Influencer-Marketing in der Gastronomie: Wen du einlädst, was du zahlst und woran du merkst, ob es Gäste bringt

Passende Influencer finden, gekaufte Follower erkennen, Kosten und Nutzen rechnen, Briefing und Vertrag, Kennzeichnung und Steuern, Erfolg messen: der Leitfaden für Restaurants, Cafés, Bars und Hotels

„Hey, ich bin Food-Creator und würde gern bei euch essen und darüber posten. Wir wären zu viert, Samstag 19 Uhr?“ Solche Nachrichten bekommen viele Gastronomen inzwischen jede Woche. Manche sind ein Glücksfall, viele sind ein teures Abendessen mit einem Reel, das niemand aus deiner Stadt sieht. Und fast alle Gastronomen entscheiden aus dem Bauch heraus.

Influencer-Marketing in der Gastronomie kann funktionieren, und zwar gut. Aber nicht so, wie es oft gemacht wird. Die wichtigste Frage ist nicht, wie viele Follower jemand hat, sondern ob seine Follower in deiner Nähe wohnen und zu deinen Gästen passen. Und die zweitwichtigste ist, ob du am Ende weißt, wie viele Gäste die Kooperation gebracht hat.

In diesem Beitrag zeigen wir, wie Restaurants, Cafés, Bars und Hotels Influencer-Marketing so nutzen, dass es Gäste bringt: welche Influencer passen, wie du gekaufte Follower erkennst, was eine Kooperation kosten darf, wie Briefing und Vertrag aussehen, was bei Kennzeichnung und Steuern gilt und wie du den Erfolg misst. Mit Vorlagen zum Kopieren und einem Fall aus der Beratung.

Was ist Influencer-Marketing in der Gastronomie?

Influencer-Marketing in der Gastronomie ist die Zusammenarbeit mit Menschen, die in sozialen Netzwerken eine Gemeinschaft haben, damit sie deinen Betrieb ihren Followern zeigen. Meist besucht der Influencer das Restaurant, Café oder Hotel und berichtet in Reels, Storys oder Beiträgen darüber. Im Gegenzug gibt es eine Einladung, einen Gutschein, ein Honorar oder eine Provision.

Der Grund, warum das funktioniert, ist Vertrauen. Menschen glauben einer Empfehlung von jemandem, dem sie seit Monaten folgen, eher als einer Anzeige. Das ist dieselbe Mechanik wie die Empfehlung unter Freunden, nur mit größerer Reichweite. Genau deshalb ist aber auch die Passung so wichtig: Eine Empfehlung wirkt nur dort, wo die Follower dem Influencer vertrauen und überhaupt zu dir kommen können.

Influencer-Marketing ersetzt dabei nicht dein eigenes Profil. Wenn ein Influencer auf dich verweist und Interessierte dann ein leeres oder veraltetes Profil finden, verpufft die Wirkung. Zuerst muss dein eigener Auftritt stimmen. Wie ein Profil aussieht, das Gäste bringt, steht im Beitrag zu Instagram für Gastronomen.

Ein Begriff taucht dabei immer öfter auf: Content Creator. Gemeint sind Menschen, die für dich Fotos und Videos produzieren, die du auf deinem eigenen Profil oder in Anzeigen nutzt, ohne dass sie selbst darüber posten müssen. Für viele Gastronomen ist das eine interessante Alternative: Du bekommst gute Inhalte für deine Kanäle, zahlst für Bilder statt für Reichweite und behältst die Kontrolle über den Auftritt. Beim Influencer-Marketing in der Gastronomie kaufst du dagegen vor allem Vertrauen und Reichweite bei fremdem Publikum. Beides kann sinnvoll sein, aber es sind zwei verschiedene Geschäfte, mit verschiedenen Preisen und verschiedenen Verträgen.

Lohnt sich Influencer-Marketing für Restaurants?

Influencer-Marketing lohnt sich für Restaurants, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Influencer hat ein Publikum aus deiner Region und deiner Zielgruppe, die Kooperation hat ein klares Ziel wie Reservierungen für einen Anlass, und du misst, wie viele Gäste danach kommen. Ohne diese drei ist es ein kostenloses Abendessen mit unsicherer Wirkung.

Die gute Nachricht: Für die meisten Gastronomiebetriebe ist die günstigste Variante auch die wirksamste. Kleine, lokale Profile mit ein paar tausend Followern aus der Stadt oder dem Landkreis haben oft eine engere Beziehung zu ihrem Publikum und mehr Glaubwürdigkeit als große Profile. Und sie freuen sich über eine Einladung, statt sofort ein Honorar zu verlangen.

