Gastronomie Trends 2027

Die Gastronomie-Trends 2027, die wirtschaftlich tragen, sind: bewusster Getränkekonsum mit starker alkoholfreier Karte, kleinere Karten mit klarem Profil, ein neu gedachtes Mittagsgeschäft, Technik im Hintergrund statt am Tisch, Regionalität mit nachvollziehbarem Preis und Gastronomie als sozialer Treffpunkt. Dazu kommen Pflichten, die jeder kennen muss: Mindestlohn 14,60 Euro ab Januar 2027 und neue EU-Regeln für Verpackungen. Reine Hype-Themen wie teure Luxuszutaten im Alltagsformat oder Lieferküchen ohne Gastraum tragen nur in wenigen Fällen.

Jedes Jahr im Herbst kommen die Trendlisten. Pistazie, Fermentation, Robotik, Bowls, Zero Proof. Und jedes Jahr sitzen Gastronomen davor und fragen sich: Muss ich das jetzt auch machen? Die ehrliche Antwort lautet meistens: nein. Nicht jeder Trend passt zu jedem Betrieb, und manche Trends kosten mehr, als sie bringen.

Dieser Artikel ist deshalb keine weitere Liste mit hübschen Food-Fotos. Er prüft jeden Trend mit der Frage, die in unserer Beratung immer zuerst kommt: Was kostet das, was bringt das, und für wen passt das? Mit Rechenbeispiel, Hype-o-Meter und einer Checkliste, mit der du in zehn Minuten entscheidest, ob ein Trend in deinen Betrieb gehört.

Was hat sich 2026 in der Gastronomie wirklich verändert?

2026 hat sich vor allem an den Rahmenbedingungen etwas verändert, weniger an den Tellern. Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen dauerhaft 7 Prozent Mehrwertsteuer, der Mindestlohn stieg auf 13,90 Euro, und die Branche startete aus einem schwachen Jahr: Die Gastronomie setzte 2025 real 2,2 Prozent weniger um als 2024. Wer Trends bewerten will, muss mit diesen Zahlen anfangen.

Das Bild aus den amtlichen Zahlen ist eindeutig. Nominal stieg der Umsatz der Gastronomie 2025 um 1,8 Prozent, real, also nach Abzug der Preissteigerungen, sank er um 2,2 Prozent. Die Gäste haben also mehr bezahlt, aber weniger konsumiert. Das bestätigt die vorläufige Auswertung des Statistischen Bundesamts, über die unter anderem Tageskarte berichtet hat.

Februar 2026

Destatis meldet für 2025 den stärksten Rückgang beim Bierabsatz seit Beginn der Statistik 1993: minus 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter.

1. Januar 2026

7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen, dauerhaft, egal ob im Haus oder zum Mitnehmen. Getränke bleiben bei 19 Prozent. Mindestlohn 13,90 Euro.

Sommer 2026

Destatis meldet: Die Produktion von alkoholfreiem Bier ist 2025 um 6,5 Prozent auf gut 616 Millionen Liter gestiegen.

12. August 2026

Die neue EU-Verpackungsverordnung gilt. Die Pflichten für die Gastronomie kommen schrittweise ab 2027.

Die Mehrwertsteuer ist dabei der unterschätzte Faktor. Sie hat die Rechnung zwischen Restaurant und Imbiss verschoben. In „Bevor du aufschließt“ rechnet René Kaplick das an einem Modellbetrieb vor: Ein Döner für 7,50 Euro brutto brachte beim Verzehr im Haus früher 6,30 Euro netto, heute 7,01 Euro. Bei 80 Portionen im Haus pro Tag und sechs Öffnungstagen sind das rund 17.700 Euro Mehrertrag im Jahr, ohne Preiserhöhung. Wer sein Konzept auf den alten Steuervorteil des Außer-Haus-Verkaufs gebaut hatte, hat ihn dagegen verloren.

Wichtig für alle Trends unten: Die Grenze zwischen 7 und 19 Prozent verläuft jetzt zwischen Speise und Getränk. Jeder Trend, der Getränkeumsatz verschiebt, wirkt deshalb direkt auf deinen Ertrag. Was das für deine Kasse und Buchhaltung bedeutet, steht in unserem Beitrag zur Umsatzsteuer in der Gastronomie.

