Finanzierung in der Gastronomie: Alle Wege im Überblick, von Eigenkapital und KfW bis Brauerei und Leasing

Welche Finanzierung zu welchem Vorhaben passt, in welcher Reihenfolge du vorgehst, was Banken prüfen, worauf du bei Brauerei- und Lieferantenverträgen achten musst und wie ein gesunder Finanzierungsmix aussieht

„Die Bank will nicht, also nehme ich das Geld von der Brauerei.“ So beginnen viele Finanzierungen in der Gastronomie, und so enden viele Gastronomen in Verträgen, die sie über Jahre teurer zu stehen kommen als jeder Bankkredit. Das Problem ist nicht, dass es zu wenig Geld gibt. Das Problem ist, dass oft der erste Weg genommen wird, der sich anbietet, statt der richtige.

Die Finanzierung in der Gastronomie besteht fast nie aus einem einzigen Kredit. Sie ist ein Mix aus Eigenkapital, Bank, Förderung, Bürgschaft, Leasing und manchmal Lieferanten oder Gästen. Jeder Baustein hat seine Stärken und seine Kosten. Wer sie kennt und in der richtigen Reihenfolge kombiniert, bekommt eine Finanzierung, die trägt, auch wenn der erste Winter schwächer ausfällt als geplant.

Dieser Beitrag ist unsere Übersicht zur Finanzierung in der Gastronomie. Wir zeigen alle Wege im Überblick, welche Finanzierung zu welchem Vorhaben passt, in welcher Reihenfolge du vorgehst, was Banken prüfen, worauf du bei Brauerei- und Lieferantenverträgen achten musst und wie Leasing richtig gerechnet wird. Zu jedem Weg verlinken wir unsere ausführlichen Beiträge, damit du dort weiterlesen kannst, wo es für dich wichtig ist.

Welche Finanzierungswege gibt es in der Gastronomie?

In der Gastronomie gibt es sieben Finanzierungswege: Eigenkapital als Fundament, Bankkredite mit Förderkrediten der KfW und der Länder als Hauptbaustein, Bürgschaften für fehlende Sicherheiten, Zuschüsse und Förderprogramme, Leasing und Mietkauf für Technik, Finanzierungen von Lieferanten und Brauereien sowie Crowdfunding und Genossenschaften. Die meisten Vorhaben brauchen eine Kombination aus mehreren Wegen.

Eigenkapital

eigenes Geld, Einlagen von Partnern

Fundament jeder Finanzierung, zeigt der Bank, dass du mitträgst

Mehr: Gründung →

Bankkredit und KfW

Hausbankkredit, KfW-StartGeld, ERP-Förderkredit

Hauptbaustein für Investition und Betriebsmittel

Mehr: KfW oder Hausbank →

Bürgschaft

Bürgschaftsbank ersetzt fehlende Sicherheiten

macht Kredite möglich, die sonst scheitern

Mehr: Bürgschaft →

Förderung und Zuschüsse

Landesprogramme, BAFA, Gründungszuschuss

senkt Kosten und sichert die Anlaufzeit

Mehr: Fördermittel →

Leasing und Mietkauf

Küchentechnik, Kasse, Einrichtung

schont Kapital, kostet monatlich

Lieferanten und Brauerei

Brauereidarlehen, Inventar, Finetrading

schnell verfügbar, aber mit Bindung

Mehr: Finetrading →

Crowdfunding und Genossenschaft

Gäste und Nachbarn finanzieren mit

Kapital plus Marketing, viel Aufwand

Mehr: Crowdfunding →

Der wichtigste Gedanke dabei: Jeder Weg kostet etwas, nur nicht immer sichtbar. Ein Bankkredit kostet Zinsen, ein Förderkredit Zinsen und Papierarbeit, eine Bürgschaft eine Gebühr, Leasing eine Marge, ein Brauereidarlehen einen höheren Bierpreis, Crowdfunding viel Zeit und Gegenleistungen. Die günstigste Finanzierung ist deshalb nicht die mit dem niedrigsten Zins, sondern die, deren Gesamtkosten über die Laufzeit am niedrigsten sind und die zu deinem Betrieb passt.

Was eine Gründung oder Übernahme insgesamt kostet, rechnen wir im Beitrag Restaurant eröffnen: Kosten vor, mit zwei Modellrechnungen für Übernahme und leeres Ladenlokal. Diese Summe ist die Grundlage für jede Finanzierung, und sie sollte immer eine Reserve für die Anlaufphase enthalten.