Die weniger gute Nachricht: Influencer-Marketing ist kein Ersatz für ein Konzept, das trägt. Wenn das Essen nicht überzeugt, der Service langsam ist oder der Preis nicht zur Zielgruppe passt, bringt die beste Kooperation einmal Gäste, die nicht wiederkommen. Wer einen Influencer einlädt, sollte sicher sein, dass der Abend zeigt, wofür der Betrieb steht. Wie ein tragfähiges Konzept aussieht, steht im Beitrag Gastronomiekonzept entwickeln.

Welche Influencer passen zu deinem Betrieb?

Zu deinem Betrieb passen Influencer, deren Follower in deiner Region leben, zu deiner Zielgruppe gehören und dem Thema des Profils vertrauen. Für die meisten Restaurants, Cafés und Landgasthöfe sind das lokale Stimmen und Micro-Influencer mit einigen tausend bis zehntausenden Followern. Größere Profile lohnen sich eher für Hotels mit überregionalem Publikum, Eröffnungen in Großstädten oder Ketten.

Lokale Stimmen

bis wenige tausend Follower, fast alle aus der Region

Bringt: hohe Glaubwürdigkeit, Gäste aus der Nähe

Üblich: oft Einladung oder Gutschein

Micro-Influencer

einige tausend bis zehntausende Follower, Thema Essen oder Stadt

Bringt: gute Reichweite in der Zielgruppe, viele Kommentare

Üblich: Einladung plus kleines Honorar

Mittelgroße Profile

zehntausende bis hunderttausend Follower

Bringt: Bekanntheit, oft überregional

Üblich: Honorar, Vertrag, Agentur

Große Namen

mehrere hunderttausend Follower und mehr

Bringt: Aufmerksamkeit, selten lokale Gäste

Üblich: hohe Honorare, lange Vorlaufzeit

Für die meisten Restaurants, Cafés und Landgasthöfe liegen die besten Partner in den ersten beiden Spalten.

René Kaplick macht im Biergarten eines Landgasthofs ein Selfie mit einer lachenden älteren Dame, Wanderer schauen zu
René Kaplick mit einer lokalen Influencerin: 3.000 Follower aus dem Landkreis bringen einem Landgasthof oft mehr als 300.000 aus ganz Deutschland. (KI-generierte Szene)

Lokale Stimmen findest du oft dort, wo du sie nicht vermutest: der Stadtteil-Account, der jeden neuen Laden vorstellt, die Mutter mit dem Familienblog, der Wanderer, der Touren in der Region zeigt, die Fotografin, die das Leben im Ort dokumentiert, der Sportverein mit seiner Fanseite. Für ein Familienrestaurant kann eine Seniorin mit 3.000 Followern aus dem Landkreis mehr wert sein als ein Food-Blogger mit 300.000 aus ganz Deutschland.

So findest du sie: Schau dir an, wer deinen Ort oder deine Stadt markiert, wer Beiträge mit lokalen Hashtags postet und wen deine Stammgäste folgen. Oft sind die besten Partner schon deine Gäste. Ein kurzer Blick in die Markierungen deines eigenen Profils zeigt dir, wer bereits über dich spricht. Diese Menschen anzusprechen, ist leichter und ehrlicher als jede Kaltakquise. Für Betriebe auf dem Land gilt das besonders, mehr dazu im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie.

Wie erkennst du gekaufte Follower?

Gekaufte Follower erkennst du an wenigen Kommentaren im Verhältnis zur Followerzahl, an Kommentaren ohne Bezug zum Inhalt, an plötzlichen Sprüngen im Wachstum, an Followern aus Ländern, die nicht zum Profil passen, und an niedrigen Story-Aufrufen. Am sichersten ist der Blick in die Statistiken des Profils, die seriöse Influencer auf Nachfrage zeigen.

René Kaplick prüft mit einer großen Lupe das Smartphone eines jungen Influencers an einer Hotelbar
René Kaplick beim Follower-Check: Eine große Zahl ist schnell gezeigt. Wer genauer hinschaut, sieht, ob echte Menschen dahinterstehen. (KI-generierte Szene)

Der Follower-Check: sieben Punkte vor jeder Kooperation

Kommentare: Gibt es echte Gespräche unter den Beiträgen, oder nur Emojis und „Nice pic“?

Verhältnis: Passen Likes und Kommentare zur Followerzahl, oder hat ein Profil mit 50.000 Followern 80 Likes?