Warum ist bewusster Getränkekonsum der wichtigste Trend 2027?

Bewusster Getränkekonsum ist der wichtigste Trend 2027, weil er den ertragsstärksten Teil deines Umsatzes betrifft. Gäste trinken weniger Alkohol, aber sie geben für gute Alternativen Geld aus. Der Bierabsatz in Deutschland fiel 2025 um 6,0 Prozent, die Produktion von alkoholfreiem Bier stieg um 6,5 Prozent. Wer nur Wasser und Cola anbietet, verliert genau hier Umsatz.

Die Zahlen kommen direkt vom Statistischen Bundesamt: Der Bierabsatz sank 2025 um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter, der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik und 18,9 Prozent weniger als 2015. Gleichzeitig stieg die Produktion von alkoholfreiem Bier um 6,5 Prozent auf gut 616 Millionen Liter. Auch der Trendforscher Pierre Nierhaus nennt in seinem Gastro Trendreport 2026/27 alkoholfreie und funktionale Getränke sowie hochwertige Teekulturen als festen Trend.

René Kaplick prüft an einer Bar einen alkoholfreien Cocktail im Coupé-Glas, die Barkeeperin vollendet mit einer Pipette den nächsten Drink
Gastronomie-Trend 2027 mit echtem Deckungsbeitrag: René Kaplick von den Gastro Piraten testet einen alkoholfreien Signature-Drink. (KI-generierte Szene)

Der Trend bringt aber nur Geld, wenn die alkoholfreie Karte mehr ist als Apfelschorle. Ein selbst entwickelter alkoholfreier Drink kann einen besseren Deckungsbeitrag bringen als ein Glas Wein, weil die Zutaten günstig sind und der Gast für Handwerk bezahlt. Die Beispielkalkulation zeigt den Unterschied:

Deckungsbeitrag pro Glas im Vergleich

Beispielkalkulation, Getränke mit 19 Prozent Mehrwertsteuer, Deckungsbeitrag = Nettopreis minus Wareneinsatz

Alkoholfreier Signature-Drink, 7,50 € brutto, Ware 1,10 €5,20 €
Glas Weißwein 0,2 l, 7,90 € brutto, Ware 1,60 €5,04 €
Alkoholfreies Bier 0,33 l, 4,50 € brutto, Ware 0,85 €2,93 €
Softdrink 0,3 l, 3,90 € brutto, Ware 0,55 €2,73 €

Eigene Beispielwerte zur Veranschaulichung. Rechne mit deinen Einkaufspreisen nach, die Logik bleibt gleich.

Die Lehre daraus: Der Gast, der keinen Alkohol trinkt, ist kein schlechter Gast. Er ist ein Gast, dem du bisher nichts Passendes anbietest. Drei bis fünf alkoholfreie Drinks mit eigener Handschrift, ein Hauswein-Ersatz zum Essen und ein guter Tee reichen für den Anfang. Wie dein Team diese Drinks aktiv empfiehlt, steht im Beitrag zu den 20 Kontaktpunkten pro Gast. Und wie du die Getränkeseite insgesamt stärkst, zeigt unser Beitrag Getränkeumsatz steigern, die Rechenlogik dahinter die Deckungsbeitragskalkulation.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Bewusster Getränkekonsum: tragfähig für fast jeden Betriebstyp. Investition gering, Wirkung hoch.

Lohnt sich eine kleinere Speisekarte?

Eine kleinere Speisekarte lohnt sich für die meisten Betriebe, weil sie Wareneinsatz, Lagerbestand, Personalaufwand und Fehlerquote gleichzeitig senkt. Weniger Gerichte bedeuten weniger Mise en Place, weniger Verderb und schnellere Abläufe. Die Gäste empfinden eine kürzere Karte meist nicht als Verzicht, sondern als Profil, wenn jedes Gericht einen klaren Grund hat, auf der Karte zu stehen.