Welche Finanzierung passt zu welchem Vorhaben?

Welche Finanzierung passt, hängt vor allem vom Vorhaben ab: Eine Neugründung mit wenig Eigenkapital braucht andere Bausteine als eine Übernahme, ein Ausbau eines leeren Ladenlokals andere als eine Modernisierung im laufenden Betrieb. Dazu kommen Größe, Standort, Erfahrung und vorhandene Sicherheiten. Die folgende Übersicht zeigt typische Kombinationen, die wir in der Gastronomieberatung häufig einsetzen.

VorhabenHauptbausteineErgänzung
Neugründung mit wenig EigenkapitalKfW-StartGeld über Hausbank, eventuell BürgschaftGründungszuschuss, falls berechtigt
Übernahme eines eingerichteten BetriebsHausbank mit Förderkredit, Ablöse gegen ZeitwertBürgschaft, Verkäuferdarlehen prüfen
Ausbau eines leeren LadenlokalsHausbank mit ERP-Förderkredit, solide EigenkapitalquoteLeasing für Technik, Landesprogramme
Modernisierung im laufenden BetriebHausbank, Förderkredite für Investitionen und EnergieLeasing, Förderung für Energieeffizienz
Engpass bei Ware und GetränkenFinetrading oder LieferantenzieleKontokorrent nur als Brücke
Dorfwirtshaus mit starker GemeinschaftGenossenschaft oder Crowdfunding plus BankLandesprogramme für den ländlichen Raum

Die Übersicht ist ein Ausgangspunkt, kein Rezept. Jedes Vorhaben ist anders, und oft entscheidet ein Detail über den richtigen Mix: ob der Verkäufer bereit ist, einen Teil des Kaufpreises zu stunden, ob es im Bundesland ein passendes Programm gibt oder ob die Brauerei als Verpächter ohnehin mit im Boot ist. Welche Förderprogramme 2026 in Frage kommen, steht ausführlich im Beitrag zu den Fördermitteln in der Gastronomie.

In welcher Reihenfolge gehst du vor?

Bei der Finanzierung gehst du am besten in sechs Schritten vor: Kapitalbedarf inklusive Reserve ermitteln, Eigenanteil festlegen, Hausbank und Förderkredit klären, fehlende Sicherheiten mit einer Bürgschaft ergänzen, Technik bei Bedarf über Leasing finanzieren und Lieferanten- oder Brauereiangebote erst danach mit gerechneten Konditionen einbauen. Verträge werden erst unterschrieben, wenn die Anträge gestellt sind.

  • 1. Bedarf ermitteln. Investition, Anlaufkosten und Reserve vollständig erfassen, mit Angeboten.
  • 2. Eigenanteil festlegen. Wie viel eigenes Geld bringst du ein, und was bleibt als private Reserve?
  • 3. Bank und Förderung. Mit der Hausbank sprechen, Förderkredit über die Bank beantragen lassen.
  • 4. Sicherheiten ergänzen. Wo Sicherheiten fehlen, eine Bürgschaft der Bürgschaftsbank einbinden.
  • 5. Technik und Einrichtung. Kauf, Leasing oder Mietkauf nach Gesamtkosten entscheiden.
  • 6. Lieferanten zuletzt. Brauerei- und Lieferantenangebote erst rechnen, dann einbauen.
Eine Gründerin zieht einen Klotz aus der untersten Reihe eines hohen Holzturms, René Kaplick hält erschrocken die Hände hoch
René Kaplick hält die Luft an: Eine Finanzierung ohne Fundament wackelt beim ersten Klotz. (KI-generierte Szene)

Die Reihenfolge ist wichtig, weil sie deine Verhandlungsposition bestimmt. Wer zuerst das Brauereiangebot unterschreibt und dann zur Bank geht, hat seinen Spielraum schon verschenkt, und manche Bank sieht eine lange Bindung an einen Lieferanten kritisch. Wer zuerst mit der Bank spricht, weiß, welche Lücke bleibt, und kann gezielt verhandeln. Und wer Förderkredite nutzen will, muss ohnehin vor Vorhabensbeginn beantragen. Wie du den Kreditweg zwischen KfW und Hausbank planst, zeigt der Beitrag KfW oder Hausbank.

Was prüft die Bank?

Die Bank prüft bei einer Gastronomie-Finanzierung vor allem sechs Dinge: ob Konzept und Standort zusammenpassen, ob die Zahlen im Businessplan realistisch sind, ob der Überschuss Zinsen, Tilgung und einen Unternehmerlohn trägt, wie hoch der Eigenanteil ist, welche Sicherheiten es gibt und welche Erfahrung du in Gastronomie und Betriebsführung mitbringst. Ein überzeugender Businessplan beantwortet alle sechs Fragen, bevor sie gestellt werden.