Herkunft: Woher kommen die Follower? Bitte um einen Screenshot der Statistik mit Städten und Ländern.

Story-Aufrufe: Wie viele Menschen sehen eine Story? Das ist schwer zu fälschen und zeigt die echte Reichweite.

Wachstum: Gab es plötzliche Sprünge um tausende Follower an einem Tag?

Frühere Kooperationen: Wie sahen Beiträge für andere Betriebe aus, und was sagen diese Betriebe?

Inhalt: Passt der Stil des Profils zu deinem Betrieb, und würdest du es selbst gern anschauen?

Der wichtigste Punkt ist die Herkunft. Ein Influencer mit 20.000 Followern, von denen 70 Prozent in deiner Stadt wohnen, ist für dich wertvoller als einer mit 100.000, von denen kaum jemand in deinem Bundesland lebt. Seriöse Influencer zeigen ihre Statistiken bereitwillig, weil sie damit ihren Wert belegen. Wer ausweicht oder nur die Gesamtzahl nennt, hat oft einen Grund dafür.

Was darf eine Influencer-Kooperation kosten?

Eine Influencer-Kooperation darf so viel kosten, wie sie dir an Gästen und Deckungsbeitrag zurückbringt. Bei einer Einladung sind die echten Kosten nicht der Verkaufswert auf der Karte, sondern Ware, Arbeitszeit und Platz. Im Rechenbeispiel kostet eine Einladung für zwei Personen rund 60 Euro, und schon ein einziger neuer Tisch für zwei deckt diese Kosten.

PositionRechnungBetrag
Einladung für 2 Personen, Menü und GetränkeVerkaufswert nettorund 140 €
Davon WareWareneinsatz Speisen und Getränkerund 35 €
Davon Arbeitszeit, Platz, Betreuunganteilig geschätztrund 25 €
Echte Kosten der Einladungrund 60 €
Ein neuer Tisch für 2 PersonenBon netto rund 90 €, nach Ware rund 65 €rund 65 € Rohertrag
Gewinnschwelleein neuer Tisch deckt die Einladungab 1 Tisch

Rechenbeispiel mit frei gewählten Annahmen. Wareneinsatz im Rahmen der üblichen Richtwerte, Personal- und Platzkosten anteilig geschätzt. Setz deine eigenen Zahlen ein.

Die Rechnung zeigt, warum eine Einladung bei passenden lokalen Profilen fast immer ein gutes Geschäft ist, wenn danach überhaupt jemand kommt. Und sie zeigt, warum ein Honorar von mehreren hundert Euro für ein überregionales Profil schnell ein schlechtes Geschäft wird: Dafür müssten sehr viele neue Gäste kommen, und die wohnen oft gar nicht in der Nähe. Wie du den Deckungsbeitrag eines Gerichts berechnest, steht im Beitrag zur Deckungsbeitragskalkulation.

Einladung

Essen und Getränke gegen Beitrag oder Story

Vorteil: einfach, günstig, passt zu lokalen Profilen

Achtung: trotzdem Gegenleistung: Kennzeichnung nötig, steuerlich ein Tausch

Gutschein

Gutschein für einen späteren Besuch oder für Follower zum Verlosen

Vorteil: bringt neue Gäste ins Haus, messbar über Einlösung

Achtung: Gutscheine sind eine Verbindlichkeit, Laufzeit klar regeln

Honorar

fester Betrag für vereinbarte Leistungen

Vorteil: klare Erwartungen, professionelle Umsetzung

Achtung: Rechnung, Vertrag, bei Unternehmern Umsatzsteuer

Provision

Betrag pro Reservierung oder eingelöstem Code

Vorteil: zahlt nur für Erfolg

Achtung: Erfassung muss sauber sein, nicht alle machen mit

Ein Modell wird oft unterschätzt: der Gutschein für die Follower. Statt dem Influencer nur das eigene Essen zu bezahlen, bekommt er einen Gutschein oder einen kleinen Bonus für seine Follower, etwa einen Aperitif oder einen Dip aufs Haus bei Nennung eines Codes. Das bringt Gäste ins Haus und macht den Erfolg direkt messbar. Achte bei Gutscheinen auf klare Bedingungen und Laufzeiten, denn ausgegebene Gutscheine sind eine Verbindlichkeit in deinen Büchern.

Wie läuft eine gute Kooperation ab?

Eine gute Influencer-Kooperation läuft in sechs Schritten ab: passenden Influencer finden und prüfen, ein klares Ziel festlegen, ein Briefing mit Wünschen und Grenzen schicken, die Gegenleistung schriftlich vereinbaren, den Besuch gut vorbereiten und betreuen und am Ende den Erfolg messen. Wer diese Schritte einhält, vermeidet die meisten Enttäuschungen auf beiden Seiten.

