamtkapitalbedarf sinkt auf 106.000 Euro. Bei 25 Prozent Quote braucht sie dann 26.500 statt 30.000 Euro Eigenkapital, und die Leasingrate steht künftig in der monatlichen Kostenplanung.
Das Beispiel zeigt, wie Restaurant eröffnen ohne Eigenkapital in der Praxis funktioniert, und es zeigt zwei Dinge. Erstens: Aus 6.000 Euro wird kein Café, aus 6.000 Euro plus drei sauber vereinbarten Bausteinen schon. Zweitens: Jeder Baustein kostet. Das Familiendarlehen will zurück, die stille Beteiligung will Entgelt und Gewinnanteil, das Leasing will jeden Monat seine Rate. Ob das trägt, entscheidet nicht die Bank, sondern dein Plan. Wie du die Zahlen so aufbaust, dass sie zueinander passen, steht im Beitrag zum Businessplan für die Gastronomie, für Cafés speziell unter Businessplan für ein Café.
Gibt es einen Kredit für die Gründung einer Gastronomie?
Ja. Der wichtigste ist der ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW mit bis zu 200.000 Euro, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel, beantragt über die Hausbank. Die KfW stellt die Bank zu 80 Prozent von der Haftung frei, deshalb sagt die Bank eher ja. Ein festes Mindest-Eigenkapital schreibt das Programm nicht vor, deine eigenen Mittel fließen aber in die Bonitätsprüfung ein.
Die Eckdaten stehen im KfW-Merkblatt zum ERP-Gründerkredit StartGeld. Gefördert werden Gründungen, Übernahmen und junge Betriebe in den ersten fünf Jahren. Betriebsmittel heißt: Miete, Personal, Warenlager, Anlaufkosten. Genau der Teil, der in vielen Gründungsplänen fehlt, ist hier ausdrücklich förderfähig. Mit anderen KfW- oder ERP-Programmen lässt sich StartGeld nicht kombinieren, mit anderen Fördermitteln wie Landeszuschüssen grundsätzlich schon.
Erst Antrag, dann Vertrag
Förderkredite gibt es nur für Vorhaben, die noch nicht begonnen haben. Als Beginn gilt in der Regel schon der Abschluss eines verbindlichen Vertrags, also Pacht-, Kauf- oder Liefervertrag. Wer vor dem Antrag unterschreibt, verliert oft die Förderung. Das passiert in der Praxis erschreckend oft, weil der Verpächter drängt.
Wenn dir Sicherheiten fehlen, kommt die Bürgschaftsbank ins Spiel. In jedem Bundesland gibt es eine. Sie übernimmt gegenüber deiner Hausbank eine Ausfallbürgschaft für einen Teil des Kredits, wenn dein Vorhaben tragfähig ist, du aber keine Immobilie als Sicherheit hast. Das betrifft fast jeden Gründer. Dafür zahlst du eine Bearbeitungsgebühr und eine laufende Provision, und dein Businessplan geht durch eine zweite Prüfung. In einigen Bundesländern kannst du dich direkt an die Bürgschaftsbank wenden, bevor eine Bank zugesagt hat. Frag danach. Wie das genau läuft, steht im Beitrag zur Bürgschaft in der Gastronomie, den Vergleich der Kreditwege unter KfW oder Hausbank.
Ein ernster Satz zur persönlichen Bürgschaft: Bei Gründungsfinanzierungen verlangt die Bank fast immer, dass du persönlich haftest, auch wenn du eine GmbH gründest. Das ist kaum vermeidbar. Aber Höhe und Dauer sind verhandelbar, und es wird selten verhandelt. Sprich das an, und sprich vorher mit deiner Familie darüber.
Wie senke ich den Kapitalbedarf, statt mehr Geld zu suchen?
Den Kapitalbedarf senkst du am stärksten, indem du einen funktionierenden Betrieb übernimmst statt neu zu bauen, Küchentechnik least oder gebraucht kaufst, mit dem Verkäufer ein Darlehen über einen Teil des Kaufpreises vereinbarst und die Erstausstattung an Ware über Finetrading finanzierst. Jeder Euro, den du nicht brauchst, ist ein Euro Eigenkapital, den du nicht nachweisen musst.
Übernahme statt Neubau. Bei einer Neugründung finanziert die Bank eine Behauptung. Bei einer Übernahme finanziert sie einen Betrieb, dessen Zahlen es gibt. Drei Jahre Auswertungen sind ein besseres Argument als jeder Plan. Dazu kommt: Küche, Lüftung und Genehmigungen sind schon da. Ein Betrieb mit Reparaturstau ist allerdings keine Übernahme, sondern ein Neubau zum Kaufpreis. Worauf du achtest, steht unter Landgasthof übernehmen.