  • Konzept und Standort: Ist das Vorhaben verständlich, passt es zum Ort, gibt es genug Gäste?
  • Zahlen: Investitionsplan, Umsatz- und Kostenplanung, Liquiditätsplan für mindestens drei Jahre.
  • Kapitaldienstfähigkeit: Reicht der Überschuss, um Zinsen und Tilgung zu zahlen, und bleibt dann noch ein Unternehmerlohn?
  • Eigenanteil: Wie viel trägst du selbst, und woher kommt das Geld?
  • Sicherheiten: Was steht dem Kredit gegenüber, Inventar, Bürgschaft, private Sicherheiten?
  • Person: Erfahrung in Gastronomie und Betriebsführung, Lebenslauf, Auftreten im Gespräch.

Die Kapitaldienstfähigkeit ist dabei der Kern. Die Bank will sehen, dass nach allen Kosten genug übrig bleibt, um den Kredit zu bedienen, und dass du davon auch noch leben kannst. In unserer Modellrechnung für ein Restaurant mit 70.000 Euro Monatsumsatz sind 2.500 Euro im Monat für Tilgung und Zinsen eingeplant, und danach bleiben vor Unternehmerlohn und Steuern rund 15.800 Euro. Solche Rechnungen erwartet die Bank, nur mit deinen eigenen Zahlen. Wie ein Businessplan aussieht, der überzeugt, steht im Beitrag zum Businessplan für die Gastronomie.

Gastronomie gilt bei vielen Banken als riskante Branche, und das ist kein Vorurteil, sondern Erfahrung. Umso wichtiger ist es, dass dein Plan zeigt, dass du die Risiken kennst: mit einer Reserve, mit realistischen Umsätzen, die auch einen schwachen Februar überstehen, und mit einer Kalkulation, die den Wareneinsatz im Zielbereich hält. In unseren Beratungsprojekten liegt dieser Zielwert gesamt bei 25 bis 26 Prozent.

Wie finanzierst du eine Übernahme?

Eine Übernahme finanzierst du meist aus Eigenkapital, einem Bankkredit mit Förderkredit und bei Bedarf einer Bürgschaft, ergänzt um Bausteine, die es nur bei Übernahmen gibt: ein Darlehen des Verkäufers, bei dem ein Teil des Kaufpreises später gezahlt wird, oder eine schrittweise Übergabe, bei der der Nachfolger zunächst pachtet und später kauft. Entscheidend ist, dass der Kaufpreis zum tatsächlichen Ertrag des Betriebs passt.

Ein Verkäuferdarlehen ist für beide Seiten oft eine gute Lösung. Der Verkäufer bekommt einen fairen Preis, auch wenn die Bank nicht die ganze Summe finanziert, und der Käufer kann einen Teil aus den Erträgen der nächsten Jahre bezahlen. Für die Bank ist ein Verkäuferdarlehen außerdem ein Signal: Wer einen Teil des Kaufpreises stundet, glaubt an den Betrieb. Wichtig ist eine klare schriftliche Vereinbarung mit Zins, Laufzeit und Regeln für den Fall, dass es schiefgeht.

Bei jeder Übernahme gilt: Prüf die Zahlen der letzten Jahre, nicht die Erzählung des Verkäufers. Eine BWA und die Jahresabschlüsse zeigen, was der Betrieb wirklich verdient hat, und daraus ergibt sich, welcher Kaufpreis und welche Finanzierung tragbar sind. Wie eine Übergabe gut vorbereitet wird, steht im Beitrag zur Unternehmensnachfolge in der Gastronomie.

Wie sicherst du deinen Lebensunterhalt in der Anlaufphase?

Deinen Lebensunterhalt in der Anlaufphase sicherst du am besten mit einer privaten Reserve, die getrennt von der Betriebsfinanzierung ist, mit einem realistisch geplanten Unternehmerlohn ab dem ersten Monat und, wenn du aus dem Arbeitslosengeld gründest, mit dem Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit. Ein Betrieb, der seinen Inhaber in den ersten Monaten nicht ernähren kann, gerät schnell in Schieflage, weil Geld aus der Kasse privat entnommen wird.