  • Finden und prüfen. Lokale Profile suchen, Follower-Check machen, Statistik anfragen.
  • Ziel festlegen. Nicht „Bekanntheit“, sondern zum Beispiel Reservierungen für den Sonntagsbraten im November oder Buchungen für Weihnachtsfeiern.
  • Briefing schicken. Wer du bist, für wen, was gezeigt werden soll, was nicht, Formate, Zeitraum, Markierung, Kennzeichnung.
  • Vereinbaren. Gegenleistung, Leistungen und Nutzungsrechte kurz schriftlich festhalten, bei Einladungen reicht eine E-Mail.
  • Vorbereiten. Guter Tisch mit Licht, ein fester Ansprechpartner, Küche und Service wissen Bescheid, nicht in der Stoßzeit.
  • Messen. Code oder Stichwort, eigener Link, Reservierungen vor und nach der Kooperation vergleichen.
René Kaplick zeigt einer Content-Creatorin am Pass mit den Händen, wie sie einen Teller filmen soll, der Küchenchef verdreht die Augen
René Kaplick beim Briefing am Pass: Ein gutes Briefing spart der Küche Nerven und dem Betrieb Geld. (KI-generierte Szene)
Briefing-Vorlage für eine Kooperation

Wir sind: Gasthaus zur Linde, Landgasthof mit regionaler Küche, 60 Plätze, Biergarten. Unsere Gäste: Familien und Ausflügler aus der Region, Sonntagmittag und Feiern. Ziel der Kooperation: Reservierungen für den Sonntagsbraten im November. Was wir uns wünschen: ein Reel und zwei Storys innerhalb von sieben Tagen nach dem Besuch, mit Markierung unseres Profils und Link zur Reservierung. Was wir zeigen möchten: den Braten, die Wirtin am Herd, den Kachelofen. Was wir nicht möchten: Aufnahmen anderer Gäste ohne deren Einverständnis, Filmen während der Stoßzeit in der Küche. Gegenleistung: Einladung für zwei Personen inklusive Getränke. Kennzeichnung: als Werbung oder bezahlte Partnerschaft. Ansprechpartnerin am Abend: Anna, Restaurantleitung. Code für Follower: „SONNTAG LINDE“ bei der Reservierung nennen, dann gibt es einen Aperitif aufs Haus.

Achte beim Besuch darauf, dass der Abend für das Team nicht zur Belastung wird. Ein Influencer, der um 20 Uhr am Samstag in der vollen Küche filmen will, stört den Service und gefährdet die Hygiene. Besser ist ein Termin in einer ruhigen Zeit, ein vorher abgesprochener Ablauf und eine Person aus dem Team, die sich kümmert. Dann wird der Beitrag besser, und die anderen Gäste merken nichts davon. Und der Influencer bekommt dasselbe Essen und denselben Service wie jeder andere Gast, keine Sonderbehandlung, die es später nicht gibt.

Was muss in die Vereinbarung?

In die Vereinbarung mit einem Influencer gehören Leistungen und Formate, Anzahl und Zeitraum der Beiträge, Markierung und Link, die Kennzeichnung als Werbung, die Gegenleistung, Nutzungsrechte an Fotos und Videos, Regeln für Aufnahmen von Gästen und Mitarbeitern und was passiert, wenn ein Beitrag nicht erscheint. Für eine Einladung reicht eine kurze E-Mail, für Honorare ein schriftlicher Vertrag.

Was in jede Influencer-Vereinbarung gehört

Leistungen: zum Beispiel ein Reel und zwei Storys, mit Markierung und Link.

Zeitraum: Veröffentlichung innerhalb von sieben oder vierzehn Tagen nach dem Besuch.

Kennzeichnung: als Werbung oder bezahlte Partnerschaft, wie es das Gesetz verlangt.

Gegenleistung: Einladung für wie viele Personen, mit oder ohne Getränke, Gutschein oder Honorar.

Nutzungsrechte: Darfst du Fotos und Videos auf deinem Profil, deiner Website oder in Anzeigen verwenden, und wie lange?

Aufnahmen: keine erkennbaren anderen Gäste ohne deren Einverständnis, Küche nur nach Absprache.

Ausfall: Was passiert, wenn der Beitrag nicht erscheint oder anders ausfällt als vereinbart?

