Kategorie: Marketing und Personal | Lesezeit: etwa 14 Minuten
Ein Gast kommt herein, bestellt ein Bier, ein Hauptgericht, trinkt aus, zahlt und geht. Durchschnittsbon: 22 Euro. Der Abend war voll, die Küche lief, am Ende stimmt der Tagesumsatz ungefähr.
Klingt solide, oder?
Jetzt rechne nach, was an diesem Tisch liegen geblieben ist. Kein zweites Bier, weil niemand gefragt hat. Kein Espresso nach dem Essen. Kein Aperitif vor der Vorspeise. Drei Getränke, die der Gast gerne genommen hätte, weil sie sein Erlebnis besser gemacht hätten. Bei Getränken mit einem Rohertrag jenseits der 75 Prozent ist das nicht ein bisschen Umsatz. Das ist der Unterschied zwischen einem Betrieb, der gerade so läuft, und einem, der Geld verdient.
Den Getränkeumsatz steigern heißt nicht: mehr Gäste, höhere Preise, neue Karte. Es heißt: pro Gast ein halbes Getränk mehr verkaufen, an den richtigen vier Punkten im Service, mit den richtigen Sätzen. Dieser Artikel zeigt dir, wo diese Punkte liegen, welche Formulierungen heute Abend funktionieren und warum gerade Getränke der stärkste Margenhebel sind, den du im Betrieb hast.
Warum ist der Getränkeumsatz der stärkste Hebel in deinem Betrieb?
Getränke tragen den höchsten Rohertrag aller Positionen auf deiner Karte. Während ein Hauptgericht nach Wareneinsatz, Arbeitszeit und Energie oft nur 20 bis 30 Prozent Deckungsbeitrag übrig lässt, liegt der Rohertrag bei Bier vom Fass jenseits der 90 Prozent. Bei Spirituosen, Softdrinks und Kaffee sieht es ähnlich aus. Ein verkauftes Getränk kostet dich fast keine zusätzliche Arbeitszeit und kaum Ware. Genau deshalb entscheidet der Getränkeverkauf darüber, ob am Monatsende etwas übrig bleibt.
Die wirtschaftliche Lage macht diesen Hebel noch wichtiger. Der Umsatz im Gastgewerbe ist 2025 real um 2,1 Prozent gesunken, in der Gastronomie sogar real um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (Statistisches Bundesamt, Februar 2026). Real bedeutet: preisbereinigt. Die Gäste geben nominal zwar mehr aus, kaufen aber weniger. Wer in diesem Umfeld auf mehr Gäste wartet, wartet vergeblich. Der einzige Hebel, der ohne mehr Frequenz funktioniert, ist der Bon pro Gast. Und der hängt am Getränk.
Dazu kommt die Kostenseite. Die Preise für alkoholfreie Getränke im Einkauf sind zwischen Anfang 2022 und Mitte 2025 um rund 32 Prozent gestiegen, alkoholische um etwa 18 Prozent (DEHOGA Bundesverband). Wenn der Einkauf teurer wird, der Verkauf aber nicht aktiv gesteuert wird, frisst die Kostenseite die Marge auf. Aktiver Getränkeverkauf ist die Antwort auf beide Entwicklungen gleichzeitig.
| Position | Typischer Wareneinsatz | Rohertrag | ||
| Bier vom Fass (0,3 l) | unter 10 Prozent | über 90 Prozent | ||
| Softdrink (0,2 l) | etwa 15 bis 20 Prozent | etwa 80 Prozent | ||
| Kaffee, Espresso | etwa 8 bis 12 Prozent | über 88 Prozent | ||
| Wein offen (0,2 l) | etwa 25 bis 30 Prozent | etwa 70 Prozent | ||
| Hauptgericht | etwa 28 bis 35 Prozent | etwa 65 Prozent | ||
Quelle: Gastro Piraten Beratungspraxis, 2024/2025. Werte je nach Einkauf und Region unterschiedlich.
Wie viel bringen 0,5 Drinks mehr pro Gast wirklich?
Ein halbes Getränk mehr pro Gast bringt einem durchschnittlichen Restaurant rund 28.000 Euro zusätzlichen Rohertrag im Jahr. Das klingt nach viel für so wenig. Es ist aber nur Arithmetik, und die rechnen wir dir hier offen vor, damit du sie auf deinen eigenen Betrieb übertragen kannst.