Verkäuferdarlehen. Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises und wird über Jahre bezahlt. Bei Übergaben aus Altersgründen ist das häufiger möglich, als Gründer denken. Der Nebeneffekt ist Gold wert: Ein Verkäufer, der noch Geld bekommt, will, dass dein Betrieb läuft. Wie die Gegenseite darüber denkt, beschreibt das Buch „Das Lebenswerk übergeben“, und der Beitrag zur Unternehmensnachfolge in der Gastronomie fasst es zusammen.
Pacht mit Inventar. Ein gepachtetes Objekt mit Küche und Einrichtung kostet dich weniger Investition als ein leerer Rohbau. Der Preis steckt dann in der Pacht und im Kleingedruckten: Wer repariert, was gehört wem, was musst du beim Auszug zurückbauen? Lies dazu den Beitrag zum Pachtvertrag in der Gastronomie.
Leasing, Mietkauf, gebrauchte Technik. Kombidämpfer, Spülmaschine, Kühltechnik, Kaffeemaschine und Kasse lassen sich leasen oder mieten. Das verteilt die Belastung auf die Laufzeit und schont genau das Eigenkapital, das du in der Anlaufphase brauchst. Über die Laufzeit zahlst du meist mehr als beim Kauf. Gebrauchte Geräte vom Fachhändler mit Gewährleistung sind oft der beste Kompromiss. Wie groß deine Küche überhaupt sein muss, klärst du vorher mit einer sauberen Küchenplanung.
Finetrading für die Erstausstattung. Ein Finetrader bezahlt deine Lieferanten sofort und gibt dir ein Zahlungsziel. So musst du die Ware für die Eröffnung nicht aus dem Eigenkapital vorfinanzieren. Das kostet Gebühren, kann sich aber durch Skonto beim Lieferanten teilweise selbst bezahlen. Details unter Finetrading in der Gastronomie.
Was kostet Geld von Brauerei, Lieferanten und Gästen wirklich?
Geld von Brauerei, Getränkelieferant oder Kaffeeröster gibt es schnell und oft ohne die Sicherheiten einer Bank, bezahlt wird es aber über Jahre mit schlechteren Einkaufspreisen und Abnahmepflichten. Crowdfunding und Gutscheinvorverkauf bringen Geld von Gästen, sind aber Verbindlichkeiten, die du nach der Eröffnung in Ware einlöst. Beide Wege können sinnvoll sein, wenn du ihren echten Preis kennst.
Brauereidarlehen. René Kaplick hat lange auf der anderen Seite des Tisches gesessen und für Brauereien gearbeitet. Deshalb kennen wir diese Verträge auch aus Sicht des Anbieters. Ein typisches Bild aus „Bevor du aufschließt“: Ein Darlehen von 40.000 Euro gegen eine Abnahmeverpflichtung über acht Jahre bindet deinen Einkauf, verschlechtert deinen Einkaufspreis regelmäßig um zehn bis zwanzig Prozent, und wenn du die Menge nicht erreichst, zahlst du anteilig zurück. Genau in dem Jahr, in dem du sie nicht erreichst, weil es schlecht läuft. Dazu kommt: Ein Betrieb mit mehreren Jahren Restbindung ist beim späteren Verkauf weniger wert.
Was stattdessen fast immer ein gutes Geschäft ist
Sachleistungen ohne Geldfluss: Schankanlage, Gläser, Schirme oder Möbel gegen eine realistische Mindestabnahme. Wenn es doch Geld sein soll: kurze Laufzeit, eine Menge deutlich unter deinem Plan, und jeden Vertrag vor der Unterschrift prüfen lassen, mit Blick auf die Rückzahlungsklausel bei Mindermenge. Wie das konkret aussieht, steht unter Brauereivertrag prüfen.
Crowdfunding und Gutscheine. Gäste, Nachbarn und Fans geben Geld vor der Eröffnung und bekommen dafür Gutscheine, Dankeschöns oder einen Namen auf der Wand. Das funktioniert in der Gastronomie selten im großen Stil und meistens nur bei Konzepten mit starker Geschichte und einer Gemeinschaft, die es schon gibt. Wichtig: Gutscheine sind keine Einnahme, sondern ein Versprechen. Jeder verkaufte Gutschein kommt nach der Eröffnung als Gast zurück, der isst und trinkt, ohne zu bezahlen, genau in den Monaten, in denen du jeden Euro brauchst. Rechne deshalb nur mit dem Teil, der nach Wareneinsatz übrig bleibt. Mehr dazu unter Crowdfunding als Alternative.