Ein Punkt sorgt oft für Streit: die Freigabe. Viele Gastronomen möchten Beiträge vor der Veröffentlichung sehen. Das ist verständlich, aber Influencer leben von ihrer Glaubwürdigkeit und lassen sich ungern vorschreiben, was sie über ein Essen sagen. Fair ist: Fakten wie Name, Adresse, Öffnungszeiten und Preise dürfen vorher geprüft werden, die Meinung bleibt beim Influencer. Wer eine geschönte Kritik erzwingt, verliert am Ende beides, Glaubwürdigkeit und Gäste.

Was gilt bei Kennzeichnung und Steuern?

Bei Kennzeichnung und Steuern gilt: Erhält ein Influencer eine Gegenleistung, also auch ein kostenloses Essen, muss der Beitrag als Werbung erkennbar sein. Steuerlich ist eine Einladung gegen einen Beitrag kein Geschenk, sondern ein Tausch, mit möglichen Folgen bei Einkommen- und Umsatzsteuer, vor allem beim Influencer. Für den Gastronomen ist es Werbeaufwand, der sauber gebucht werden sollte.

ThemaWas giltWas du tust
KennzeichnungBeiträge gegen Gegenleistung sind als Werbung erkennbar zu machenKennzeichnung im Briefing vereinbaren
Einladungauch ein Essen ist eine Gegenleistungnicht als „Geschenk ohne Erwartung“ tarnen
Steuern beim InfluencerSachleistungen können Einnahmen seinHinweis geben, dass er das prüfen muss
Steuern beim BetriebWerbeaufwand, je nach Fall mit Umsatzsteuerfolgenmit dem Steuerbüro klären und belegen
HonorarRechnung des Influencers, gegebenenfalls mit UmsatzsteuerRechnung verlangen, Vertrag ablegen
NutzungsrechteFotos und Videos gehören dem ErstellerNutzung für eigene Kanäle schriftlich vereinbaren
KI-InhalteTransparenzpflichten nach der KI-VerordnungKI-Bilder oder KI-Stimmen kennzeichnen

Vereinfachte Übersicht, keine Rechts- oder Steuerberatung. Die steuerliche Behandlung im Einzelfall klärt dein Steuerbüro.

Die Kennzeichnungspflicht ergibt sich aus § 5a des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb: Der kommerzielle Zweck eines Beitrags muss erkennbar sein, wenn der Influencer dafür ein Entgelt oder eine ähnliche Gegenleistung erhält. Kennzeichnen muss in erster Linie der Influencer. Du als Gastronom solltest aber darauf achten, denn unlautere Werbung kann auch dich treffen, und für deine Gäste ist eine ehrliche Kennzeichnung ohnehin das bessere Signal. Wer KI-generierte Bilder oder Stimmen in Kooperationen einsetzt, findet die Regeln im Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht in der Gastronomie.

Zur Buchung im eigenen Betrieb: Eine Einladung gegen einen Beitrag ist keine normale Bewirtung von Geschäftsfreunden, sondern eine Gegenleistung für eine Werbeleistung. Halte deshalb fest, wer eingeladen war, wofür, was vereinbart war und welchen Wert die Einladung hatte. Und buche sie in der Kasse nicht als Storno, sondern als eigene Position, damit Kasse, Wareneinsatz und Werbeaufwand sauber bleiben. Wie Kasse und Belege richtig geführt werden, steht im Beitrag zur Belegpflicht in der Gastronomie.

Wie misst du, ob eine Kooperation Gäste bringt?

Ob eine Kooperation Gäste bringt, misst du mit einem eigenen Code oder Stichwort für jeden Influencer, das Gäste bei der Reservierung oder vor Ort nennen, mit einem eigenen Reservierungslink, mit der Frage, wie Gäste auf dich gekommen sind, und mit dem Vergleich der Reservierungen vor und nach dem Beitrag. Reichweite und Likes sind Zwischenwerte, gezählt werden Gäste.

  • Code oder Stichwort. „SONNTAG LINDE“ bei der Reservierung nennen, dafür gibt es einen Aperitif. Jeder Influencer bekommt seinen eigenen Code.
  • Eigener Link. Ein Reservierungslink pro Kooperation, viele Reservierungssysteme können das, oder ein Link mit Kennung für die Website.
  • Nachfragen. „Wie sind Sie auf uns gekommen?“ bei jeder Reservierung, vier Wochen lang mitschreiben.
  • Vorher und nachher. Reservierungen in den zwei Wochen vor und nach dem Beitrag vergleichen, am selben Wochentag.
  • Wiederkehr. Kommen die Gäste, die über einen Code gekommen sind, ein zweites Mal? Das ist der eigentliche Gewinn.