Die Annahme: 80 Gäste am Abend, ein halbes zusätzliches Getränk pro Gast bedeutet 40 zusätzliche Getränke pro Abend. Bei einem durchschnittlichen Getränkepreis von 4,50 Euro brutto bleiben nach Abzug der 19 Prozent Mehrwertsteuer 3,78 Euro netto. Davon sind bei einem Mischrohertrag von 75 Prozent rund 2,84 Euro echter Deckungsbeitrag pro Getränk.
| Rechengröße | Wert |
| Gäste pro Abend | 80 |
| Zusätzliche Getränke (0,5 pro Gast) | 40 |
| Getränkepreis brutto | 4,50 Euro |
| Netto nach 19 Prozent MwSt | 3,78 Euro |
| Rohertrag bei 75 Prozent | 2,84 Euro pro Getränk |
| Zusatz-Rohertrag pro Abend | rund 113 Euro |
| Öffnungstage pro Jahr | 250 |
| Zusatz-Rohertrag pro Jahr | rund 28.000 Euro |
Quelle: Gastro Piraten Beratungspraxis, 2024/2025. Rechenbeispiel mit gerundeten Annahmen.
28.000 Euro Rohertrag sind kein neuer Gast, kein Kredit, keine neue Karte. Es ist dieselbe Gästezahl, derselbe Betrieb, dieselbe Küche. Der einzige Unterschied: An jedem zweiten Tisch wird ein Getränk mehr verkauft. Und weil Getränke kaum zusätzliche Kosten verursachen, landet fast der gesamte Betrag im Ergebnis.
| Aus der BeratungspraxisRené Kaplick hat in über 5.600 Beratungen beobachtet, dass die meisten Betriebe ihren Getränkeanteil gar nicht kennen. Wer ihn misst, stellt fast immer fest: Er liegt unter 30 Prozent vom Gesamtumsatz, obwohl 35 bis 40 Prozent realistisch wären. Diese Lücke von zehn Prozentpunkten ist in echten Euro fast immer fünfstellig. Sie entsteht nicht durch schlechte Gäste, sondern durch nicht gestellte Fragen. |
An welchen 4 Punkten erhöhst du den Bon aktiv?
Es gibt vier feste Momente im Service, an denen ein Getränk verkauft wird oder eben nicht. Wer diese Punkte kennt, nutzt sie bewusst. Wer sie nicht kennt, lässt sie verstreichen. Anders als beim Speisenverkauf sind die Getränkemomente besonders klar abgegrenzt, weil sich der Durst im Verlauf eines Besuchs mehrfach neu stellt.
Spot 1: Die Ankunft, bevor die Karte gelesen wird
Der erste Moment ist der wertvollste und wird am häufigsten verschenkt. Der Gast sitzt, ist noch nicht in der Karte versunken und hat Durst von der Anreise. Wer hier sofort ein Getränk anbietet, verkauft fast immer eines. Die Servicekraft, die erst die Karte bringt und dann verschwindet, verliert diesen Moment. Ein einfacher Satz beim ersten Hinstellen der Karte reicht: „Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen, während Sie schauen?“
Spot 2: Das leere Glas
Der zweite Moment ist das fast leere Glas. Wer wartet, bis der Gast von sich aus nachbestellt, verliert die Hälfte aller Nachschank-Chancen, weil viele Gäste aus Höflichkeit nicht winken. Die Servicekraft, die im Vorbeigehen das Glas im Blick hat und fragt, bevor es leer ist, verkauft die zweite Runde fast automatisch. Der entscheidende Satz kommt, wenn das Glas noch einen Schluck enthält, nicht erst danach.
Spot 3: Zum Essen
Der dritte Moment ist die Bestellung der Speise. Zu jedem Gericht passt ein Getränk, und die Empfehlung im richtigen Augenblick wirkt nicht als Verkauf, sondern als Kompetenz. Wer zum Steak einen offenen Rotwein vorschlägt oder zum Fisch ein Glas Weißwein, verkauft die margenstarke offene Weinposition statt der Flasche Wasser. Das ist der Punkt, an dem aus einem Kellner ein Gastgeber wird.
Spot 4: Nach dem Essen
Der vierte Moment kommt, wenn der Teller abgeräumt ist. Jetzt entscheidet sich, ob der Gast noch einen Espresso, einen Digestif oder einen zweiten Kaffee nimmt oder direkt nach der Rechnung fragt. Wer in dieser Lücke aktiv ist, holt den hochmargigen Abschluss. Wer abräumt und verschwindet, signalisiert dem Gast, dass der Abend vorbei ist. Der Kaffee nach dem Essen ist eines der profitabelsten Getränke überhaupt, weil sein Wareneinsatz im Cent-Bereich liegt.