In unserer Beratung sehen wir regelmäßig Karten mit 40, 50 oder mehr Positionen. Fast immer verkaufen sich davon wenige Gerichte richtig gut, und ein großer Teil der Karte bindet Ware, Kühlraum und Arbeitszeit, ohne Deckungsbeitrag zu bringen. Mit dem Mindestlohn von 14,60 Euro ab Januar 2027 wird jede Stunde Vorbereitung teurer. Eine Karte, die mit weniger Händen funktioniert, ist deshalb 2027 kein Stilmittel, sondern Kostenmanagement.

WARENEINSATZ

Weniger Komponenten, weniger Verderb. Ziel für Speisen bleibt 28 bis 32 Prozent.

PERSONAL

Weniger Mise en Place, kürzere Einarbeitung, weniger Abhängigkeit von Spezialisten.

GAST

Schnellere Entscheidung, klarere Empfehlung, stärkeres Profil.

Wie du herausfindest, welche Gerichte bleiben dürfen, zeigt die Renner-Penner-Logik: Jedes Gericht wird nach Verkaufsmenge und Deckungsbeitrag eingeordnet. Was beides schwach hat, fliegt. Was viel verkauft, aber wenig bringt, wird neu kalkuliert. Die Methode steht in unserem Beitrag zum Wareneinsatz in der Küche. Wenn du nicht weißt, wo dein Wareneinsatz überhaupt steht, ist das der erste Schritt, nicht der Trend.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Kleinere Karte: tragfähig. Kostet keine Investition, nur Mut.

Wie verändert sich das Mittagsgeschäft?

Das Mittagsgeschäft verändert sich hin zu schnellen, frischen und planbaren Formaten: Bowls, Suppen, ein starkes Tagesgericht, Vorbestellung per Smartphone und eine Ausgabe, die in unter zehn Minuten funktioniert. Der klassische Mittagstisch mit langer Karte und Bedienung am Tisch rechnet sich vielerorts nicht mehr, weil die Mittagspause kürzer und der Preisdruck höher ist.

In „Bevor du aufschließt“ beschreibt René Kaplick den modernen Fast-Casual-Imbiss mit Bowls, Burgern und regionalem Konzept als Typ mit höherem Bon und jüngerer Zielgruppe, aber auch mit deutlich höherer Investition und einem Standortbedarf, der eher dem eines Cafés gleicht. Genau das ist die Falle dieses Trends: Das Konzept funktioniert an Standorten mit Büros, Hochschulen oder Laufkundschaft, nicht im Wohngebiet am Stadtrand.

René Kaplick steht im Winter als Gast in einer Warteschlange vor einem Bowl-Lokal und schaut auf die Uhr
Die Schlange ist das Konzept, aber nur am richtigen Standort: René Kaplick von den Gastro Piraten zählt die Wartezeit mit. (KI-generierte Szene)

Was für klassische Restaurants funktioniert: das Mittagsgeschäft verkleinern statt erweitern. Ein Tagesgericht, eine vegetarische Alternative, eine Suppe. Fester Preis, schnelle Ausgabe, und das Ganze so kalkuliert, dass es auch mit einer Servicekraft weniger läuft. Seit 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Speisen gilt, ist der Abstand zwischen Mittag im Haus und Mittag zum Mitnehmen steuerlich weg. Entscheidend ist jetzt, welches Format weniger Personal bindet.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Neues Mittagsgeschäft: tragfähig an den richtigen Standorten, riskant überall sonst.

Welche Technik lohnt sich 2027 und welche nicht?

2027 lohnt sich Technik, die im Hintergrund Zeit spart: Online-Reservierung, digitale Dienstplanung, Kassensysteme mit sauberer Warengruppen-Auswertung und digitale Bestellung bei Lieferanten. Weniger lohnend ist Technik, die den Gastkontakt ersetzt, etwa Serviceroboter oder reine Tablet-Bestellung im Restaurant. Gäste suchen wieder mehr Gastgeber, nicht weniger. Die Faustregel: Technik gehört dahin, wo der Gast sie nicht sieht, aber merkt.

Pierre Nierhaus beschreibt in seinem Gastro Trendreport 2026/27 genau diese Spannung: KI, Robotik und Automatisierung steigern die Effizienz, gleichzeitig wächst der Wunsch nach persönlicher Betreuung und Atmosphäre. Die Gastgeberkultur kehrt zurück, und Charakter wird zum Unterscheidungsmerkmal. Das deckt sich mit dem, was wir in Betrieben sehen: Die Technik soll den Menschen freispielen, nicht ersetzen.