Schreib dir für jede Kooperation drei Zahlen auf: was sie gekostet hat, wie viele Gäste sie gebracht hat und wie viele davon wiedergekommen sind. Nach drei, vier Kooperationen weißt du genau, welche Art von Partner für deinen Betrieb funktioniert. Und du kannst Anfragen mit einem Blick auf diese Zahlen viel leichter einordnen. Wie du Reservierungen insgesamt sicherer machst, damit eingeladene und neue Gäste auch erscheinen, steht im Beitrag zu den No-Shows in der Gastronomie.

Wie gehst du mit Anfragen um, die nicht passen?

Mit Anfragen, die nicht passen, gehst du freundlich, kurz und klar um: Du bedankst dich, begründest die Absage mit deinen Kriterien, etwa dass du mit Partnern aus deiner Region arbeitest, und lädst gegebenenfalls zum normalen Besuch ein. Eine Vorlage spart Zeit und Nerven. Wer passt, bekommt dagegen eine Einladung mit Briefing statt einer spontanen Zusage.

Antwortvorlage auf eine Anfrage, die nicht passt

Hallo Max, danke für deine Nachricht und dein Interesse an unserem Restaurant. Wir arbeiten mit Partnern zusammen, deren Publikum vor allem aus unserer Region kommt, und das passt bei deinem Profil leider gerade nicht. Wir freuen uns trotzdem, wenn du uns einmal als Gast besuchst. Viele Grüße, Anna vom Gasthaus zur Linde

Hilfreich ist eine kleine interne Regel: Wie viele Kooperationen pro Monat machst du, an welchen Tagen, mit welchem Budget? Wer das festlegt, muss nicht bei jeder Anfrage neu überlegen und kann auch dem Team sagen, wer zuständig ist. Und wenn du merkst, dass sehr viele Anfragen kommen, ist das ein gutes Zeichen: Dein Betrieb ist sichtbar. Dann kannst du dir die Partner aussuchen.

Wie baust du langfristige Partnerschaften auf?

Langfristige Partnerschaften baust du auf, indem du mit den Influencern, die nachweislich Gäste gebracht haben, regelmäßig zusammenarbeitest statt jedes Mal neue zu suchen. Ein lokaler Partner, der viermal im Jahr über Saisonkarte, Events und Neuigkeiten berichtet, wird für seine Follower zur verlässlichen Stimme für deinen Betrieb. Das wirkt stärker und kostet weniger Aufwand als ständig wechselnde Einzelaktionen.

Ein bewährtes Modell ist ein kleiner Kreis von drei bis fünf lokalen Partnern, die du zu festen Anlässen einlädst: zur neuen Frühjahrskarte, zum Spargel, zum Sommerfest im Biergarten, zum Wild im Herbst, zur Weihnachtsfeier-Saison. Jeder Anlass hat ein klares Ziel, jeder Partner seinen Code. So entsteht über das Jahr ein roter Faden, und die Follower erleben deinen Betrieb in verschiedenen Situationen. Wie du die Saison insgesamt planst, steht im Beitrag zur Saisonplanung für Weihnachtsfeiern.

Und vergiss die Menschen, die schon da sind: deine Stammgäste. Viele von ihnen posten ohnehin über deinen Betrieb. Wer einem Stammgast mit lebendigem Profil einmal im Jahr ein Dankeschön-Essen schenkt und ihn fragt, ob er über den neuen Sonntagsbraten berichten möchte, hat einen glaubwürdigeren Partner als jede Agentur vermitteln kann. Auch hier gilt: Gegenleistung heißt Kennzeichnung. Aber die Empfehlung ist echt, und das merken die Follower.

Lohnt sich Influencer-Marketing für Hotels?

Für Hotels lohnt sich Influencer-Marketing oft mehr als für Restaurants, weil ihre Gäste von weiter her kommen und eine Übernachtung länger geplant wird. Reise-, Wander- und Familienprofile mit Publikum aus den wichtigsten Herkunftsregionen deiner Gäste können Buchungen bringen, vor allem für Wochenenden, Pakete und die Nebensaison. Wichtig sind auch hier Passung, Ziel und Messung über eigene Buchungslinks.