Wie du dein Team systematisch auf diese Momente trainierst, haben wir ausführlich im Artikel zum Upselling in der Gastronomie beschrieben. Dort geht es um den gesamten Zusatzverkauf, hier konzentrieren wir uns auf den margenstärksten Teil davon: die Getränke.
Welche Sätze funktionieren heute Abend im Service?
Die Formulierung entscheidet über Ja oder Nein. Eine geschlossene Frage lädt zum Nein ein, eine offene Frage lädt zur Entscheidung ein. „Möchten Sie noch etwas trinken?“ lässt sich mit einem einsilbigen Nein abräumen, ohne dass der Gast überhaupt nachdenkt. „Darf ich Ihnen noch ein Kölsch bringen oder lieber etwas anderes?“ verlangt eine echte Wahl und führt deutlich häufiger zum Verkauf.
Diese Sätze funktionieren heute Abend, ohne Schulungstag, ohne Rollenspiel. Gib sie deinem Team auf einer Karte mit und lass sie ausprobieren.
| Statt dieser Frage | Besser dieser Satz | ||
| Möchten Sie etwas trinken? | Darf ich Ihnen schon etwas zu trinken bringen, während Sie die Karte anschauen? | ||
| Noch ein Bier? | Noch eine Runde? Ich bringe sie gerne gleich mit. | ||
| Möchten Sie einen Nachtisch? | Darf ich Ihnen zum Abschluss einen Espresso oder einen Grappa bringen? | ||
| Sonst noch etwas? | Zum Steak passt unser offener Spätburgunder hervorragend, darf ich Ihnen ein Glas bringen? | ||
| Alles erledigt? | Möchten Sie den Abend mit einem Kaffee ausklingen lassen? | ||
| Praxis-Tipp Der wirksamste Satz ist nie auswendig gelernt, sondern echt. Lass dein Team alles probieren, was hinter der Theke steht. Wer den offenen Weißwein selbst gekostet hat, empfiehlt ihn mit Überzeugung. Eine ehrliche Empfehlung verkauft zehnmal besser als ein abgelesener Standardsatz. Produktverkostung ist die billigste Schulung, die es gibt. | |||
Wie machst du aus Getränken echten Gewinn, nicht nur Umsatz?
Umsatz ist nicht Gewinn, und beim Getränk entscheidet der Pour Cost darüber, wie viel vom Verkaufspreis wirklich hängen bleibt. Pour Cost ist der Wareneinsatz eines Getränks im Verhältnis zu seinem Nettoverkaufspreis. Ein Pour Cost von 20 Prozent bedeutet: Von einem Euro Nettoumsatz gehen 20 Cent für die Ware drauf, 80 Cent bleiben als Rohertrag. Je niedriger der Pour Cost, desto profitabler das Getränk.
Der häufigste Fehler ist nicht der falsche Preis, sondern der unkontrollierte Ausschank. Wer Spirituosen frei Hand eingießt statt mit Portionierer, verschenkt bei jedem Glas Marge. Bei 4 cl Soll und 5 cl Ist sind das 25 Prozent mehr Wareneinsatz, jeden Abend, an jeder Position. Das summiert sich über ein Jahr zu einem vierstelligen Betrag, den niemand bucht, weil er nie auf einer Rechnung auftaucht.
Die zweite Stellschraube ist die Karte selbst. Welche Getränke laufen, welche tragen Marge, welche tun beides? Diese Logik gehört in jede Kalkulation. Wie du den Deckungsbeitrag jeder einzelnen Position sauber berechnest, zeigen wir Schritt für Schritt in unserer Anleitung zur Deckungsbeitragskalkulation. Erst wenn du weißt, welches Getränk wie viel trägt, lohnt sich der gezielte aktive Verkauf der richtigen Positionen.
| Vorsicht bei diesen drei Margenfressern Freihand-Ausschank ohne Portionierer: bei Spirituosen schnell 20 bis 25 Prozent Mehrverbrauch.Schwund und Eigenverbrauch ohne Erfassung: was nicht gebucht wird, fehlt im Ergebnis.Falsche Glasgrößen: wer 0,25 l statt 0,2 l offenen Wein eingießt, verschenkt bei jedem Glas Rohertrag. |
Was bedeutet die 19-Prozent-Mehrwertsteuer auf Getränke für deine Kalkulation?
Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Speisen in der Gastronomie dauerhaft der ermäßigte Satz von 7 Prozent, Getränke bleiben ausdrücklich bei 19 Prozent (Bundesregierung, Steueränderungsgesetz 2025). Das heißt: Von jedem Euro, den ein Gast für ein Getränk zahlt, gehen rund 16 Cent als Mehrwertsteuer ans Finanzamt, während es bei der Speise nur etwa 6,5 Cent sind. Auf den ersten Blick wirkt das Getränk dadurch steuerlich benachteiligt.
Der Rohertrag dreht das Bild aber sofort um. Selbst nach den 19 Prozent bleibt beim Getränk wegen des minimalen Wareneinsatzes deutlich mehr Deckungsbeitrag als bei den meisten Speisen. Die höhere Steuer macht den aktiven Getränkeverkauf nicht weniger lohnend, sie macht die saubere Kalkulation nur noch wichtiger, weil du auf dem Bon Speisen und Getränke jetzt sauber trennen musst.
Eine Ausnahme solltest du kennen: Milch und Milchmischgetränke mit mindestens 75 Prozent Milchanteil, etwa Cappuccino oder Latte Macchiato, sowie Leitungswasser außer Haus fallen unter 7 Prozent. Bei Kombiangeboten aus Speisen und Getränken zu einem Pauschalpreis ist eine Aufteilung zwingend. Wie du diese Trennung im Kassensystem und in der Buchhaltung korrekt abbildest, ist eine steuerliche Frage. Hier geht es um echtes Geld und um Haftung, deshalb gehört diese Frage zu einem zugelassenen Steuerberater, nicht in ein Bauchgefühl.
| WichtigDie Gastro Piraten sind keine Steuerberater. Die korrekte umsatzsteuerliche Behandlung von Getränken, Kombiangeboten und Gutscheinen klärst du mit einem zugelassenen Steuerberater. Fehler bei der Trennung von 7 und 19 Prozent können zu Nachzahlungen führen. |
Wie trainierst du dein Team, ohne dass es aufgesetzt wirkt?
Training in kleinen Einheiten schlägt jeden Seminartag. Das größte Hindernis ist nie fehlendes Wissen, sondern fehlende Zeit, weil morgens geliefert wird, mittags Gäste kommen und abends Stress herrscht. Deshalb funktioniert die Kombination aus täglich fünf Minuten vor dem Service und einmal im Monat einer halben Stunde besser als ein einmaliger langer Schulungstag, der nach zwei Wochen verpufft.
Inhaltlich brauchst du drei Dinge: Die vier Spots müssen jeder Servicekraft im Schlaf präsent sein. Die konkreten Sätze gehören auf eine kleine Karte in die Schürze. Und das Team muss die Getränke kennen, die es empfehlen soll, durch echte Verkostung. Entscheidend ist, dass der Chef mitmacht. Wer selbst vormacht, wie eine Empfehlung klingt, gibt dem Team ein Vorbild, das stärker wirkt als jede Anweisung.
Damit Schulung nicht nach zwei Wochen einschläft, braucht sie einen sichtbaren Anreiz. Das muss kein großes Bonussystem sein. Oft reicht es, den Getränkeanteil pro Schicht sichtbar zu machen und kleine Erfolge anzuerkennen. Genau diese Verbindung aus Messung, Training und Anreiz bauen wir mit Betrieben in unserem Marketing und Vertriebauf. Wenn du wissen willst, wo bei dir konkret die größte Lücke liegt, schauen wir uns das in einer Gastronomieberatunggemeinsam an.