Viele Gründer finanzieren den Betrieb sauber und vergessen sich selbst. Dann wird in den ersten Monaten Geld aus der Kasse entnommen, um Miete und Krankenversicherung zu bezahlen, und genau dieses Geld fehlt für Lieferanten und Löhne. Plan deshalb neben der betrieblichen Reserve eine private Reserve für mehrere Monate ein, und rechne einen Unternehmerlohn in deine Kalkulation ein, auch wenn du ihn anfangs nicht voll entnimmst. Wann der Gründungszuschuss in Frage kommt und wie er beantragt wird, steht im Beitrag zum Gründungszuschuss in der Gastronomie.

Wann hilft eine Bürgschaft?

Eine Bürgschaft hilft, wenn die Bank dein Vorhaben grundsätzlich finanzieren würde, aber die Sicherheiten fehlen. Die Bürgschaftsbank des Bundeslandes übernimmt dann einen Teil des Risikos der Bank, und der Kredit wird möglich. Das ist in der Gastronomie besonders häufig, weil viele Gründer kein Haus oder anderes Vermögen haben und weil Inventar als Sicherheit wenig wert ist.

Eine Bürgschaft kostet eine Gebühr und eine laufende Provision, ist aber oft der Schlüssel, ohne den es keine Finanzierung gäbe. Sie lässt sich mit Förderkrediten kombinieren. Wichtig ist der Unterschied zur privaten Bürgschaft: Wenn Eltern, Partner oder Freunde bürgen, haften sie mit ihrem eigenen Vermögen, und das kann Familien belasten, wenn es schiefgeht. Was du dazu wissen musst, steht im Beitrag zur Bürgschaft.

Auch die Rechtsform spielt hier eine Rolle. Eine GmbH schützt dein Privatvermögen bei vielen Risiken, aber nicht bei Krediten, für die du persönlich bürgst. Banken verlangen bei kleinen Gesellschaften fast immer eine persönliche Bürgschaft des Gesellschafters. Wie Rechtsform und Haftung zusammenhängen, zeigt der Beitrag zur Rechtsform in der Gastronomie.

Worauf musst du bei Brauerei- und Lieferantenverträgen achten?

Bei Brauerei- und Lieferantenverträgen musst du vor allem auf die Laufzeit der Bindung, die Mindestabnahme, die Preisbindung und Preisanpassung, das gebundene Sortiment, die Regeln bei vorzeitigem Ende und das Eigentum an Inventar achten. Die Kosten eines zinslosen Darlehens stecken fast immer im höheren Einkaufspreis. Rechne ein Angebot deshalb immer über die gesamte Laufzeit durch, bevor du unterschreibst.

René Kaplick liest im Bierkeller mit Brille auf der Nase das Kleingedruckte eines Vertrags, ein Außendienstvertreter lächelt breit
René Kaplick im Bierkeller: Beim Brauereivertrag steht das Wichtigste ganz unten. (KI-generierte Szene)

Wir kennen diese Verträge von beiden Seiten. René Kaplick hat in seiner Laufbahn auch für Brauereien, Spirituosenhäuser und Kaffeehäuser gearbeitet und weiß, wie solche Angebote kalkuliert werden und wo der Spielraum liegt. Das Wichtigste vorweg: Ein Brauereivertrag ist kein schlechtes Geschäft an sich. Er kann Zapfanlage, Kühlung, Inventar und ein Darlehen bringen, das die Bank so nicht gibt. Aber er ist ein Geschäft, und die Brauerei rechnet es so, dass es sich für sie lohnt.

Das zinslose Brauereidarlehen

Darlehen der Brauerei, ohne Zinsen30.000 €
Bindung an die Brauerei5 Jahre
Abnahme pro Jahr100 Hektoliter
Mehrpreis pro Hektoliter gegenüber freiem Einkauf (Annahme)20 €
Mehrkosten pro Jahr2.000 €
Mehrkosten über 5 Jahre10.000 €

Ein Drittel der Darlehenssumme, versteckt im Bierpreis

Modellrechnung mit Annahmen. Ob und wie teuer eine Brauereifinanzierung ist, hängt von Bierpreis, Mindestabnahme, Laufzeit und Nebenbedingungen ab. Netto.

Die Modellrechnung zeigt den Mechanismus: Ein zinsloses Darlehen von 30.000 Euro mit fünf Jahren Bindung und 100 Hektoliter Abnahme im Jahr kostet bei einem Mehrpreis von 20 Euro pro Hektoliter rund 10.000 Euro über die Laufzeit, also ein Drittel der Darlehenssumme. Das ist teurer als fast jeder Bankkredit. Dazu kommen Strafzahlungen, wenn die Mindestabnahme nicht erreicht wird, und Einschränkungen bei der Getränkekarte, wenn auch alkoholfreie Getränke oder Wein gebunden sind.