Bei Banken zählt Crowdfunding übrigens unterschiedlich. Manche sehen eine erfolgreiche Kampagne als Beweis, dass die Gäste das Konzept wollen. Als Eigenkapital rechnet es kaum eine an, weil die Verpflichtung gegenüber den Unterstützern bleibt.
Hilft der Gründungszuschuss beim Eigenkapital?
Der Gründungszuschuss ersetzt kein Eigenkapital, er hilft aber indirekt. Er sichert in den ersten Monaten deine Lebenshaltung, sodass du privates Geld nicht für Miete und Essen zurückhalten musst und mehr davon in den Betrieb geben kannst. Voraussetzung sind ein Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 150 Tagen und eine Tragfähigkeitsbescheinigung einer fachkundigen Stelle.
Geregelt ist der Zuschuss in den §§ 93 und 94 SGB III. In den ersten sechs Monaten gibt es einen Betrag in Höhe des Arbeitslosengeldes plus 300 Euro, danach sind bis zu neun weitere Monate mit 300 Euro möglich. Der Zuschuss ist eine Ermessensleistung, die Arbeitsagentur muss ihn nicht bewilligen. Ein überzeugender Businessplan entscheidet. Und auch hier gilt: Antrag vor Beginn der Selbstständigkeit. Alle Schritte stehen im Beitrag zum Gründungszuschuss in der Gastronomie.
Wer aus der Arbeitslosigkeit gründet, gehört beim Mikromezzaninfonds außerdem zu den Zielgruppen mit dem höheren Beteiligungsrahmen. Beide Bausteine passen also gut zusammen. Welche Landesprogramme zusätzlich in Frage kommen, hängt von deinem Bundesland ab. Einen Überblick gibt der Beitrag zu Fördermitteln in der Gastronomie.
Für welche Gastronomie braucht man wenig Eigenkapital?
Am wenigsten Eigenkapital brauchen die Übernahme eines funktionierenden Imbisses, ein Foodtruck und ein kleines Café, weil Investition und Anlaufreserve dort am kleinsten sind. Teuer wird es bei Stadtrestaurant und Hotel, weil Küche, Lüftung, Fläche und Personal von Anfang an groß sind. Mit wenig Geld startest du also besser klein und wächst, statt groß anzufangen und auf das Glück zu hoffen.
Klein heißt dabei nicht schlecht. Ein Imbiss mit klarer Karte, gutem Standort und sauberer Kalkulation verdient oft mehr als ein schönes Restaurant mit zu vielen Plätzen. Was ein Imbiss konkret kostet, steht im Beitrag Imbiss eröffnen: Kosten, was bei einer Bar anders ist, unter Die eigene Bar eröffnen.
Ein Weg, den wir in der Restaurantberatung oft empfehlen: Teste das Konzept vor der großen Investition. Als Pop-up, als Mittagstisch in einer bestehenden Küche, auf Märkten oder mit Catering. So weißt du, ob die Gäste dein Essen wollen, bevor du dich für zehn Jahre verschuldest, und du hast im Bankgespräch echte Zahlen statt einer Behauptung. Wie du ein Konzept aufbaust, das trägt, steht unter Gastronomiekonzept entwickeln. Woran Konzepte am häufigsten scheitern, zeigt der Beitrag Warum scheitern Gastronomiekonzepte?
Warum scheitern Gründungen ohne Puffer?
Gründungen ohne ausreichenden Puffer scheitern selten am Konzept, sondern an der Zeit zwischen Eröffnung und dem Monat, in dem der Betrieb sich selbst trägt. Wer sein ganzes Geld in die Investition steckt, hat für schwache Monate nichts übrig, und die erste offene Lieferantenrechnung löst eine Kette aus, die gute Betriebe in die Knie zwingt. Die Reserve ist kein Luxus, sie ist Teil des Eigenkapitals.
Aus der Beratungspraxis: Ausflugsgasthof im Thüringer Wald
Ein Ehepaar übernimmt einen Ausflugsgasthof. Beide gelernt, beide erfahren, das Konzept trägt. Sie unterschreiben im August und eröffnen Mitte Oktober, weil der Vorpächter zum Quartalsende raus will und sie den Termin nicht verschieben wollen.