Fallbeispiel: Wie ein Stadtrestaurant in Sachsen seinen Getränkeanteil hob
| Ausgangssituation Ein inhabergeführtes Stadtrestaurant in Sachsen mit 60 Plätzen, gut besucht, solide Küche. Der Getränkeanteil lag bei 27 Prozent vom Gesamtumsatz. Der Inhaber hielt das für normal, weil die Küche im Vordergrund stand.ProblemDie Analyse der Bons zeigte: Bei mehr als der Hälfte der Tische wurde nach dem ersten Getränk nie wieder ein Getränk verkauft. Kein Nachschank, kein Wein zum Essen, kein Kaffee danach. Die Servicekräfte waren freundlich, aber rein passiv. Niemand fragte.MaßnahmeEingeführt wurden die vier Spots, eine Satzkarte in der Schürze und täglich fünf Minuten Vorbesprechung vor dem Abendservice. Dazu eine Verkostung des offenen Weinsortiments, damit das Team echte Empfehlungen aussprechen konnte. Der Getränkeanteil wurde pro Schicht sichtbar gemacht.ErgebnisInnerhalb von drei Monaten stieg der Getränkeanteil von 27 auf 36 Prozent. Bei gleichbleibender Gästezahl bedeutete das rund 0,6 zusätzliche Getränke pro Gast und einen fünfstelligen Zusatz-Rohertrag im Jahr. Keine neue Karte, keine Preiserhöhung, dieselben Gäste.Name und Ort wurden aus Datenschutzgründen anonymisiert. Der geschilderte Fall basiert auf einer echten Beratungssituation der Gastro Piraten. |
Wer hinter diesem Wissen steht
| Über den Autor René Kaplick hat Gastronomie nicht studiert. Er ist darin aufgewachsen. Mit zehn Jahren hat er das erste Bier gezapft, neben seinen Eltern, für echte Gäste. Was folgte: Kochausbildung, Stationen in der Sternegastronomie (u.a. First Floor Berlin, Michelin-Stern), Handelsfachwirt, über 5.600 beratene Betriebe im DACH-Raum seit 2010. Die Fragen, die er stellt, hat er selbst durchgelebt. |
Mehr über René Kaplick und die Gastro Piraten erfährst du auf unserer Grounding Page.
| Wo liegt bei dir der größte Hebel? Wir schauen gemeinsam auf deine Zahlen: Getränkeanteil, Pour Cost, Bon pro Gast. Ein Gespräch, konkrete Ergebnisse, null Euro. Du bekommst eine ehrliche Einschätzung, wo bei dir das meiste Geld liegen bleibt.Jetzt kostenloses Erstgespräch buchen |
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Häufige Fragen zum Getränkeumsatz
| Wie viel Getränkeumsatz ist in der Gastronomie normal? |
| Ein gesunder Getränkeanteil liegt bei 35 bis 40 Prozent vom Food-und-Beverage-Gesamtumsatz. Viele klassische Restaurants liegen unter 30 Prozent, oft sogar bei 25 Prozent, ohne es zu wissen. Diese Lücke von zehn Prozentpunkten ist fast immer ein fünfstelliger Betrag im Jahr. Der erste Schritt ist immer, den eigenen Anteil aus dem Kassensystem zu ermitteln. |
| Wie steigere ich den Getränkeumsatz, ohne die Preise zu erhöhen? |
| Indem du pro Gast ein halbes Getränk mehr verkaufst, an vier festen Punkten im Service: bei der Ankunft, beim fast leeren Glas, zur Speise und nach dem Essen. Eine Preiserhöhung trifft jeden Gast und riskiert Widerstand. Ein zusätzliches Getränk durch eine charmante Empfehlung trifft nur jene Gäste, die es ohnehin gerne genommen hätten. Bei 80 Gästen am Abend bringen 0,5 Getränke mehr rund 28.000 Euro Rohertrag im Jahr. |
| Welche Getränke haben den höchsten Rohertrag? |
| Bier vom Fass liegt beim Rohertrag jenseits der 90 Prozent, Kaffee und Espresso ebenfalls über 88 Prozent, Softdrinks bei etwa 80 Prozent. Offener Wein bringt rund 70 Prozent. Damit schlägt fast jedes Getränk den Deckungsbeitrag eines Hauptgerichts, das nach Wareneinsatz und Arbeitszeit oft nur 20 bis 30 Prozent übrig lässt. Genau deshalb ist der aktive Getränkeverkauf der stärkste Margenhebel im Betrieb. |
| Wie viel Mehrwertsteuer fällt auf Getränke an? |