VertragspunktWas geregelt wirdWorauf achten
Laufzeit der Bindungwie lange du an Brauerei oder Lieferant gebunden bistlange Bindungen sind rechtlich angreifbar und wirtschaftlich riskant
Mindestabnahmewie viel du pro Jahr abnehmen musstStrafzahlungen bei Unterschreitung prüfen
Preisbindung und Preisanpassungwer den Preis festlegt und wie oft er steigen darfVergleich mit freiem Einkauf
Sortimentob auch alkoholfreie Getränke, Wein oder Spirituosen gebunden sindFreiheit bei Getränkekarte sichern
Rückzahlung bei vorzeitigem Endewas passiert, wenn du aufhörst oder verkaufstNachfolger und Übernahme mitdenken
Inventar und Eigentumwem Theke, Zapfanlage, Möbel gehörenEigentum klären vor dem Umbau

Rechtlich gibt es Grenzen. Nach europäischem Kartellrecht sind Wettbewerbsverbote, also Bezugsbindungen, in Lieferverträgen in der Regel nur bis zu fünf Jahre automatisch freigestellt. Eine Ausnahme gilt, wenn die Brauerei zugleich Eigentümer oder Vermieter der Räume ist, dann kann die Bindung so lange laufen wie die Nutzung der Räume. Sehr lange Bindungen können außerdem nach deutschem Recht unwirksam sein, wenn sie den Gastronomen unangemessen benachteiligen. Lass Brauereiverträge deshalb vor der Unterschrift prüfen. Wie der Bierpreis sich auf deine Kalkulation auswirkt, zeigt der Beitrag Der Bierpreis in der Gastronomie.

Vereinfachte Darstellung, keine Rechtsberatung. Ob eine Bezugsbindung wirksam ist, hängt vom Einzelfall ab.

Ähnlich funktionieren Angebote von Kaffeeröstern, die eine Kaffeemaschine stellen, wenn du ihren Kaffee kaufst, oder von Spirituosenhäusern, die Werbekostenzuschüsse gegen Listung zahlen. Auch hier gilt: Rechne aus, was du über die Laufzeit mehr zahlst, als wenn du die Maschine selbst finanzierst und frei einkaufst. Und kläre, was passiert, wenn du den Lieferanten wechseln willst. Eine Alternative, um Ware und Getränke zu finanzieren, ohne dich zu binden, ist Finetrading.

Wann lohnt sich Leasing?

Leasing lohnt sich, wenn du dein Kapital und deine Kreditlinie für anderes brauchst, Geräte nach einigen Jahren tauschen willst oder Technik mit Service und Wartung bevorzugst, etwa bei Kassen, Kühltechnik oder Kombidämpfern. Dafür zahlst du über die Laufzeit meist mehr als beim Kauf, und das Gerät gehört dir nicht. Vergleiche deshalb Kauf mit Kredit, Leasing und Mietkauf immer über die gesamte Laufzeit.

René Kaplick blättert neben einem neuen Kombidämpfer auf einer Palette durch einen Kalender, ein Koch lehnt verliebt am Gerät
René Kaplick mit dem Kalender: Leasing schont das Kapital, aber die Rate kommt jeden Monat. (KI-generierte Szene)

Bei der Entscheidung zwischen Kauf und Leasing helfen drei Fragen. Erstens: Wie lange willst du das Gerät nutzen? Ein Kombidämpfer hält oft viele Jahre, eine Kasse veraltet schneller. Zweitens: Wie wichtig ist dir Liquidität am Anfang? Leasing schont das Kapital in der Startphase, in der jeder Euro Reserve zählt. Drittens: Was steht im Vertrag? Achte auf Laufzeit, Kündigungsmöglichkeiten, Restwert, Versicherung und Wartung, und darauf, was am Ende passiert.

Mietkauf ist eine Zwischenform: Du zahlst Raten wie beim Leasing, aber das Gerät gehört dir am Ende. Steuerlich und in der Bilanz wird Mietkauf anders behandelt als Leasing, deshalb lohnt sich eine Abstimmung mit der Steuerberatung. Was eine Küche insgesamt kostet und wie du sie planst, zeigt der Beitrag zur Küchenplanung in der Gastronomie, was eine Kasse kostet, der Beitrag zum Kassensystem in der Gastronomie.