Der Unterschied zur Gastronomie: Beim Hotel ist das überregionale Publikum kein Nachteil, sondern genau die Zielgruppe. Ein Landhotel im Schwarzwald profitiert von einem Wanderprofil aus Stuttgart oder Frankfurt mehr als von einem lokalen Account aus dem Ort. Achte darauf, dass der Beitrag auf deine eigene Buchungsseite verlinkt und nicht auf ein Buchungsportal, sonst zahlst du am Ende doppelt, einmal für den Influencer und einmal die Provision. Wie du das Google-Profil deines Hotels dafür aufstellst, steht im Beitrag zum Google-Unternehmensprofil für Hotels.

Wie sieht das in der Praxis aus?

In der Praxis bringen viele kleine, lokale Kooperationen meist mehr Gäste als eine große überregionale. Das liegt an der Reichweite, die bei lokalen Profilen genau dort ankommt, wo deine Gäste wohnen, an der höheren Glaubwürdigkeit und daran, dass sich mit eigenen Codes für jeden Partner genau messen lässt, wer was gebracht hat. Ein Fall aus der Beratung zeigt den Unterschied.

Fall: Burgerladen in Bielefeld

Ein neuer Burgerladen lädt zur Eröffnung einen Food-Influencer mit rund 80.000 Followern ein, dazu ein Honorar. Das Reel bekommt viele Aufrufe und Kommentare aus ganz Deutschland, im Laden ist danach eine Woche lang etwas mehr los, dann ist alles wie vorher. Im zweiten Anlauf lädt der Inhaber fünf lokale Profile ein: eine Studentin, die Bielefelder Essensorte bewertet, einen Fußballfan mit Fanseite, eine Mutter mit Familienblog, einen Fahrradkurier und einen Stadtteil-Account. Jeder bekommt einen eigenen Code für einen Gratis-Dip. Nach vier Wochen sind über alle Codes zusammen deutlich mehr Gäste gekommen als nach dem großen Reel, und viele davon kommen wieder. Die Kosten: fünf Einladungen statt eines Honorars.

Fallbeispiel aus der Beratungspraxis, aus mehreren Fällen zusammengesetzt und anonymisiert.

Der Fall zeigt auch, warum sich ein großes Reel trotzdem gut anfühlt: Die Zahlen sind beeindruckend, die Kommentare zahlreich, und für ein paar Tage fühlt sich der Laden berühmt an. Aber die Kasse misst etwas anderes. Wer seine Kooperationen an Gästen statt an Aufrufen misst, trifft bessere Entscheidungen und gibt weniger Geld aus. Wie du darüber hinaus mehr Umsatz aus jedem Gast holst, zeigt der Beitrag zum Upselling in der Gastronomie.

Welche Fehler im Influencer-Marketing kosten Geld?

Geld kosten vor allem Influencer ohne lokales Publikum, Kooperationen ohne Ziel, Einladungen ohne Briefing, fehlende Kennzeichnung, unklare Nutzungsrechte, Besuche zur Stoßzeit, geschönte Kritiken auf Druck und Erfolgsmessung über Likes statt über Gäste. Die meisten dieser Fehler lassen sich mit einem Follower-Check, einem Briefing und einem Code vermeiden.

FehlerWas passiertBesser
Follower aus ganz Deutschlandviel Reichweite, kaum Gästelokale Profile mit Publikum aus der Region
Kein Zielkeiner weiß, ob es sich gelohnt hatein Anlass, eine Zahl
Kein BriefingBeitrag zeigt das FalscheBriefing-Vorlage nutzen
Keine Kennzeichnungrechtliches Risiko, VertrauensverlustWerbung oder bezahlte Partnerschaft vereinbaren
Nutzungsrechte offenFotos dürfen nicht weiterverwendet werdenNutzung für eigene Kanäle schriftlich klären
Besuch zur StoßzeitStress für Team und Gästeruhige Zeit, fester Ansprechpartner
Erfolg an Likes gemessenfalsche Partner werden wiederholtCodes, Links, Gäste zählen

Der erste Fehler ist der teuerste, weil er sich so gut anfühlt. Eine große Followerzahl schmeichelt. Aber ein Restaurant lebt von Menschen, die innerhalb von zwanzig, dreißig Minuten zu dir kommen können. Frag bei jeder Anfrage zuerst nach der Herkunft der Follower, dann nach allem anderen. Diese eine Frage sortiert die meisten Anfragen schon aus.

Wie unterstützen wir dich beim Influencer-Marketing?

Wir unterstützen dich, indem wir mit dir passende lokale Partner finden und prüfen, eine Kooperationsstrategie mit klaren Zielen und Budget entwickeln, Briefing, Vereinbarung und Codes vorbereiten und am Ende messen, welche Kooperationen Gäste gebracht haben. So wird Influencer-Marketing in der Gastronomie vom Bauchgefühl zu einem planbaren Werkzeug, das sich rechnet.