Oktober bis Februar: fünf Monate mit Umsätzen zwischen 18.000 und 26.000 Euro. Kumulierter Verlust vor Unternehmerlohn: rund 28.000 Euro. Das Eigenkapital war komplett für die Investition verplant, der Puffer betrug 15.000 Euro.
Im Januar bleibt die erste Lieferantenrechnung offen. Im Februar bittet der Getränkelieferant um Vorkasse. Im März, genau in der Woche, in der die Saison anspringt, können sie den Gastgarten nicht bestücken, weil sie keine Ware mehr bekommen. Sie verlieren das erste gute Wochenende des Jahres.
Sie haben es überlebt, mit einem Privatdarlehen aus der Familie, und sind heute erfolgreich.
Die Lehre: Der Fehler war nicht das Konzept und nicht das Können. Der Fehler war ein Eröffnungstermin, der sich nach dem Vorpächter richtete statt nach der Saison. Zwei Monate Pacht ohne Betrieb hätten 6.500 Euro gekostet. Der Herbststart hat 28.000 Euro gekostet.
Fall aus „Bevor du aufschließt“, aus mehreren Beratungssituationen zusammengesetzt und anonymisiert.
Für Gründer mit wenig Eigenkapital ist das die wichtigste Seite dieses Beitrags. Wer knapp finanziert, hat keinen Spielraum für einen falschen Starttermin, eine verzögerte Baustelle oder einen nassen Sommer. Plane die Anlaufreserve deshalb so, als würde alles drei Monate länger dauern, und lass sie dir über StartGeld mitfinanzieren, statt sie wegzulassen, damit der Plan aufgeht. Wie du die Wochen nach der Eröffnung durchrechnest, steht unter Liquiditätsplanung in der Gastronomie.
In welcher Reihenfolge gehst du vor?
Gehe in dieser Reihenfolge vor: erst Kapitalbedarf ehrlich rechnen, dann dein einsetzbares Eigenkapital ermitteln, dann die Lücke mit Eigenkapitalbausteinen schließen, dann den Bedarf senken, dann den Businessplan fertigstellen, dann Bank, Förderkredit und Bürgschaftsbank ansprechen, und erst nach der Zusage unterschreiben. Wer die Reihenfolge umdreht, verschenkt Förderung und Verhandlungsspielraum.
Und wenn drei Banken dieselbe Absage mit demselben Grund geben? Dann ist das ihr Hinweis auf eine echte Schwäche, nicht ihre Engstirnigkeit. Eine Bank verdient Geld mit Krediten, sie will zusagen. Wenn sie es dreimal nicht tut, ist das die wertvollste kostenlose Beratung in deinem ganzen Gründungsprozess. Unangenehm, aber besser als eine Zusage, die dich in eine Gründung führt, die nicht trägt.
Welche Fehler kosten Gründer ohne Eigenkapital am meisten?
Am teuersten sind vier Fehler: das Eigenkapital gegen die Investition statt gegen den Gesamtbedarf rechnen, die Anlaufreserve weglassen, vor der Förderzusage unterschreiben und Geld aus Brauerei oder Familie ohne schriftlichen Vertrag annehmen. Alle vier passieren aus Zeitdruck, und alle vier lassen sich mit einem Plan vermeiden, der vor dem ersten Bankgespräch steht.
Wenn du gerade an diesem Punkt stehst, lohnt sich ein Blick von außen, bevor du zur Bank gehst. Ein Gastronomieberater, der Kalkulation, Finanzierung und Gastronomie zusammen versteht, findet die Schwachstellen in deinem Plan, bevor die Bank sie findet. Genau das ist der Kern unserer Gastronomieberatung, von der Existenzgründung in der Gastronomie bis zur Übernahme eines Landgasthofs. Wer ein Restaurant eröffnen will, ohne Eigenkapital in Reserve, braucht diesen Blick von außen dringender als jeder andere. Was ein Gründer später realistisch verdient, zeigt der Beitrag Wie viel verdient ein Gastronom?
Wer hier schreibt
René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Es folgten die Kochausbildung, Stationen in der Sternegastronomie, unter anderem im First Floor Berlin, und die Qualifikation zum Handelsfachwirt. Er hat für Brauereien, Spirituosen- und Kaffeehäuser gearbeitet und kennt deren Verträge von der Anbieterseite. Seit 2010 haben die Gastro Piraten über 5.600 Betriebe begleitet. Er ist Gründer und CEO der Gastro Piraten, Keynote-Speaker und Autor von sieben Fachbüchern, die Gastro Piraten sind DEHOGA-Partner. Steuer- und Rechtsberatung leisten wir nicht. Mehr über uns
Zum Weiterlesen: Bevor du aufschließt
Wie viel Eigenkapital welcher Betriebstyp braucht, wie eine Bank entscheidet, was Brauereigeld wirklich kostet und wie du die Monate bis zum Break-even durchrechnest: Das alles steht ausführlich in René Kaplicks Gründerbuch „Bevor du aufschließt“. Der Fall aus diesem Beitrag und die Eigenkapital-Übersicht stammen daraus.