Welche Rolle spielen Crowdfunding und Genossenschaft?

Crowdfunding und Genossenschaften spielen vor allem dort eine Rolle, wo eine starke Gemeinschaft hinter dem Betrieb steht: beim Dorfwirtshaus, das gerettet werden soll, beim Café, das ein Viertel prägt, oder beim Konzept mit treuer Fangemeinde. Sie bringen nicht nur Kapital, sondern auch Gäste, die sich mit dem Betrieb verbunden fühlen. Dafür kosten sie viel Zeit, Organisation und Gegenleistungen.

Beim Crowdfunding unterstützen Gäste ein Projekt mit kleinen Beträgen und bekommen dafür Gutscheine, Essen oder andere Gegenleistungen. Das kann eine Eröffnung mitfinanzieren und gleichzeitig Marketing sein. Aber Gutscheine sind spätere Verbindlichkeiten, und wer zu viele ausgibt, verschenkt Umsatz in den ersten Monaten. Bei einer Genossenschaft werden Gäste und Nachbarn Miteigentümer, das bringt Stabilität, aber auch Mitsprache. Beides steht ausführlich im Beitrag zum Crowdfunding als Alternative.

Für die meisten Betriebe sind Crowdfunding und Genossenschaft eine Ergänzung, keine Hauptfinanzierung. Sie können eine Lücke schließen oder den Eigenanteil erhöhen, den die Bank sehen will. Und sie zeigen der Bank, dass es Nachfrage gibt, was die Chancen auf einen Kredit verbessern kann.

Wie finanzierst du laufende Engpässe?

Laufende Engpässe, etwa vor der Saison, nach einem schwachen Winter oder bei einer großen Getränkebestellung, finanzierst du am besten mit kurzfristigen Instrumenten, die zum Zeitraum passen: Zahlungsziele bei Lieferanten, Finetrading für Ware, ein Kontokorrentrahmen als Brücke für wenige Wochen. Was du nicht tun solltest, ist langfristige Investitionen über den Dispo zu finanzieren. Das ist teuer und bringt Druck bei der Bank.

Die beste Vorbeugung gegen Engpässe ist eine monatliche Liquiditätsplanung. Wer weiß, wann Umsätze schwach sind, wann Steuern und Versicherungen fällig werden und wann große Bestellungen anstehen, kann früh reagieren, mit der Bank sprechen, Zahlungen verschieben oder eine Reserve aufbauen. Wie das geht, zeigt der Beitrag zur Liquiditätsplanung in der Gastronomie.

Und manchmal ist der Engpass ein Zeichen, dass am Betrieb selbst etwas nicht stimmt: zu hoher Wareneinsatz, zu viel Personal in ruhigen Zeiten, Preise, die seit Jahren nicht angepasst wurden. Dann hilft keine Finanzierung, sondern nur ein Blick auf die Zahlen. Wie du die BWA liest, steht im Beitrag BWA in der Gastronomie verstehen.

Wie sieht das in der Praxis aus?

In der Praxis ist das Brauereiangebot oft der Moment, an dem eine Finanzierung kippt: Es kommt schnell, es klingt großzügig, und es löst ein Problem, das die Bank nicht lösen will. Wer es über die ganze Laufzeit durchrechnet und mit Förderkredit und Bürgschaft vergleicht, merkt oft, dass es der teuerste Baustein im ganzen Plan ist. Ein Fall aus unserer Gründungsberatung zeigt, wie man daraus einen fairen Vertrag macht.

Fall: Gasthaus in der Uckermark

Ein Paar will ein Dorfgasthaus mit Saal übernehmen. Die Bank ist vorsichtig, das Eigenkapital knapp. Da kommt der Außendienst einer Brauerei mit einem Angebot: ein zinsloses Darlehen, eine neue Zapfanlage und neue Möbel für den Biergarten, dafür eine lange Bindung, eine hohe Mindestabnahme und Bindung auch für alkoholfreie Getränke. Das Paar will sofort unterschreiben. Endlich jemand, der an sie glaubt.

In der Gründungsberatung rechnen wir das Angebot über die ganze Laufzeit durch. Der Bierpreis liegt deutlich über dem, was das Paar im freien Einkauf zahlen würde, und die Mindestabnahme ist für einen Saalbetrieb mit schwankender Auslastung zu hoch. Unterm Strich ist das zinslose Darlehen eines der teuersten Angebote im ganzen Plan. Mit diesen Zahlen verhandeln wir nach: kürzere Bindung, realistische Mindestabnahme, freie Wahl bei alkoholfreien Getränken. Den Rest der Finanzierung decken ein Förderkredit über die Hausbank und eine Bürgschaft.