Aufwand gegen Wirkung: Wo Technik 2027 steht

WENIG AUFWAND, HOHE WIRKUNG

Online-Reservierung, Google-Unternehmensprofil pflegen, digitale Dienstplanung

VIEL AUFWAND, HOHE WIRKUNG

Kassensystem mit Warengruppen und Schnittstelle zur Buchhaltung, digitale Warenwirtschaft

WENIG AUFWAND, WENIG WIRKUNG

QR-Code-Karte ohne echten Mehrwert, Social-Media-Posts ohne Plan

VIEL AUFWAND, WENIG WIRKUNG

Serviceroboter im Restaurant, eigene App ohne Stammgäste dahinter

Die größte Wirkung hat oft die unscheinbarste Technik: ein Reservierungssystem, das nachts bucht, wenn du schläfst. Wie viel Umsatz an verpassten Anrufen hängt, rechnen wir im Beitrag zur gastgeberorientierten Sprache vor. Was sich für deinen Betrieb lohnt und welche Fördermittel es dafür gibt, klären wir in der Digitalisierungsberatung.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Technik im Hintergrund: tragfähig. Roboter am Tisch: eher Hype.

Ist Regionalität 2027 noch ein Verkaufsargument?

Regionalität ist 2027 nur noch dann ein Verkaufsargument, wenn sie konkret und nachvollziehbar ist. „Regional“ allein steht inzwischen auf fast jeder Karte und überzeugt niemanden mehr. Was wirkt, sind Namen, Orte und Geschichten: der Hof, von dem das Gemüse kommt, der Winzer, die Jahreszeit. Und ein Preis, der erklärt, warum das Gericht mehr kostet.

Dazu passt ein zweiter Trend aus dem Nierhaus-Report: die sogenannte Langlebigkeits-Küche mit fermentierten Lebensmitteln und pflanzlichen Wirkstoffen. Für die meisten Betriebe heißt das nicht, ein Fermentationslabor einzurichten. Es heißt: Gemüse ernst nehmen, saisonal planen, eigene Pickles, Krautsalate oder Kombucha anbieten, wo es zum Konzept passt. Das senkt oft sogar den Wareneinsatz, weil Gemüse günstiger ist als Fleisch.

Drohnenaufnahme eines Gemüsefelds: René Kaplick liegt mit einer frisch geernteten Möhre am Feldrand, eine Köchin erntet Gemüse in einen Korb
Regionalität, die man sehen kann: René Kaplick von den Gastro Piraten im Gemüsegarten eines Landgasthofs. (KI-generierte Szene)

Gerade für die Landgastronomie ist das eine echte Chance, weil die Nähe zum Erzeuger dort glaubwürdig ist. Ein Gasthof, der seine Lieferanten auf der Karte nennt und den Service die Geschichten erzählen lässt, verkauft dieselbe Möhre zu einem anderen Preis als die Kantine nebenan. Wie du dich als Landgasthof klar positionierst, steht im Beitrag zur Positionierung in der Landgastronomie.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Regionalität mit Beweis: tragfähig. Regionalität als Etikett: verbraucht.

Warum wird Gastronomie zum sozialen Treffpunkt?

Gastronomie wird zum sozialen Treffpunkt, weil viele Menschen weniger Orte haben, an denen sie andere treffen. Homeoffice, Vereinsschwund und digitale Kommunikation lassen eine Lücke, die Cafés, Bäckereien, Wirtshäuser und Bars füllen können. Wer seinen Betrieb als Treffpunkt denkt, mit Stammtischen, Themenabenden und offenen Tischen, gewinnt Gäste, die öfter kommen als nur zum Essen.

Nierhaus formuliert es im Trendreport so: Food und Beverage seien „der Klebstoff der Gesellschaft“. Er sieht Bäckereien, die sich mit offenen Backstuben zu sozialen Treffpunkten entwickeln, und soziale Speisezimmer, die die klassische Kantine ersetzen. Für den Mittelstand in der Gastronomie ist das eine gute Nachricht, denn dieser Trend lässt sich nicht von Ketten kopieren. Er hängt an Menschen.