Dein Plan, bevor die Bank ihn sieht
Wir rechnen mit dir Kapitalbedarf, Eigenkapital und Anlaufreserve ehrlich durch, zeigen dir, welche Bausteine für dich in Frage kommen, und machen deinen Businessplan bankfest. Im kostenlosen Erstgespräch sagen wir dir offen, ob dein Vorhaben mit deinem Geld finanzierbar ist.
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Kann ich ein Restaurant ohne Eigenkapital eröffnen?
Ganz ohne eigenes Geld finanziert in der Regel keine Bank ein Restaurant. Mit wenig eigenem Geld geht es, wenn du die Lücke mit nachrangigen Darlehen, einer stillen Beteiligung oder Eigenleistung schließt, den Kapitalbedarf durch Übernahme oder Leasing senkst und über den ERP-Gründerkredit StartGeld und eine Bürgschaftsbank finanzierst.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Gastronomie?
Banken erwarten bei Gründungen im Gastgewerbe meist 20 bis 30 Prozent des Gesamtkapitalbedarfs als Eigenkapital, inklusive Anlaufreserve. Bei einem kleinen Café sind das grob 20.000 bis 60.000 Euro, bei einem Stadtrestaurant eher 76.000 bis 212.000 Euro, je nachdem, ob du übernimmst oder neu baust.
Gibt es einen Kredit für die Gründung einer Gastronomie?
Ja, vor allem den ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW mit bis zu 200.000 Euro, davon bis zu 80.000 Euro für Betriebsmittel. Beantragt wird er über die Hausbank, die KfW übernimmt 80 Prozent des Ausfallrisikos. Den Antrag stellst du, bevor du Pacht- oder Kaufvertrag unterschreibst.
Zählt ein Darlehen von meinen Eltern als Eigenkapital?
Ja, wenn es schriftlich als nachrangig vereinbart ist, also im Ernstfall hinter der Bank steht. Dann werten viele Banken es wie Eigenkapital. Setz den Vertrag mit Laufzeit, Zins, Rückzahlungsplan und Rangrücktritt auf, am besten zusammen mit deinem Steuerberater.
Was ist der Mikromezzaninfonds?
Ein Fonds des Bundes, der sich über die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Länder still an kleinen und jungen Unternehmen beteiligt, mit bis zu 100.000 Euro, für Zielgruppen wie Gründungen aus der Arbeitslosigkeit bis zu 150.000 Euro. Sachsicherheiten sind nicht nötig, dafür zahlst du ein festes Entgelt plus Gewinnbeteiligung.
Ist ein Brauereidarlehen eine gute Alternative zum Bankkredit?
Es ist schneller und braucht oft weniger Sicherheiten, kostet aber über die Laufzeit meist mehr als ein Bankkredit, weil es über schlechtere Einkaufspreise und Abnahmepflichten bezahlt wird. Sachleistungen wie Schankanlage oder Gläser gegen realistische Mindestmengen sind fast immer das bessere Geschäft.
Für welche Gastronomie braucht man am wenigsten Eigenkapital?
Am wenigsten brauchst du bei der Übernahme eines funktionierenden Imbisses, bei einem Foodtruck oder einem kleinen Café. Dort liegt das nötige Eigenkapital grob zwischen 17.000 und 60.000 Euro. Wer wenig Geld hat, startet besser klein, testet das Konzept und wächst danach.
Hilft der Gründungszuschuss bei der Finanzierung?
Indirekt. Er sichert deine Lebenshaltung in den ersten Monaten, sodass mehr eigenes Geld in den Betrieb fließen kann. Voraussetzung sind mindestens 150 Tage Restanspruch auf Arbeitslosengeld und eine Tragfähigkeitsbescheinigung. Als Eigenkapital zählt der Zuschuss für die Bank nicht.
Kein Eigenkapital ist selten das eigentliche Problem, ein Plan, der das Problem nicht ehrlich ausweist, schon, also rechne zuerst richtig und geh erst dann zur Bank.