Die Brauerei bleibt Partner, aber zu fairen Bedingungen. Das Paar sagt hinterher: Wir dachten, wir bekommen Geld geschenkt. Dabei hätten wir es über zehn Jahre mit jedem Bier zurückgezahlt, und zwar doppelt.

Fallbeispiel aus der Beratungspraxis, aus mehreren Fällen zusammengesetzt und anonymisiert.

Der Fall zeigt, warum wir in der Gründungsberatung Brauerei- und Lieferantenangebote nie isoliert betrachten, sondern immer im Vergleich mit den anderen Bausteinen. Die Brauerei kann ein guter Partner sein, wenn die Bedingungen stimmen. Aber dafür muss jemand am Tisch sitzen, der die Kalkulation der Gegenseite kennt.

Welche Fehler kosten am meisten?

Am meisten kosten bei der Finanzierung in der Gastronomie diese Fehler: nur einen Kredit anfragen und keine Alternativen haben, die Reserve nicht mitfinanzieren, einen Brauereivertrag ohne Gesamtrechnung unterschreiben, langfristige Investitionen über den Kontokorrent finanzieren, Leasing ohne Vergleich abschließen und das private Vermögen der Familie ungeschützt ins Risiko stellen.

FehlerWas passiertBesser
Nur einen Kredit angefragtFinanzierungslücke, keine AlternativenMix aus mehreren Bausteinen
Reserve nicht mitfinanziertEngpass in den ersten MonatenBetriebsmittel und Reserve im Plan
Brauereivertrag ohne Prüfungteure Bindung über JahreKosten über die Laufzeit ausrechnen
Kontokorrent als Dauerfinanzierunghohe Zinsen, Druck bei der Banklangfristige Investitionen langfristig finanzieren
Leasing ohne GesamtrechnungRaten summieren sich, Gerät gehört nicht dirKauf, Leasing, Mietkauf vergleichen
Privates Vermögen ungeschütztFamilienhaus steht im RisikoBürgschaften und Rechtsform bewusst wählen

Der letzte Fehler ist der, der am meisten wehtut. Wer das Haus der Eltern als Sicherheit einbringt oder den Partner bürgen lässt, setzt mehr aufs Spiel als den Betrieb. Das kann richtig sein, aber es sollte eine bewusste Entscheidung sein, mit allen Beteiligten, nicht eine schnelle Unterschrift, weil die Bank es verlangt.

Was bringt eine Gastronomieberatung bei der Finanzierung?

Eine Gastronomieberatung bringt bei der Finanzierung vor allem einen vollständigen Plan und eine bessere Verhandlungsposition: Wir ermitteln mit dir den Kapitalbedarf inklusive Reserve, schreiben den Businessplan, stellen den passenden Mix aus Eigenkapital, Bank, Förderung, Bürgschaft und Leasing zusammen, rechnen Brauerei- und Lieferantenangebote über die Laufzeit durch und begleiten dich ins Bankgespräch.

Die Gastro Piraten arbeiten seit 2010 als Gastronomieberatung und Hotelberatung im DACH-Raum und haben über 5.600 Betriebe begleitet, viele davon bei der Existenzgründung in der Gastronomie oder bei einer Übernahme. In unserer Gründungsberatung und in der Gastronomieberatung ist die Finanzierung fast immer ein Kernthema. Und weil wir die Verträge von Brauereien und Lieferanten auch von der Anbieterseite kennen, wissen wir, wo verhandelt werden kann.

Für größere Vorhaben, etwa Übernahmen mit Nachfolgeregelung, mehrere Standorte oder Hotels, begleiten wir dich in der Unternehmensberatung. Was bei einer Übernahme zu prüfen ist, steht im Beitrag Landgasthof übernehmen, was bei einer Nachfolge zu beachten ist, im Beitrag zur Unternehmensnachfolge in der Gastronomie.

Wie unterstützen wir dich?

Wir unterstützen dich, indem wir den gesamten Kapitalbedarf ermitteln, den Businessplan mit Investitions-, Finanzierungs- und Liquiditätsplan erstellen, den passenden Finanzierungsmix zusammenstellen, Förderprogramme und Bürgschaften einbinden, Brauerei-, Lieferanten- und Leasingangebote durchrechnen und verhandeln und dich ins Gespräch mit Bank und Förderstellen begleiten. So steht deine Finanzierung auf einem Fundament, das trägt.