Aus der Beratungspraxis, anonymisiert

Der Digestif, den niemand anbot

Ein Hotelrestaurant im Allgäu mit gut sortierter Schnapsauswahl stellte fest, dass der Digestif praktisch nie aktiv empfohlen wurde. Gäste blieben trotzdem gern länger sitzen, nur eben ohne Anlass. Nach Aufnahme in den Standardablauf beim Abräumen der Dessertteller stieg der Spirituosenumsatz spürbar, bei sehr hohem Deckungsbeitrag. Der Treffpunkt war längst da. Es fehlte nur der Satz, der ihn verlängert.

Konkret heißt das für 2027: Plane Formate, die Menschen zusammenbringen. Ein fester Stammtisch-Abend, ein langer Tisch für Alleinreisende, ein monatlicher Themenabend mit dem Winzer oder Brauer, ein Frühstück für Senioren am ruhigen Dienstag. Das kostet wenig und füllt Zeiten, die sonst leer bleiben.

HYPE-O-METER

reiner Hypetragfähig

Treffpunkt-Gastronomie: tragfähig, vor allem für inhabergeführte Betriebe.

Welche Trends sind 2027 eher Hype?

Eher Hype sind 2027 Trends mit hoher Investition und unsicherer Nachfrage: reine Lieferküchen ohne Gastraum, Luxuszutaten wie Trüffel und Hummer im Alltagsformat, Serviceroboter und Konzepte, die auf eine einzige Modezutat setzen. Hype heißt nicht, dass niemand damit Geld verdient. Es heißt, dass es für die meisten Betriebe teurer wird, als es zunächst aussieht.

Lieferküche ohne Gastraum

Investition: mittel, aber laufende Plattformkosten

Risiko: hoch, Abhängigkeit von Plattformen und Fahrern

Passt für: bestehende Betriebe mit freier Küchenkapazität, nicht als Neugründung

Luxus im Alltagsformat

Investition: gering, aber hoher Wareneinsatz

Risiko: mittel, Gäste testen einmal und kommen nicht wieder

Passt für: Aktionen und Signature-Gerichte, nicht für die Grundkarte

Modezutat als Konzept

Investition: gering bis hoch

Risiko: hoch, die Mode ist schneller vorbei als der Pachtvertrag

Passt für: ein Dessert oder Getränk auf der Karte, nicht für die Ladenidee

René Kaplick zeigt in einer Lieferküche nachts auf einem Tablet die Umsatzentwicklung, daneben packen zwei Köche Bestellungen in Papiertüten
Erst rechnen, dann eröffnen: René Kaplick von den Gastro Piraten prüft in einer Lieferküche, was nach allen Kosten übrig bleibt. (KI-generierte Szene)

Die Lieferküche ist das beste Beispiel. Auf dem Papier sieht sie verlockend aus: kein teurer Gastraum, keine Servicekräfte, günstiger Standort im Gewerbegebiet. In der Rechnung fehlen dann oft die Provisionen der Plattformen, die Verpackungskosten und die Tatsache, dass der Gast den Betrieb nie kennenlernt und deshalb auch nicht gebunden wird. Für ein bestehendes Restaurant mit freier Küchenkapazität kann Lieferung ein zweites Standbein sein. Für eine Neugründung, die nur darauf baut, ist sie ein großes Risiko.

Auch der Nierhaus-Report nennt die Demokratisierung von Luxusprodukten wie Trüffel und Hummer und die Pistazie als prägende Zutat. Das sind echte Bewegungen am Markt. Die Frage für deinen Betrieb ist nur, ob du damit Geld verdienst. Ein Trüffel-Gericht auf der Grundkarte treibt den Wareneinsatz nach oben, ein Pistazien-Dessert als saisonale Aktion kann dagegen sehr gut funktionieren. Warum gute Ideen trotzdem scheitern, zeigt unser Beitrag Warum scheitern Gastronomiekonzepte.

Welche neuen Pflichten kommen 2027 auf Gastronomen zu?

2027 kommen vor allem zwei Pflichten auf Gastronomen zu: Der Mindestlohn steigt am 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro pro Stunde, und die EU-Verpackungsverordnung verschärft schrittweise die Regeln für Take-away und Verpackungen. Beide wirken direkt auf die Kalkulation. Sie sind keine Trends, die man auslassen kann, sondern Rahmenbedingungen, die jeder Trend-Entscheidung vorausgehen.