Bringen deine Kooperationen Gäste?

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns deine bisherigen Kooperationen und Anfragen an und sagen dir, welche Partner zu deinem Betrieb passen.

Du willst solche Themen regelmäßig live mit uns durchgehen? Dann melde dich für die Hospitality Business School an, unser wöchentliches Online-Format für Gastronomen im DACH-Raum, montags von 10 bis 11 Uhr.

Nicht die Followerzahl entscheidet, sondern wie viele davon innerhalb von dreißig Minuten an deinem Tisch sitzen können.

Häufige Fragen zum Influencer-Marketing in der Gastronomie

Lohnt sich Influencer-Marketing für Restaurants?

Es lohnt sich, wenn der Influencer zur Zielgruppe und zur Region passt, die Kooperation ein klares Ziel hat und du misst, wie viele Gäste danach kommen. Am besten funktionieren für die meisten Gastronomiebetriebe lokale Profile und Micro-Influencer mit Publikum aus der Umgebung. Große überregionale Namen bringen Aufmerksamkeit, aber oft wenige Gäste am Tisch.

Was kostet ein Influencer für ein Restaurant?

Das reicht von einer Einladung zum Essen bei lokalen Profilen über Gutscheine und kleine Honorare bei Micro-Influencern bis zu deutlich höheren Beträgen bei großen Profilen. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern das Verhältnis zu den Gästen, die danach kommen. Eine Einladung kostet dich nicht ihren Verkaufswert, sondern Ware, Zeit und Platz.

Muss ein Influencer eine Einladung als Werbung kennzeichnen?

Ja. Sobald der Influencer für den Beitrag eine Gegenleistung erhält, also auch ein kostenloses Essen, eine Übernachtung oder einen Gutschein, ist der Beitrag als Werbung erkennbar zu machen. Das regelt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Kennzeichnen muss der Influencer, aber als Auftraggeber solltest du die Kennzeichnung vereinbaren und darauf achten.

Wie erkenne ich gekaufte Follower?

An wenigen Kommentaren im Verhältnis zur Followerzahl, an Kommentaren ohne Bezug zum Inhalt, an plötzlichen Sprüngen im Followerwachstum, an Followern aus Ländern, die nicht zum Profil passen, und an niedrigen Story-Aufrufen. Am sichersten ist es, sich die Statistiken aus dem Profil zeigen zu lassen, etwa Herkunft der Follower und Reichweite der letzten Beiträge.

Wie messe ich den Erfolg einer Influencer-Kooperation?

Mit einem eigenen Code oder Stichwort für jeden Influencer, das Gäste bei der Reservierung oder im Restaurant nennen, mit einem eigenen Link zur Reservierung, mit der Frage, wie Gäste auf dich gekommen sind, und mit dem Vergleich der Reservierungen vor und nach der Kooperation. Reichweite und Likes sind Zwischenwerte, entscheidend sind Gäste.

Muss ich eine Einladung für Influencer versteuern?

Eine Einladung gegen einen Beitrag ist steuerlich kein Geschenk, sondern ein Tausch: Leistung gegen Werbeleistung. Das kann auf beiden Seiten Folgen haben, beim Influencer als Einnahme und je nach Fall auch bei der Umsatzsteuer. Für den Gastronomen ist es Werbeaufwand. Wie das in deinem Fall korrekt gebucht wird, klärst du am besten mit deinem Steuerbüro.

Was gehört in einen Vertrag mit einem Influencer?

Leistungen und Formate, Anzahl und Zeitraum der Beiträge, Markierung und Link, Kennzeichnung als Werbung, Gegenleistung, Nutzungsrechte an Fotos und Videos, etwa für das eigene Profil oder Werbung, Regeln für Aufnahmen von Gästen und Mitarbeitern und was passiert, wenn ein Beitrag nicht erscheint. Für kleine Einladungen reicht eine kurze schriftliche Vereinbarung per E-Mail.

Wie gehe ich mit Anfragen von Influencern um, die ich nicht will?

Freundlich und kurz absagen. Viele Gastronomen erhalten regelmäßig Anfragen für kostenlose Essen gegen Beiträge, oft von Profilen, die nicht zur Region oder Zielgruppe passen. Eine klare Antwort mit Begründung, etwa dass du mit Partnern aus deiner Region arbeitest, ist höflich und erspart Diskussionen. Wer passt, bekommt eine Einladung mit Briefing.

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