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Das günstigste Geld ist nicht das, das am schnellsten kommt. Es ist das, dessen Kosten du kennst, bevor du unterschreibst.

Häufige Fragen zur Finanzierung in der Gastronomie

Wie finanziere ich ein Restaurant?

Ein Restaurant finanzierst du meist aus mehreren Bausteinen: Eigenkapital als Fundament, ein Bankkredit mit Förderkredit der KfW oder der Landesförderbank als Hauptbaustein, bei fehlenden Sicherheiten eine Bürgschaft, dazu Leasing für Technik und bei Bedarf Zuschüsse oder der Gründungszuschuss. Grundlage ist ein Businessplan mit Investitions-, Finanzierungs- und Liquiditätsplan, der auch eine Reserve enthält.

Wie viel Eigenkapital brauche ich in der Gastronomie?

Eine feste Quote gibt es nicht. Beim KfW-StartGeld ist Eigenkapital nicht vorgeschrieben, Banken erwarten aber in der Regel einen spürbaren Eigenanteil, weil er zeigt, dass du mit eigenem Geld mitträgst. Je mehr Eigenkapital, desto besser die Chancen und die Konditionen. Fehlende Sicherheiten lassen sich teilweise mit einer Bürgschaft ausgleichen.

Was prüft die Bank bei einer Gastronomie-Finanzierung?

Die Bank prüft vor allem Konzept und Standort, die Zahlen im Businessplan, die Kapitaldienstfähigkeit, also ob der Überschuss Zinsen, Tilgung und einen Unternehmerlohn trägt, den Eigenanteil, die Sicherheiten und deine Erfahrung in Gastronomie und Betriebsführung. Ein schwacher Businessplan oder fehlende Branchenerfahrung sind die häufigsten Gründe für eine Ablehnung.

Lohnt sich ein Brauereidarlehen?

Ein Brauereidarlehen kann sinnvoll sein, ist aber selten so günstig, wie es wirkt. Die Kosten stecken meist nicht im Zins, sondern im Bierpreis, in der Mindestabnahme und in der Laufzeit der Bindung. In unserer Modellrechnung kostet ein zinsloses Darlehen von 30.000 Euro über fünf Jahre rund 10.000 Euro über höhere Bierpreise. Rechne das Angebot deshalb immer über die gesamte Laufzeit durch.

Wie lange darf eine Brauerei mich binden?

Das hängt vom Einzelfall ab. Nach europäischem Kartellrecht sind Wettbewerbsverbote in Lieferverträgen in der Regel nur bis zu fünf Jahre automatisch freigestellt, außer die Brauerei ist zugleich Eigentümer oder Vermieter der Räume. Sehr lange Bindungen können außerdem nach deutschem Recht unwirksam sein, wenn sie den Gastronomen unangemessen benachteiligen. Lass solche Verträge vor der Unterschrift prüfen.

Ist Leasing in der Gastronomie sinnvoll?

Leasing kann sinnvoll sein, wenn du dein Kapital schonen willst, Geräte nach einigen Jahren tauschen möchtest oder Kassen und Technik mit Service brauchst. Dafür zahlst du über die Laufzeit meist mehr als beim Kauf, und das Gerät gehört dir nicht. Vergleiche Kauf mit Kredit, Leasing und Mietkauf über die gesamte Laufzeit und achte auf Vertragslaufzeit, Kündigung und Restwert.

Was ist die richtige Reihenfolge bei der Finanzierung?

Erst den gesamten Kapitalbedarf inklusive Reserve ermitteln, dann den Eigenanteil festlegen, dann mit Hausbank und Förderstellen den Kredit mit Förderprogramm klären, fehlende Sicherheiten mit einer Bürgschaft ergänzen, Technik bei Bedarf über Leasing finanzieren und Lieferantenangebote erst danach und mit gerechneten Konditionen einbauen. Und vor allem: Verträge erst unterschreiben, wenn die Anträge gestellt sind.

Kann ich ein Restaurant ohne Eigenkapital finanzieren?

Das ist schwierig, aber nicht unmöglich. Das KfW-StartGeld schreibt kein Eigenkapital vor, und Bürgschaften können fehlende Sicherheiten ersetzen. In der Praxis brauchen Gründer ohne Eigenkapital aber ein besonders überzeugendes Konzept, Branchenerfahrung und eine sehr solide Planung. Oft lohnt es sich, erst Eigenkapital aufzubauen oder mit einem kleineren Konzept zu starten.

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