Ab wann Was Was du tun musst
1. Januar 2027Mindestlohn 14,60 EuroLohnliste, Minijob-Grenze und Kalkulation anpassen
12. Februar 2027EU-Verpackungsverordnung: Gäste dürfen für Take-away eigene Behälter mitbringenHygieneablauf für fremde Behälter festlegen, Team schulen
12. Februar 2028Mehrweg-Option für Take-away EU-weit, mit Erleichterungen für KleinstbetriebeMehrweg-System prüfen, in Deutschland gilt die Mehrwegangebotspflicht bereits seit 2023
2030Kein Einwegkunststoff mehr für Verzehr vor Ort, auch keine Portionsverpackungen aus PlastikBei Neuanschaffungen jetzt schon auf Mehrweg setzen

Die Verpackungspflichten ergeben sich aus der EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40, die seit dem 12. August 2026 gilt. Für Kleinstbetriebe gibt es teilweise Erleichterungen, die Details solltest du mit deinem Verband oder deiner IHK klären. Die Mindestlohnerhöhung trifft vor allem Betriebe mit vielen Aushilfen, die Grundlagen stehen im Beitrag zum Mindestlohn in der Gastronomie. Wie du die Personalkosten trotzdem im Griff behältst, steht im Beitrag zu den Personalkosten in der Gastronomie. Die Umstellung der Lohnabrechnung übernimmt unsere Lohnbuchhaltung.

Wie prüfst du, ob ein Trend zu deinem Betrieb passt?

Ob ein Trend zu deinem Betrieb passt, prüfst du mit sieben Fragen: Passt er zu deinen Gästen, zu deinem Standort und zu deinem Konzept? Kannst du ihn mit deinem Team umsetzen? Was kostet er, und wann ist die Investition zurück? Senkt oder erhöht er deinen Wareneinsatz? Und kannst du ihn nach drei Monaten messen? Mehr als zweimal Nein heißt: auslassen.

Trend-Check in sieben Fragen

  1. Gäste: Fragen meine Stammgäste danach, oder nur die Fachpresse?
  2. Standort: Gibt es in meiner Umgebung genug Menschen, für die das relevant ist?
  3. Konzept: Verstärkt der Trend mein Profil, oder verwässert er es?
  4. Team: Kann mein Team das ohne neue Spezialisten umsetzen?
  5. Investition: Ist das Geld in zwölf Monaten wieder drin?
  6. Wareneinsatz: Bleibe ich bei Speisen im Zielbereich von 28 bis 32 Prozent und bei Getränken bei 18 bis 22 Prozent?
  7. Messbarkeit: Woran sehe ich nach drei Monaten in der Kasse, ob es funktioniert?

Mehr als zweimal Nein? Dann lass den Trend aus oder teste ihn klein als Aktion, nicht als Umbau.

Die siebte Frage ist die wichtigste und die, die am häufigsten fehlt. Ein Trend, dessen Erfolg du nicht messen kannst, ist ein Bauchgefühl mit Investition. Dafür brauchst du eine Kasse, die nach Warengruppen auswertet, und eine BWA, die du lesen kannst. Wie das geht, zeigt unser Beitrag zur BWA in der Gastronomie. Wenn du vor einer Neugründung oder einem Umbau stehst, lohnt sich zuerst der Blick in unseren Leitfaden zum Gastrokonzept und zum Businessplan in der Gastronomie.

Aus dem Archiv

Pierre Nierhaus über Konzepttrends

Schon 2019 hat René Kaplick mit dem Trendexperten und ehemaligen Gastronomen Pierre Nierhaus im Podcast darüber gesprochen, wie gastronomische Konzepte wirklich erfolgreich werden. Viele Fragen von damals sind heute aktueller denn je. Seinen aktuellen Gastro Trendreport 2026/27 stellt Nierhaus auf seiner Website zum Download bereit.