| Auf Getränke gilt seit dem 1. Januar 2026 weiterhin der Regelsteuersatz von 19 Prozent, während Speisen dauerhaft auf 7 Prozent gesenkt wurden. Ausnahmen sind Milch und Milchmischgetränke mit mindestens 75 Prozent Milchanteil, etwa Cappuccino oder Latte Macchiato, sowie Leitungswasser außer Haus mit 7 Prozent. Die korrekte Trennung auf dem Bon klärst du mit einem zugelassenen Steuerberater. |
| Wann frage ich den Gast am besten nach einem zweiten Getränk? |
| Am besten, bevor das erste Glas leer ist. Viele Gäste bestellen aus Höflichkeit nicht von sich aus nach und warten, bis jemand fragt. Wer im Vorbeigehen das fast leere Glas sieht und fragt, während noch ein Schluck drin ist, verkauft die zweite Runde fast automatisch. Nach dem leeren Glas ist der Moment oft schon vorbei, weil der Gast innerlich abgeschlossen hat. |
| Was ist Pour Cost und wie berechne ich ihn? |
| Pour Cost ist der Wareneinsatz eines Getränks im Verhältnis zu seinem Nettoverkaufspreis. Du teilst die Einkaufskosten der ausgeschenkten Menge durch den Nettopreis und multiplizierst mit 100. Ein Pour Cost von 20 Prozent bedeutet, dass 80 Prozent als Rohertrag bleiben. Je niedriger der Pour Cost, desto profitabler das Getränk. Portionierer und feste Glasgrößen halten den Pour Cost stabil. |
| Wie verhindere ich, dass aktiver Verkauf aufdringlich wirkt? |
| Aufdringlich ist, wer den Gast nicht beobachtet, mehrfach nachfragt oder dem zahlungsbereiten Gast noch etwas aufdrängt. Charmanter Getränkeverkauf liest die Situation, kommt im richtigen Moment und hört auf, wenn der Gast kein Interesse zeigt. Eine echte Empfehlung zu einem passenden Gericht wird nie als Verkauf empfunden, sondern als Gastfreundschaft. Der Unterschied liegt nicht im Ob, sondern im Wie. |
| Lohnt sich aktiver Getränkeverkauf auch im Café? |
| Ja, im Café sogar besonders, weil Kaffee und Kuchen die margenstärksten Positionen sind. Der zweite Cappuccino, das Glas Wasser dazu, der Espresso nach dem Kuchen: Das sind genau die Getränke mit einem Wareneinsatz im Cent-Bereich. Wer im Café die Spots Ankunft und Nachschank konsequent nutzt, hebt den Bon pro Gast spürbar, ohne dass es nach Verkauf aussieht. |
| Wie viel mehr Umsatz bringen 0,5 Getränke pro Gast? |
| Bei 80 Gästen am Abend sind 0,5 zusätzliche Getränke pro Gast gleich 40 Getränke pro Abend. Bei einem Durchschnittspreis von 4,50 Euro brutto und einem Rohertrag von 75 Prozent ergibt das rund 113 Euro Zusatz-Rohertrag pro Abend. Auf 250 Öffnungstage gerechnet sind das rund 28.000 Euro im Jahr, fast vollständig ergebniswirksam, weil Getränke kaum zusätzliche Kosten verursachen. |
| Wie messe ich, ob mein Getränkeverkauf besser wird? |
| Die wichtigste Kennzahl ist der Getränkeanteil am Gesamtumsatz, den dir jedes Kassensystem ausweist. Miss ihn pro Schicht und pro Servicekraft. Eine zweite nützliche Zahl ist der durchschnittliche Bon pro Gast, getrennt nach Speisen und Getränken. Wenn beide Werte über die Wochen steigen, wirkt dein Training. Sichtbarkeit pro Schicht ist dabei selbst schon ein Anreiz für das Team. |
| Welche Sätze funktionieren beim Getränkeverkauf am besten? |
| Offene Sätze, die eine Entscheidung verlangen, statt geschlossener Fragen, die zum Nein einladen. Statt „Noch ein Bier?“ besser „Noch eine Runde? Ich bringe sie gerne gleich mit.“ Statt „Möchten Sie einen Nachtisch?“ besser „Darf ich Ihnen zum Abschluss einen Espresso oder einen Grappa bringen?“ Der wirksamste Satz ist immer eine echte Empfehlung aus eigener Verkostung, nicht ein abgelesener Standardsatz. |
| Wie schule ich mein Team, ohne einen ganzen Tag zu blockieren? |
| In kleinen Einheiten: täglich fünf Minuten vor dem Service und einmal im Monat eine halbe Stunde wirken stärker als ein einmaliger Seminartag, der nach zwei Wochen verpufft. Gib die vier Spots und die Satzkarte mit, lass das Team die Getränke selbst verkosten und mach als Chef vor, wie eine Empfehlung klingt. Sichtbarkeit des Getränkeanteils pro Schicht hält die Motivation dauerhaft. |