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Wer hier schreibt

René Kaplick ist in der Gastronomie aufgewachsen und hat mit zehn Jahren die ersten Gäste bedient. Nach der Kochausbildung arbeitete er in der Sternegastronomie im First Floor Berlin und wurde später Handelsfachwirt. Seit 2010 hat er mit den Gastro Piraten über 5.600 Betriebe beraten. Die Gastro Piraten sind KfW- und BAFA-akkreditiert und DEHOGA-Partner. Mehr über uns

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Häufige Fragen zu Gastronomie-Trends 2027

Trends und Konzepte

Was sind die wichtigsten Gastronomie-Trends 2027?
Bewusster Getränkekonsum mit starker alkoholfreier Karte, kleinere Speisekarten, ein schnelleres Mittagsgeschäft, Technik im Hintergrund, Regionalität mit nachvollziehbarer Herkunft und Gastronomie als sozialer Treffpunkt. Dazu kommen Pflichten wie der Mindestlohn von 14,60 Euro und neue EU-Verpackungsregeln.

Lohnt sich eine alkoholfreie Getränkekarte?
Ja, wenn sie mehr bietet als Wasser und Softdrinks. Selbst entwickelte alkoholfreie Drinks können einen höheren Deckungsbeitrag bringen als ein Glas Wein. Der Bierabsatz sank 2025 laut Destatis um 6,0 Prozent, die Produktion von alkoholfreiem Bier stieg um 6,5 Prozent.

Welche Gastro-Trends sind nur Hype?
Für die meisten Betriebe eher Hype sind reine Lieferküchen als Neugründung, Luxuszutaten auf der Grundkarte, Serviceroboter und Konzepte, die auf eine einzige Modezutat setzen. Sie können als Aktion funktionieren, tragen aber selten ein ganzes Konzept.

Wie viele Gerichte sollte eine Speisekarte 2027 haben?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, dass jedes Gericht nach Verkaufsmenge und Deckungsbeitrag seinen Platz verdient. In der Praxis sind viele Karten deutlich zu lang und binden Ware, Kühlraum und Arbeitszeit ohne Ertrag.

Zahlen und Pflichten

Wie hat sich der Umsatz in der Gastronomie 2025 entwickelt?
Laut vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg der Umsatz der Gastronomie 2025 nominal um 1,8 Prozent, sank real aber um 2,2 Prozent. Gäste haben mehr bezahlt, aber weniger konsumiert.

Welche Mehrwertsteuer gilt 2027 in der Gastronomie?
Für Speisen gilt seit dem 1. Januar 2026 dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 Prozent, egal ob im Haus oder zum Mitnehmen. Getränke bleiben grundsätzlich bei 19 Prozent. Die Kasse muss Speisen und Getränke sauber trennen.

Wie hoch ist der Mindestlohn 2027?
Ab dem 1. Januar 2027 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 14,60 Euro pro Stunde, nach 13,90 Euro im Jahr 2026. Das betrifft auch die Verdienstgrenze für Minijobs, die an den Mindestlohn gekoppelt ist.

Was ändert die EU-Verpackungsverordnung für Gastronomen?
Ab dem 12. Februar 2027 müssen Take-away-Betriebe ermöglichen, dass Gäste eigene Behälter befüllen lassen. Ab 2028 kommt EU-weit eine Mehrweg-Option, ab 2030 sind Einwegkunststoff und Plastik-Portionsverpackungen für den Verzehr vor Ort verboten. Für Kleinstbetriebe gibt es teilweise Erleichterungen.

Umsetzung

Wie erkenne ich, ob ein Trend zu meinem Betrieb passt?
Prüfe sieben Punkte: Gäste, Standort, Konzept, Team, Investition, Wareneinsatz und Messbarkeit. Wenn mehr als zwei Antworten Nein lauten, lass den Trend aus oder teste ihn klein als befristete Aktion statt als Umbau.

Wer ist Pierre Nierhaus?
Pierre Nierhaus ist Trendexperte und ehemaliger Gastronom. Er veröffentlicht regelmäßig einen Gastro Trendreport, aktuell die Ausgabe 2026/27, und war 2019 Gast im Podcast der Gastro Piraten zum Thema Konzepttrends.

Trends kommen und gehen. Was bleibt, ist die Frage, ob am Ende des Monats mehr auf dem Konto ist als vorher. Fang mit dieser Frage an, nicht mit der Trendliste.

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